Ratgeber

Verbraucherrechte ausgehebelt: Als Businesskunde abgezockt

Im August wurde die sogenannte Button-Lösung eingeführt, seitdem haben es Abofallen-Betreiber deutlich schwerer. Über Umwege jubeln sie Verbrauchern aber immer noch teure Verträge unter. Geködert werden die Kunden etwa mit Apple-Produkten zum Schleuderpreis.

Beim Online-Shopping sind private Käufer besser geschützt als gewerbliche Kunden.
Beim Online-Shopping sind private Käufer besser geschützt als gewerbliche Kunden.

Apples iPads als Retourenware ab 49 Euro, Kaffeevollautomaten ab 39 Euro oder Adidas Sweatshirts für 1,99 Euro? Bei seriösen Online-Händlern wird man solche Preise nicht finden – wohl aber bei B2B-Portalen wie www.mega-einkaufsquellen.de oder www.grosshandel-angebote.de. Sie richten sich angeblich nur an Gewerbetreibende, in Wirklichkeit geht es den Betreibern aber wohl auch darum, bei Privatverbrauchern Kasse zu machen, warnt die Verbraucherzentrale Sachsen.

Zugriff auf die angeblichen Großhandelsangebote gibt es nur nach vorheriger Registrierung. Dass die kostenpflichtig ist, erfährt man aber nur, wenn man die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) liest. Rund 240 Euro kostet die Nutzung für ein Jahr, bei 24 Monaten Mindestvertragslaufzeit. Werden die AGB bestätigt, schnappt die Abofalle zu.

Button-Lösung hilft hier nicht

Durch die Deklaration als Business to Business-Plattform umgehen die Betreiber nicht nur das zweiwöchige Widerrufsrecht für Verträge im Internet, sondern auch die neue, verbraucherfreundliche Button-Lösung. Seit August müssen Privatkunden beim Bestellen ausdrücklich bestätigen, dass sie wissen, dass die Leistung kostenpflichtig ist. Damit sind klassische Abofallen kaum noch möglich.

Anbieter wie die Melango GmbH oder die Vendis GmbH behaupten zwar, sich nur an Händler wenden zu wollen, dagegen spricht aber, dass sie beispielsweise mit Facebook-Anzeigen auf Kundenfang gehen: "Wenn private Profile Werbezielgruppe von diversen Restpostenangeboten sind, liegt der Verdacht nah, dass Anbieter tatsächlich darauf spekulieren, dass sich Verbraucher anmelden und dann mit dem scheinbaren Totschlagargument, man hätte sich als Gewerbetreibender angemeldet, zur Kasse gebeten werden können", sagt Friederike Wagner von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Zudem scheinen es die Portale mit der Eingrenzung ihrer Zielgruppe nicht so genau zu nehmen: Viele Betroffene berichten der Verbraucherzentrale, dass sie bei der Anmeldung keinen Firmennamen oder ausdrücklich "privat" eingetragen hätten. Auch ein Gewerbenachweis wurde von den Verbrauchern nicht verlangt. Ob in solchen Fällen überhaupt ein wirksamer Vertrag zustande kommt, ist nach Einschätzung der Verbraucherschützer mehr als fraglich. Vor Gericht ist Melango bereits mehrfach gescheitert, es gab aber auch Urteile, nach denen Privatkunden zahlen mussten.

Die Button-Lösung bedeutet also nicht das Ende der Abzocke im Netz. Auch in Zukunft sollte man vorsichtig sein, wenn bei scheinbar kostenlosen oder günstigen Angeboten persönliche Daten abgefragt werden.

Quelle: n-tv.de

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