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Enttäuschendes Grundsatzurteil: Arbeitszimmer bleibt Problemfall

Viele Menschen arbeiten zumindest teilweise von zu Hause aus. Doch ein Arbeitszimmer von der Steuer abzusetzen, ist für die Wenigsten möglich. Denn wer den Raum auch privat nutzt, blitzt beim Finanzamt ab. Der Bundesfinanzhof sorgt nun dafür, dass das auch so bleibt.

Das Arbeitszimmer sollte ein eigener Raum sein. Einfach eine Trennwand aufstellen reicht nicht aus.
Das Arbeitszimmer sollte ein eigener Raum sein. Einfach eine Trennwand aufstellen reicht nicht aus.(Foto: imago/Westend61)

Heute im Homeoffice, morgen in der Firma: Für viele Arbeitnehmer in Deutschland gehört die regelmäßige Arbeit von zu Hause längst zum Alltag. In der Steuererklärung können die Kosten für den häuslichen Arbeitsplatz aber meistens nicht geltend gemacht werden. Hoffnungen auf eine Lockerung der strengen Regeln hat der Bundesfinanzhof nun zerschlagen: In einer lang erwarteten Grundsatzentscheidung stellte das höchste deutsche Steuergericht klar, dass Arbeitsecken oder zeitweise genutzte Arbeitszimmer steuerlich nicht anerkannt werden (GrS 1/14).

Steuerzahler dürfen das Finanzamt grundsätzlich nur dann an den Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer beteiligen, wenn der Raum so gut wie nur beruflich genutzt wird. Wer nur zeitweise in dem Zimmer arbeitet und dort ansonsten Gäste unterbringt oder mit seiner Carrera-Bahn spielt, geht leer aus. "Ein häusliches Arbeitszimmer setzt neben einem büromäßig eingerichteten Raum voraus, dass es ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche oder berufliche Zwecke genutzt wird", erklärte der Bundesfinanzhof. Kosten für einen gemischt genutzten Raum könnten nicht geltend gemacht werden. Auch eine Arbeitsecke in einem Raum, der ansonsten privaten Zwecken dient, wird nicht akzeptiert.

Nachweis ist schwer zu führen

Bei einem Teilzeit-Arbeitszimmer lässt sich nach Ansicht der Richter kaum überprüfen, wie viel Zeit der Arbeitnehmer tatsächlich in dem Raum arbeitet. 20 Prozent seiner gesamten Arbeitszeit, oder doch eher 40 Prozent? Diskutiert haben die Juristen auch über ein Zeitenbuch, in dem der Steuerzahler seine Anwesenheit im häuslichen Arbeitszimmer dokumentiert. Sie sahen darin aber kein geeignetes Mittel. Die Angaben hätten "keinen über eine bloße Behauptung des Steuerpflichtigen hinausgehenden Beweiswert".

Im aktuellen Fall hatte ein Immobilienbesitzer geklagt, der sich in seinem Einfamilienhaus ein Arbeitszimmer eingerichtet hatte. Darin kümmerte er sich auch um die Verwaltung seiner vermieteten Mehrfamilienhäuser. Die Kosten für das Arbeitszimmer machte der Mann in seiner Steuererklärung geltend, scheiterte damit aber beim Finanzamt. Der Fall landete vor dem Finanzgericht. Dieses kam zu dem Schluss, dass der Mann das Arbeitszimmer zu 60 Prozent für die Immobilienverwaltung nutzte. Diese anteiligen Kosten erkannte das Finanzgericht an und stellte sich damit gegen die bisherige Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs.

Im Jahr 2013 befasste sich deshalb erneut ein Senat des höchsten Steuergerichts mit der Frage und legte den Fall zur abschließenden Klärung dem Großen Senat vor, der nun seine verbindliche Entscheidung veröffentlicht hat.

Heimarbeit muss alternativlos sein

Nicht nur die räumlichen Vorgaben fürs Arbeitszimmer sind streng: Arbeitnehmer müssen nachweisen, dass ihnen für ihre Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Wer nur aus Bequemlichkeit im Home Office sitzt, hat es also schwer. Unproblematisch ist die Anerkennung normalerweise bei Lehrern oder Außendienstmitarbeitern. Sie können bis zu 1250 Euro pro Jahr geltend machen. Diese Obergrenze gilt nur dann nicht, wenn das Arbeitszimmer nachweislich den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit bildet: Dann können die Kosten in unbegrenzter Höhe in der Steuererklärung angegeben werden.

Wer beispielsweise in seiner 100-Quadratmeter-Wohnung ein 10 Quadratmeter großes Arbeitszimmer hat, kann zehn Prozent der Miete oder der Finanzierungskosten für den Immobilienkredit ansetzen sowie auch die anteiligen Kosten für Heizung, Strom und andere Ausgaben.

Das Arbeitszimmer sollte zumindest bei Bürotätigkeiten auch wie ein Büro eingerichtet sein - mit Stuhl und Schreibtisch. Strittig ist unter Steuerfachleuten aber immer wieder die Frage, was die "nahezu ausschließliche berufliche Nutzung" bedeutet. Darf in dem Raum zum Beispiel ein Bügelbrett stehen? Juristen antworten darauf mit ihrem Lieblingssatz: "Das kommt darauf an." Wenn die Wäsche dort täglich gebügelt wird, ist das nicht akzeptabel. Bei einer Bügelstunde pro Monat eventuell aber schon. In der Praxis dürfte dies allerdings schwer zu beweisen sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte das Arbeitszimmer daher für den Fall einer Kontrolle durch die Finanzbehörden so einrichten, dass keine Fragen über eine mögliche private Nutzung aufkommen.

Quelle: n-tv.de

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