Ratgeber

Tagesgeld beliebt: Banken verschenken Geld

Alexander Klement

Auch wenn es aus Kundensicht momentan wie ein Trauerspiel aussieht: Die Zinsen für Tagesgeld sind aus der Perspektive der Banken völlig überhöht. Doch diese bewerten die Kundenbindung und -gewinnung höher als tagesaktuelle ökonomische Verluste.

(Foto: Gerd Altmann, pixelio.de)

Banken sind eigentlich nicht dafür bekannt, an Kunden Geld zu verschenken. Doch beim Tagesgeld ist dies der Fall. Kunden erhalten hier im Schnitt nach Angaben der FMH-Finanzberatung einen Zinssatz in Höhe von rund 1,1 Prozent. Für die Kunden hört sich das nicht nach besonders viel an, doch es ist deutlich mehr, als die Banken eigentlich ausgeben müssten, um sich auf Tagesbasis Geld zu leihen.

Maßstab ist hier er EONIA (Euro Overnight Index Average). Dies ist der Zinssatz, zu dem auf dem Interbankenmarkt im Euro-Währungsgebiet unbesicherte Ausleihungen in Euro von einem Tag auf den nächsten gewährt werden. Dieser schwankt von Tag zu Tag, liegt aber schon seit längerer Zeit deutlich unter einem Prozent – heute beispielsweise bei 0,34 Prozent.

Schönrechnerei bei Referenzzins

Intern bereitet dies den Banken Probleme, denn sie legen bei der Herausgabe von Tagesgeld an Kunden meist drauf. Da hilft oft nur Schönrechnerei. Damit die Tagesgeldzinsen doch noch ökonomisch zu rechtfertigen sind, argumentieren die Banken, dass ja ein Großteil des Geldes auf dem Tagesgeldkonto für einen längeren Zeitraum verbleibt – beispielsweise sechs Monate. Hier liegt der Interbanken-Zinssatz immerhin bei 1,16 Prozent.

Der Grund, warum die Banken das Tagesgeldgeschäft subventionieren, lässt sich statistisch gut ableiten. Laut Daten der Bundesbank bestanden im August 2010 43 Prozent aller privaten Kundeneinlagen aus Tagesgeld. Nur 15,3 Prozent der Kundengelder waren als Festgeld angelegt. Noch vor zwei Jahren lag der Tagesgeldanteil zehn Prozentpunkte darunter und immerhin rund ein Viertel der Einlagen waren als Festgeld investiert.

Kundengewinnung und Kundenbindung

Die Zahlen zeigen, wie wichtig das Tagesgeldgeschäft als Kundengewinnungs- und Kundenbindungsprodukt ist. Daher ist es für die Banken durchaus sinnvoll, Ihren Kunden einen höheren Zinssatz zu zahlen, als sie eigentlich zur Refinanzierung müssten. Geht ein Bestandskunde verloren, ist die Gewinnung eines Neukunden für die Bank meist viel teurer, als den Kunden durch einen subventionierten Zinssatz an das eigene Haus zu binden.

Möchte eine Bank neue Kunden gewinnen, setzt sie hierzu oft auf aggressive Tagesgeldangebote. Das ist beispielsweise momentan bei der AXA Bank der Fall, die mit einem Zinssatz von 2,3 Prozent pro Jahr weit über dem liegt, was sie zur Refinanzierung an Kapital einsetzen müsste. Die AXA Bank führt derzeit unser Tagesgeld-Ranking an. Dahinter folgen die Ikano Bank mit 2,22 Prozent und die Bank of Scotland mit 2,2 Prozent.

Tagesgeldvergleich - Wer bietet am meisten?

Quelle: n-tv.de

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