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Tenhagens Tipps: Berufsunfähigkeit: So sichert man sich ab

Schlampereien beim Versicherungsantrag können einem später zum Verhängnis werden.
Schlampereien beim Versicherungsantrag können einem später zum Verhängnis werden.(Foto: imago stock&people)

Jeder vierte Arbeitnehmer wird im Laufe seines Lebens einmal berufsunfähig. Manche erholen sich wieder, andere können bis zur Rente nicht mehr arbeiten. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung bewahrt vor finanziellem Absturz. Finanztip-Chefredakteur Tenhagen erklärt, worauf es ankommt.  

n-tv.de: Warum braucht man überhaupt eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Hermann-Josef Tenhagen: Bei Berufsunfähigkeit bekommt man vom Staat erstmal gar nichts, jedenfalls wenn man nach 1960 geboren ist. Geld von der Sozialversicherung gibt es nur, wenn man erwerbsgemindert wird. Wenn Sie beispielsweise eine akademische Ausbildung haben und Ihren Beruf nicht mehr ausüben können, dann können Sie vielleicht immer noch als Pförtner arbeiten. Dann werden Sie vom Staat also kein Geld bekommen. Wer in Zukunft beispielsweise mit 50 oder 55 berufsunfähig wird, fällt finanziell in ein tiefes Loch. Das kann man mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung auffangen.

Ergibt die Versicherung denn auch für Studenten Sinn?

Man kann sich schon während des Studiums versichern und das hat auch durchaus Sinn, wenn klar ist, welchen Beruf man später ausüben will. Der Vorteil ist, dass man in diesem Alter meistens noch keine Vorerkrankungen hat. Kommen später dann die ersten Krankheiten oder Allergien, wird es schwerer, eine Versicherung zu finden. Man kann dann zwar einzelne Krankheiten ausschließen, um einen bezahlbaren Vertrag zu bekommen. Aber eigentlich will man das ja gerade nicht. Denn wenn man dann tatsächlich aus diesem Grund berufsunfähig wird, hat einem die ganze Versicherung nichts geholfen, für die man tausende Euro bezahlt hat.

Welches sind eigentlich die häufigsten Gründe für Berufsunfähigkeit?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Heute sind das psychische Belastungen, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Früher kannte man das vor allem bei Lehrern, heute wird aber auch der Druck in anderen Berufen so hoch, dass die Leute deswegen nicht mehr arbeiten können. Schlaganfälle, Herzkrankheiten oder Rückenprobleme gibt es immer noch, die psychischen Krankheiten sind aber auf dem Vormarsch und machen mittlerweile etwa ein Drittel der BU-Fälle aus.   

In körperlich anspruchsvollen Berufen ist es aber nach wie vor deutlich schwerer, sich überhaupt bezahlbar zu versichern. Als Dachdecker oder Maurer bezahlt man oft das Fünf- oder Sechsfache von dem, was ein Apotheker oder Steuerberater für die Versicherung ausgeben muss.

Was muss man denn überhaupt investieren?

Wenn man sich vernünftig versichert – also mit einer Rente von 1500 Euro aufwärts - gehen die Beiträge so bei 70 bis 80 Euro im Monat los. Und je nach Alter und Beruf hören sie bei 150 Euro noch nicht auf. Handwerker, denen das zu teuer ist, schließen stattdessen manchmal eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung ab. Die hilft dann, wenn man – unabhängig vom Beruf – gar nicht mehr arbeiten kann.

Welche Alternativen gibt es sonst noch?

Neben der Erwerbsunfähigkeitsversicherung gibt es beispielsweise noch die Dread-Disease-Police. Sie versichert nicht alle, sondern nur bestimmte Krankheiten, die zur Berufsunfähigkeit führen können. Wenn die dann tatsächlich eintreten, zahlt die Versicherung auch ohne Konflikte. Viele Menschen glauben auch, die private Unfallversicherung sei eine gute Alternative. Das stimmt aber nicht, denn in 90 Prozent der Fälle sind es Krankheiten und keine Unfälle, die zur Berufsunfähigkeit führen. Außerdem gibt es hier in der Regel keine Rente, sondern eine Einmalzahlung, die dann im Ernstfall viele Jahre reichen müsste.

Wie berufsunfähig muss man eigentlich sein, um eine BU-Rente zu bekommen?

Die Versicherung leistet grundsätzlich ab einer Berufsunfähigkeit von 50 Prozent. Beurteilt wird das von Ärzten. Allerdings sind die Versicherer nicht unbedingt gewillt, schnell zu zahlen. Wenn jemand beispielsweise mit Mitte 40 berufsunfähig wird und eine Rente von 1500 Euro vereinbart hat, kommen bis zur Rente weit über 300.000 Euro zusammen. Jeder Versicherungsfall ist also ein Großschaden, der entsprechend geprüft wird. Deshalb rät man den Kunden manchmal, zusätzlich zur BU-Police auch noch eine Rechtsschutzversicherung anzuschließen. Viele Schadensfälle gehen zwar glatt durch. Es kommt aber immer wieder vor, dass der Versicherer mauert.    

Zu guter Letzt: Wo bekommt man eine passende BU-Police her?

Das Problem ist, dass es keine guten Versicherungsvergleiche gibt, wie man sie von einfacheren Versicherungsarten kennt. Wir haben bei Finanztip einige Direktversicherer gelistet, die ordentliche Verträge anbieten. Gerade wenn man Vorerkrankungen hat, sollte man aber besser zu einem Versicherungsmakler gehen und mit ihm gemeinsam versuchen, einen guten Vertrag zu finden. Dazu haben wir auch eine Checkliste auf der Seite, die man dann gemeinsam mit dem Makler durchgehen kann.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Quelle: n-tv.de

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