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Es ist angerichtet: Fergie serviert ihr zweites Album.
Es ist angerichtet: Fergie serviert ihr zweites Album.
Freitag, 20. Oktober 2017

Fergie ist zurück: "Hier habt ihr's: In euer Gesicht!"

Was war das fergalicious damals, als die Frau von den Black Eyed Peas erstmals auf Solopfaden wandelte. Seitdem sind 11 Jahre vergangen. Fergie hat ihre Suchtprobleme öffentlich gemacht, ist Mutter geworden und ihr eigener Chef. Mit n-tv.de spricht die 42-Jährige über dämonische Halluzinationen und ausgefeilte Excel-Tabellen und sie erklärt, wieso MILF ein Kompliment ist.

n-tv.de: "Double Doutchess" klingt wie eine Steigerung Ihres Vorgängeralbums "The Doutches". Was ist besser an der neuen Fergie?

"Double Doutchess" ist Fergies zweites Solo-Album.
"Double Doutchess" ist Fergies zweites Solo-Album.

Fergie: Ich habe mich nie so verletzlich gezeigt. Ich habe Themen ausgegraben, bei denen ich dachte: jetzt oder nie! Kreativ zu arbeiten ist meine Form der Therapie. Manchmal sind die Inhalte vielleicht ein bisschen düsterer oder verrückter, als es den Leuten angenehm ist. (Verdreht die Augen und spricht mit kratziger Stimme) Womöglich bin ich ein bisschen wahnsinnig … Ich habe allerdings auch nie etwas anderes behauptet.

In "A Little Work" singen Sie von nichts Geringerem als dem Kampf zwischen Gut und Böse. Sehen Sie heute noch manchmal Teufel - so wie Sie es im Song formulieren - oder haben Sie die besiegt?

(grinst) An einem gewöhnlichen Tag sehe ich keine Teufel. Die Dämonen, die ich an den Wänden gesehen habe, waren Halluzinationen und Teil einer drogeninduzierten Psychose. Stevie Nicks (ehemaliges Mitglied der Band Fleetwood Mac; Anm. d. Red.) hat das "Crystal Visions" genannt. (Singt leise vor sich hin) "I keep my visions to myself … Now here I go again, I see the crystal visions." Ich habe das alles tatsächlich eine Weile für mich behalten - bis es nicht mehr ging. Dann habe ich einmal in den Medien darüber gesprochen und auf einmal war es das Einzige, über das die Leute reden wollten. Aber so ist es halt, ich verstehe das.

Also haben Sie sich entschieden, Ihre Drogensucht auch in Ihrer Musik zu thematisieren?

Ich hatte das Gefühl, etwas ausdrücken zu müssen. Nach dieser langen Pause konnte ich nicht irgendeinen Blödsinn veröffentlichen. Die Leute haben nicht elf Jahre auf ein bisschen "la la la" gewartet. Ich sehe regelmäßig einen Therapeuten - tatsächlich hatte ich ihn gerade eben noch am Telefon. Das ist vermutlich für alle Beteiligten am besten so. Es gibt Tage, an denen komme ich nicht aus dem Bett. Das anzugehen, bedeutet Krieg im Kopf. Man denkt sich: Dies läuft gegen mich, jenes läuft gegen mich, hier zieht jemand an mir, da zieht jemand an mir. Aber man kann sich dazu entscheiden, aufzustehen, das Bett zu verlassen und die Probleme anzugehen. Darum geht es in "A Little Work".

Am Ende des dazugehörigen Videos tragen Sie Ihren vierjährigen Sohn Axl auf dem Arm. Hat er Sie gerettet?

Er ist ein Kind. Ein Kind ist immer rein. Aber die Szene hätte auch ohne Axl funktioniert: Ich hätte alleine aus der Kirche hinaus ins Licht laufen können. Nur hatte ich den ganzen Tag gedreht und Axl nicht gesehen. Deswegen haben wir uns zum Abschluss noch einen Spaß daraus gemacht. Zu Hause laufe ich schließlich nicht in einem pinkfarbenen Fellfummel rum. Wenn Axl das alles doof gefunden hätte, hätten wir es niemals gemacht - da bin ich Löwenmama. Aber er fand's super! (strahlt)

Sie klingen ja richtig begeistert!

Oh, ich kann stundenlang über meinen Sohn sprechen! Schauen Sie mal, das hier ist ein Axl-Projekt (präsentiert ihren Laptop, der mit vielen bunten Stickern beklebt ist, darunter ein Taco, ein Einhorn und ein Lippenstift). Es ist ein einziges Chaos! Was abfällt, klebe ich eben wieder an. Der Laptop ist noch nicht mal sauber … Aber mir ist es egal, ob es perfekt aussieht. Axl und ich haben es zusammen gemacht!

