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Nur der Matjes macht Sorgen: Aldis Bio-Ware unter der Lupe

Aldi hat den Bio-Trend früh erkannt. Schon Ende der 90er Jahre nahm Aldi-Nord Bio-Möhren ins Programm. Heute gilt Aldi-Süd als einer der größten Bio-Anbieter Deutschlands. Öko-Test hat nachgeprüft, ob bei der Bio-Ware des Discounters wirklich alles im grünen Bereich ist.

20 Bioprodukte hat Aldi Nord dauerhaft im Sortiment. Bei der Schwesterfirma sind es doppelt so viele.
20 Bioprodukte hat Aldi Nord dauerhaft im Sortiment. Bei der Schwesterfirma sind es doppelt so viele.(Foto: picture alliance / dpa)

In den letzten zehn Jahren haben die Deutschen ihre Liebe zu Bio entdeckt: Zwischen 2000 und 2009 ist der Umsatz von Biowaren um satte 180 Prozent gestiegen, wie gerade eine Studie der Uni Bonn ergab. Und auch wenn die Zuwachsraten inzwischen nur noch einstellig sind, so ist die Nachfrage nach dioxinfreien Eiern, ungespritzten Äpfeln oder Milch von glücklichen Kühen noch ungebrochen. Ohne die Discounter wäre diese Entwicklung kaum vorstellbar, denn sie können Bioware zu massenkompatiblen Preisen anbieten.

So verkauft beispielsweise Aldi Nord mehr Bio-Möhren als alle anderen Händler zusammen. Dass die Discounter so billig sind, liegt an den Mengen, die sie abnehmen. Der Aufwand, einen Lastwagen allein mit Möhren und nur für einen einzigen Abnehmer voll zu packen sei eben geringer, als wenn mehrere Händler mit  verschiedenen Waren zu beliefern erklärt Franz Westhues von der Marktgenossenschaft der Naturland-Bauern in der Zeitschrift "Öko-Test". Das Magazin widmet sich in seiner April-Ausgabe der Frage, wie "bio" Aldi-Ware wirklich ist und ob nachhaltig gefangener Fisch auch Qualität verspricht. 

Das größere Bio-Sortiment findet sich bei Aldi Süd, wo 40 Artikel dauerhaft im Programm sind. Aldi Nord hat nur halb so viele. Beim Fischangebot  machen Produkte mit dem Nachhaltigkeitssiegel des MSC je die Hälfte des Angebots aus. 31 Produkte, vom Fischstäbchen bis zur Zitrone, hat Öko-Test zu umfangreichen Analysen ins Labor geschickt. Pflanzliche Produkte wurden dort auf Pestizidrückstände hin untersucht, bei fettreichen Produkten wie Butter oder Käse fahndeten die Tester nach Weichmachern. Eier ließen die Tester unter anderem auf Dioxin hin überprüfen, Kaffee auf das krebserregende Acrylamid. Bei empfindlichen Kühlwaren wie Joghurt oder Quark stand außerdem die Keimbelastung im Fokus. Außerdem sollten natürlich Konsistenz und Geschmack stimmen.

Keine Spur von Bio-Schwindel

Insgesamt kann sich das Ergebnis sehen lassen: 20 Produkte erhielten die Noten "sehr gut" oder "gut". Allerdings waren nicht alle Produkte makellos.  In einem Bio-Käse von Aldi Nord zum Beispiel entdeckten die Tester E.-coli-Keime. Das kann auf eine mangelnde Hygiene im Fertigungsbetrieb oder bei der Auswahl der Rohstoffe hindeuten. Die schlechtesten Bewertungen gab es für die Matjesfilets der beiden Discounter. Beide schnitten nur "mangelhaft" ab, weil sie am Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums zu viele Keime enthielten. Das fiel auch den Sensorikern auf: Als "brennend" oder "säuerlich" beschrieben sie den Geschmack einiger Fischfiltes. Beim Tomaten-Saft von Aldi Nord fand das Labor einen hohen Gehalt an Ergosterin. Das kann darauf hinweisen, dass angeschimmelte Tomaten mit verarbeitet wurden. Dass der Saft nur "ausreichend" bewertet wurde, lag aber auch an der fehlenden Rearomatisierung des Konzentrats. Die Aromen, die bei der Konzentratherstellung verloren gingen, wurden also nicht wieder hinzugefügt. Der Saft schmeckt also fader als Direktsaft.      

Von solchen Mängeln abgesehen stellt Öko.Test der Aldi-Ware ein gutes Zeugnis aus. Keine Zweifel gibt es an der Nachhaltigkeit des Fischsortiments. Auf allen Produkten ist klar deklariert, wo und wie der Fisch gefangen wurde. Nicht getestet hat Öko-Test, ob die Bioware tatsächlich ökologisch erzeugt wurde. Die Labor-Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Von Bio-Schwindel keine Spur.

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Quelle: n-tv.de

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