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Legendäres Album - legendäres Cover: Metallicas "Master of Puppets".
Legendäres Album - legendäres Cover: Metallicas "Master of Puppets".(Foto: Universal Music)

Metallica zünden 30 Kerzen an: "Master Of Puppets" - Meister aller Klassen

Von Kai Butterweck

Vom "White Album" der Beatles bis zu Michael Jacksons "Thriller" - jedes Musikgenre hat seine Ausnahmeproduktionen. Auch der Metal geizt nicht mit Speerspitzen. Eine der markantesten feiert nun 30. Geburtstag. Deshalb: Happy Birthday, "Master Of Puppets"!

Als Metallicas Gitarrist Kirk Hammet vor zehn Jahren in einem Interview gefragt wurde, welchen Stellenwert das Album "Master Of Puppets" für ihn habe, musste er nicht lange nachdenken: "Dieses Album hat nicht nur eine Ära beendet, sondern auch einer neuen den nötigen Freiraum verschafft. Und musikalisch markiert es für viele Fans das wohl dickste Ausrufezeichen der Band-Geschichte", so der Saitenhexer mit der Curly-Sue-Frisur. Und wie sieht's heute aus? Zehn Jahre später? Dazu geäußert hat sich der gute Kirk noch nicht. Braucht er aber auch nicht, denn pünktlich zum 30-jährigen Wiegenfest grüßt der im Herbst des Jahres 1985 in Form gegossene Thrash-Meilenstein immer noch vom Branchen-Gipfel.

Metallica-Sänger James Hetfield - ob er sich wohl heute überhaupt noch an die Aufnahmen vor 30 Jahren erinnern kann?
Metallica-Sänger James Hetfield - ob er sich wohl heute überhaupt noch an die Aufnahmen vor 30 Jahren erinnern kann?(Foto: John Salangsang/Invision/AP)

Sicher, Kinder des Kommerz' werden auch dieser Tage wieder laut aufschreien. Das massenkompatible "Black-Album" habe sich fünf Jahre später schließlich fast 15 Millionen Mal mehr verkauft. Auch die Alteingesessenen werden wieder auf die Barrikaden gehen. Das Debütalbum "Kill Em All" gilt schließlich nicht umsonst als das dreckigste und roheste Paket, das die Herren Hetfield und Co seit ihrer Gründung im Oktober 1981 auf die Metal-Welt losgelassen haben. Ja, ja, blabla … "Hit The Lights", "Seek And Destroy" "Enter Sandman", und "Nothing Else Matters": allesamt tolle Songs, keine Frage. Aber breitet man alles bisher Präsentierte aus und begibt sich auf die Suche nach der ultimativen Melange aus Härte, Rotz, Leidenschaft und Energie, dann grinst auch heute nur einer über beide Backen: der "Strippenzieher".

Der Meister der Marionetten hat sie alle im Sack: Die Harten und die Schnellen ("Battery", "Damage, Inc."), die Vertrackten und die sich Aufplusternden ("Master Of Puppets", "Disposable Heroes") und auch die vermeintlich Zarten, die erst dann explodieren, wenn sich bereits bittersüßer Schmelz aus den Boxen schält ("Welcome Home (Sanitarium)", "Orion").

Geballte Energie

Eine knappe Stunde für die Ewigkeit - oder noch treffender: 55 Minuten geballte Energie, die vor drei Jahrzehnten nicht nur die Thrash-, sondern die gesamte Metal-Welt auf den Kopf stellte. Auch heute noch scheitern jedes Jahr aufs Neue unzählige Bands an verzweifelten Trittbrettversuchen. Die Magie dieses Albums ist und bleibt unantastbar. Nicht einmal den Verantwortlichen selbst ist es in den vergangenen dreißig Jahren auch nur ansatzweise gelungen, jene drei Monate des Jahres 1985 noch einmal musikalisch aufleben zu lassen. "And Justice For All" war ein komplexes, blechernes Meisterwerk, gefolgt vom in schwarz gegossenen Mainstream-Milestone im Jahre 1991. Kurze Haare und experimentelle Ausflüge in alternativere Gefilde läuteten schließlich die bis dato künstlerisch dünnsten Jahre der Band ein. Und heute? Nun, "St. Anger", "Death Magnetic" und das kontroverse Kollabo-Werk "Lulu" konnten ebenfalls nur bedingt überzeugen.

Beschäftigt man sich mit der Blütezeit des kalifornisch-dänischen Edelstahlkollektivs, bleibt man zwangsläufig im Jahr 1986 hängen: das letzte Bassröhren des sechs Monate nach der Veröffentlichung des Albums tödlich verunglückten Viersaiter-Maniacs Cliff Burton, Lars Ullrichs in Hall gebettete Tornado-Drums, die bezirzenden Fingerspiele von Kirk Hammett und James Hetfields lyrische Geisterbahnfahrt durch eine Welt, geprägt von Zynismus, Wut und Schmerz. "Master Of Puppets" vereint die Energie, die Spielfreude und die ungefilterte Kreativität einer ruhelosen Langhaar-Gemeinschaft auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Und so schallt es auch heute noch am lautesten durch die Arenen dieser Welt, wenn es heißt: "Come crawling faster, obey your master, your life burns faster!" In diesem Sinne: Happy Birthday, Puppenspieler!

Quelle: n-tv.de

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