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Studie zur Energiearmut : 312.000 Mal Strom gesperrt

Kein Licht, kein Fernseher, keine Kaffeemaschine, nicht einmal eine Steckdose zum Handy-Aufladen - ein Leben ohne Strom ist kaum vorstellbar. Das merkt man spätestens dann, wenn der Versorger den Saft abdreht. Sechs Millionen Sperren kündigen die Stromanbieter 2011 an. Meistens bleibt es bei der Drohung.

Wie sehr man auf Strom angewiesen ist, merkt man oft erst, wenn er fehlt.
Wie sehr man auf Strom angewiesen ist, merkt man oft erst, wenn er fehlt.(Foto: picture alliance / dpa)

Im Februar veröffentlichte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen eine alarmierende Hochrechnung: Rund 600.000 Haushalten werde jedes Jahr wegen offener Rechnungen der Strom abgedreht, hieß es damals. Nun liegen die tatsächlichen Zahlen für 2011 vor. So dramatisch wie angenommen ist die Lage nicht: Zwar drohten die Stromlieferanten in mehr als sechs Millionen Mahnverfahren mit der Abstellung des Stroms berichtet die "Taz" unter Berufung auf einen noch unveröffentlichten Bericht der Bundesnetzagentur. Gesperrt wurde der Strom dann aber "nur" in 312.000 Fällen.

Die Bundesnetzagentur wollte sich auf Anfrage nicht näher äußern. Für ihren Monitoringbericht 2012, dessen Entwurf der Tageszeitung vorlag, hat die Behörde erstmals alle Lieferanten und Netzbetreiber nach Versorgungsunterbrechungen befragt. Aktiv werden die Versorger dem Bericht zufolge ab Ausständen von rund 120 Euro. Die Drohung, den Strom zu kappen, wirkt: Die meisten Verbraucher hätten anschließend gezahlt oder sich mit dem Versorger über die Stundung der Stromkosten geeinigt, so die "Taz".

Ausnahmen für Härtefälle

Für die Unterbrechung brauchen die Versorger keinen Gerichtsbeschluss, allerdings müssen sie dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit folgen. Ein Härtefall läge etwa vor, wenn durch die Stromsperre bei Minusgraden die Heizungspumpe ausfalle, schreibt die "Taz". Verbraucherschützer fordern schon lange ein Grundrecht auf Stromversorgung. Bei Zahlungsrückständen könnten Haushalte etwa mit Vorinkassozählern ausgestattet werden, schlägt der Bund der Energieverbraucher vor.

Gleichzeitig warnt die Organisation davor, die EEG-Umlage als Teuerungsfaktor zu verteufeln. Die Umlage müsse vielmehr gerecht verteilt und von Sonderlasten befreit werden. Auch ohne die Förderung der erneuerbaren Energien seien die Strompreise jährlich um rund acht Prozent gestiegen, ohne dass sich die Erzeugungskosten verteuert hätten.

Sperren kostet Geld

Planen Versorger, den Strom abzustellen, müssen sie das vier Wochen im Voraus ankündigen, ein konkretes Datum brauchen sie aber nicht nennen. Über den Beginn der Sperre werden die Betroffenen dann drei Tage vorher benachrichtigt. Nicht immer sind die Stromanbieter zu einer Sperre berechtigt. Droht ein Unternehmen etwa im Zuge eines Streits um die Stromrechnung mit der Kappung, dann sollte man sofort eine sogenannte Schutzschrift an das zuständige Gericht schicken, das gleiche gilt bei Härtefällen. Nimmt der Versorger die Sperrdrohung nicht zurück, kann der Kunde eine einstweilige Verfügung beantragen.

Kommt es  dennoch zur Sperre, müssen die Betroffenen alle damit zusammenhängenden Kosten tragen. Für die Sperrung und die Wiederöffnung des Zählers werden laut Netzagentur im Schnitt 32 Euro fällig. In Ausnahmefällen würden allerdings bis zu 220 Euro berechnet.

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Quelle: n-tv.de

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