Er ist auch am Anfang des Songs "Enchanté" zu hören. Wie kam es dazu?

Ich habe mir den Track zu Hause angehört und dann hat Axl angefangen, die Lyrics vor sich hinzusingen. Irre süß! (Spricht mit kindlicher Stimme) "Enchanté, comment allez-vous?" Ich habe mein Handy im Aufnahmemodus neben uns gelegt und ein Spiel erfunden: Wir sind immer wieder aufs Bett geklettert und runtergesprungen. Bei der Landung musste man singen. Später waren wir aber nochmal gemeinsam im Studio.

Sie haben "Double Doutchess" auf Ihrem eigenen Label veröffentlicht und treten erstmals auch als Executive Producer auf. Wie war es, plötzlich diese neue Form von Verantwortung zu tragen?

Fergie ist als Mutter besser organisiert geworden. In Sachen Sexyness hat sich nichts verändert.
Fergie ist als Mutter besser organisiert geworden. In Sachen Sexyness hat sich nichts verändert.

Man wird mit Informationen überhäuft! Jeden Tag muss man so viele Nachrichten hin und her schreiben - das sind eine Menge Gigabytes, die verbrauchen ordentlich Speicherplatz, sage ich Ihnen! Ich bin aber sehr organisiert. Schauen Sie sich meinen Kalender an (klappt den Laptop auf und führt eine absurd feinteilige Excel-Tabelle vor). Das ist mein Leben! So funktioniert mein Gehirn: Alles hat Kategorien und ist exakt durchgeplant. Früher hätte ich das alles nicht stemmen können. Aber ich bin als Person gewachsen. Ich bin jetzt eine Mutter. Seit Axl auf der Welt ist, muss ich strenger mit meiner Zeit haushalten. Ich habe gelernt, Arbeit abzugeben, aber auch so umzulegen, dass ich sogar mehr erledigen kann als vor seiner Geburt. Viel Zeit für Unfug habe ich nicht mehr. Aber davon hatte ich früher genug - und das hat verdammt viel Spaß gemacht! (lacht)

Irgendwann ist die Party vorbei …

Auf keinen Fall! (Winkt ab) Es muss nicht völlig aufhören. Wenn man es nicht täglich, sondern nur ab und zu macht, sehe ich da nichts Falsches.

Dann lassen Sie uns jetzt über "M.I.L.F.$" sprechen. Normalerweise ist das eher ein Stichwort fürs Surfen im "Privaten Modus". Aber Sie haben den Begriff umgedeutet. Was für ein Bild von Mutterschaft wollten Sie präsentieren?

(Lacht) Mir ist natürlich klar, von welchem Genre Sie sprechen. Es ist aber tatsächlich so, dass man sich als Mutter geschmeichelt fühlt, wenn jemand sagt: "Uuuh, du siehst aus wie eine MILF!" Weil der Begriff das F-Wort enthält (MILF steht für "Mother I'd Like to Fuck", also "Mutter, die ich gern ficken würde"; Anm. d. Red.), ist er negativ konnotiert. MILF klingt nach Fetisch, die Leute sagen das nicht gerne. Ich wollte einen spielerischen Umgang damit finden. Bei mir bedeutet MILF: "Mom I'd Like to Follow" ("Mutter, der ich gern folgen würde"; Anm. d. Red.). Ich spiele zum Beispiel im Musikvideo eine Lehrerin. Meine Mutter ist Lehrerin, zu einer Lehrerin kann man aufschauen. Ich musste das natürlich alles völlig überzeichnen und bin deswegen eine Domina-Lehrerin.

Im Video gießen Sie außerdem Milchpackungen über sich aus, baden in Milch …

Mir war klar, dass die Leute darauf anspringen würden! Wieso hätte ich es anders machen sollen? (Verstellt gelangweilt die Stimme) Weil manche Leute sich dann unwohl fühlen, weil ich meinen Körper zeige? Wissen Sie was? Dann doch erst recht. An alle Mommy-Shamer da draußen: Fickt euch! Nur weil man ein Kind hat, ist man noch lange nicht tot. Wieso sollte man nicht mehr singen und tanzen und - Gott behüte - sich sexy fühlen? Wieso sollte man nicht arbeiten und eine Karriere verfolgen? (Äfft Kritiker nach) Kinder und Karriere: Ist das überhaupt vereinbar? Lasst die Steinzeit hinter euch, Leute. Hier habt ihr's: in euer Gesicht!

Mit Fergie sprach Anna Meinecke.

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Quelle: n-tv.de

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