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Ratenkredit beantragen: Berater handeln teils fahrlässig

Ein Ratenkredit ist ein simples Produkt mit wenig Erklärungsbedarf, sollte man meinen. Dennoch machen Banker bei der Beratung so manches falsch. Dabei geht es nicht nur um überflüssige Restschuldversicherungen. Im schlechtesten Fall verschlechtern sie sogar die Bonität der Kunden.

Wer Geld braucht, findet bei Direktbanken meist günstige Konditionen.
Wer Geld braucht, findet bei Direktbanken meist günstige Konditionen.(Foto: wilhei, pixelio.de)

Ob fürs Auto, Möbel oder um den Dispo umzuschulden – die Nachfrage nach Ratenkrediten ist ungebrochen. Fast alle werden anstandslos zurückgezahlt, das zeigt der alljährliche Kredit-Kompass der Schufa. Dabei wird es Kunden von den Banken nicht immer leicht gemacht, überhaupt einen passenden Kredit zu vernünftigen Konditionen zu finden. Eine Studie des Deutschen Instituts für Servicequalität attestiert der Branche deutlichen Handlungsbedarf, sowohl bei der Beratung als auch bei der kundenfreundlichen Produktgestaltung.

Wie schon im Vorjahr haben die Marktforscher im Auftrag von n-tv haben 15 regional und überregional aktive Filialbanken sowie acht Direktbanken unter die Lupe genommen. Bei den Filialkandidaten wurde im Schnitt lediglich "ausreichend" beraten - nicht gerade eine Auszeichnung für Banken, die sich gern als kundennah und vertrauenswürdig darstellen.

Grobe Schnitzer bei Beratung

Manche Anbieter versagten gleich in mehreren Punkten. Ein guter Berater prüft zunächst, ob sich der Kunde einen Ratenkredit überhaupt leisten kann und ob er ihn in der gewünschten Höhe überhaupt braucht. Auf die Idee, nach eventuell verfügbaren Spareinlagen zu fragen, kam aber nur jeder achte Bankmitarbeiter. Neben der versäumten Analyse der Lebenssituation leisteten sich viele Banken aber noch viel gröbere Schnitzer. Etwa beim Thema "Restschuldversicherung". Diese Police wird zusätzlich zum Kredit verkauft, die Kosten werden gleich am Anfang auf die Kreditsumme aufgeschlagen. Das macht den Kredit teurer und nützt vor allem der Bank, deren Risiko erheblich minimiert wird. Nicht nur, dass einige Berater den höheren Effektivzins einfach unter den Tisch fallen ließen, manche versuchten auch noch, die Testkunden zum Abschluss zu drängen.

Abschließen wollten die Testkunden aber sowieso nicht, sondern lediglich Vergleichsangebote einholen. Das machten sie auch am Beginn des Gesprächs deutlich, was manche Berater aber nicht davon abhielt, gleich eine Kreditanfrage bei der Schufa zu stellen. Ein grober Fehler: Im Schufa-System wirkt eine Kreditanfrage nämlich so, als sei der Kredit auch tatsächlich gewährt worden. Das wiederum verschlechtert die Chancen bei anderen Anbietern. Unproblematisch ist dagegen eine reine Konditionenabfrage. "Knapp sieben Prozent der Schufa-Anfragen wurden falsch gestellt und schädigten die Bonität des Testers", kritisiert DISQ-Gründer Markus Hamer. "Das ist aus Kundensicht nicht akzeptabel."

Mängel fand der Chef-Tester auch bei den überreichten Beratungsunterlagen, die oft zu wenig transparent waren: "Eine detaillierte Kostenübersicht suchten die Tester meist vergebens, jede vierte Bank händigte überhaupt keine Unterlagen aus", so Hamer.

Riesige Preisunterschiede

Die beste Beratung hilft wenig, wenn die Bank keine guten Konditionen anbieten kann. Die Bandbreite ist hoch, gerade bei den Filialbanken, wo die Effektivzinssätze für identische Laufzeiten und Kredithöhen zwischen 10,99 Prozent und 5,40 Prozent p.a. variierten. Die besten Konditionen boten zum Testzeitpunkt die Sparda-Banken Hamburg und Berlin sowie die Postbank. Noch bessere Konditionen findet man zum Teil aber auch in den Online-Angeboten der einzelnen Filialbanken und bei Direktbanken. Hier glänzt vor allem die 1822direkt durch einen bonitätsunabhängigen Kredit mit 5,85 Prozent p.a.

Die meisten Kredite werden allerdings bonitätsabhängig vergeben. Davon profitieren Kunden mit gutem Risikoprofil, ein Vergleich wird dadurch aber schwierig, bemängelt Hamer: "Kostentransparenz für Verbraucher ist dadurch nur bedingt gegeben." Erfreulich fällt dagegen der Blick auf die Kreditbedingungen aus: Bei 80 Prozent der analysierten Produkte waren Ratenveränderungen kostenfrei, auch Kreditstundung gehörte bei fast allen Anbietern zum Standard. 90 Prozent erlaubten Sonderzahlungen ohne eine Vorfälligkeitsentschädigung. Immerhin jedes zweite Institut berechnet treibt die Kreditkosten nicht durch Bearbeitungsgebühren in die Höhe.

Die Testsieger

Gesamtüberblick Direktbanken
Gesamtüberblick Direktbanken

Testsieger unter den Filialbanken wurde die Sparda-Bank Hamburg. Sie überzeugte hauptsächlich in der Produktanalyse mit niedrigen, bonitätsunabhängigen Zinsen – sofern man sich keine Restschuldversicherung aufschwatzen lässt. Platz zwei erzielte die Berliner Volksbank, die von allen Instituten die beste Serviceleistung bot. Die Kundenberater traten sehr kompetent auf und analysierten eingehend den konkreten Kundenwunsch, lobten die Tester. Den dritten Rand der 15 Direktbanken sicherte sich die Postbank.  

Gesamtüberblick Filialbanken
Gesamtüberblick Filialbanken

Den ersten Platz bei den Direktbanken belegte die ING-DiBa, die einzige Bank im Test, die  sehr guten Service bot. Unter den Banken ohne Filialnetz bot 1822direkt den besten Ratenkredit und landete damit auf Platz zwei. Auf Rang drei der Direktbanken platzierte sich mit einer guten Serviceleistung die DKB Deutsche Kreditbank.

Ratenkredite im Vergleich

Video

Quelle: n-tv.de

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