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Der Aufwand bei Sex-Puppen geht inzwischen so weit, dass manche Hersteller versuchen, sogar Atmung, Hauterwärmung und Orgasmus zu imitieren.
Der Aufwand bei Sex-Puppen geht inzwischen so weit, dass manche Hersteller versuchen, sogar Atmung, Hauterwärmung und Orgasmus zu imitieren.(Foto: imago stock&people)

Maschine als Bettgefährte: Ethiker warnen vor Sex mit Robotern

Gummipuppen sind längst in die Jahre gekommen und dienen bestenfalls noch als geschmacklose Mitbringsel pubertierender Jungen. Sex-Roboter sind der neueste Trend - doch Wissenschaftler schlagen Alarm.

Und so sieht Roxxxy aus. Die neue Generation der Sex-Gespielinnen hat mit den quietschenden Gummi-Varianten nur noch wenig gemein.
Und so sieht Roxxxy aus. Die neue Generation der Sex-Gespielinnen hat mit den quietschenden Gummi-Varianten nur noch wenig gemein.(Foto: imago stock&people)

Aufblasbare Gummipuppen sind von gestern, die neue Generation der Sex-Gespielinnen wirkt weitaus realistischer. Sie heißen Roxxxy, Nate oder Babe und sind mit ihrer weichen synthetischen Haut nicht nur besonders anschmiegsam und immer willig. Die neuen Sex-Roboter können sich auch eigenständig bewegen und versuchen, die Illusion eines echten Partners zu schaffen.

Natürlich gelingt das nicht so wirklich. Noch nicht. Denn die aktuell auf dem Markt vorhandenen Sex-Roboter lassen bereits erahnen, was in Zukunft möglich ist. So plant der US-amerikanische Hersteller RealDolls im nächsten Jahr einen Sex-Roboter auf den Markt zu bringen, der sogar sprechen kann.

Eine Entwicklung, die von technikaffinen oder verklemmten Personen herbeigesehnt, von anderen Menschen jedoch mit zunehmender Sorge betrachtet wird. Auf der Ethicomp 2015, die ethische Fragen rund um den Computer diskutiert, stellten Wissenschaftler jetzt eine Kampagne vor, die vor dem Eintritt von allzeit bereiten Robotern in die Schlafzimmer warnt.

Frau wird noch mehr zum Sexobjekt

Grundsätzlich warnt die "Campaign Against Sex Robots" davor, dass Sex-Roboter potenziell schädlich für die Gesellschaft sind. Deshalb müssten allgemeine ethische Regeln für das Voranschreiten der Roboterintelligenzen aufgestellt werden.

Hinter der Kampagne stehen Kathleen Richardson, Anthropologin und Wissenschaftlerin für Robotertechnik an der DeMontfort Universität im britischen Leicester, und der Informatiker Erik Billing, Forscher in Robotik und kognitiver Wissenschaft an der schwedischen Universität Skövde.

Die Mehrheit der Kunden von Herstellern, die Sex-Roboter für anspruchsvolle Kunden anbieten, sind männlich und kaufen weibliche Roboter. Dadurch werde das in den Köpfen erschreckend vieler Männer vorhandene Stereotyp der Frau als Sexobjekt weiter verstärkt, so die Wissenschaftler. Die Problematik werde verschärft, je realistischer die Roboter sind.

Die beiden Robotikexperten wollen zur Diskussion und zu einer neuen Herangehensweise an das Thema anregen. Weiterhin richten sich die Ethiker explizit an IT-Spezialisten. Diese sollen sich weigern, Programmcodes für Sex-Roboter zu schreiben, Hardware zu entwickeln oder Ideen einzubringen, so die Forderung. Richardson und Billing begründen ihre Aktion zusammengefasst folgendermaßen:

  • Kinder und Frauen werden objektiviert.
  • Die noch immer vorherrschenden Ängste und Machtstrukturen, welche Frauen und Kinder in einer untergebenen Rolle als Sexobjekte positionieren (Prostitution), werden weiterhin gestärkt und legitimiert.
  • Sexroboter wirken der Entwicklung menschlichen Mitgefühls entgegen, welches ausschließlich in einer wechselseitigen Partnerschaft entstehen kann.
  • Es wird in Frage gestellt, dass Sexroboter in Frauen- und Kindergestalt weniger einen Nutzen für die Gesellschaft haben als Ungleichheit und Gewalt zu bestärken.
  • Die parallele Existenz von Technologie und Sexarbeit zeigt bereits, dass Roboter kein Mittel gegen die Gewalt gegen Prostituierte darstellen und einem Bedarf an menschlichen Körpern entgegenwirken könnte.
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Quelle: n-tv.de

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