Ratgeber

Auch das noch: Care-Energy kassiert Abmahnung

Strom für einen Dreipersonenhaushalt für nicht mal 160 Euro im Jahr? Wer den Vergleichsrechner von Care-Energy nutzt, stößt auf dieses "Zu schön, um wahr zu sein"-Angebot. Verbraucherschützer schicken dem Energiedienstleister nun eine Abmahnung.

Care-Energy hat den sogenannten Transparenz-Tarif vor knapp zwei Wochen eingeführt. Der vzbv vermisst die Transparenz in der Preisgestaltung.
Care-Energy hat den sogenannten Transparenz-Tarif vor knapp zwei Wochen eingeführt. Der vzbv vermisst die Transparenz in der Preisgestaltung.

Neuer Ärger für Care-Energy: Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat die Care Energy Management GmbH abgemahnt. Der Vorwurf: unvollständige Preisangaben im Online-Tarifrechner des Unternehmens.

Interessenten, die auf der Webseite von Care-Energy nach Stromtarifen suchen, landen bei einem Vergleichsrechner. Der ist ähnlich aufgebaut wie die Rechner auf Vergleichsportalen: Man gibt Postleitzahl, Haushaltsgröße und Jahresverbrauch an, trifft bei Bedarf noch weitere Einstellungen und bekommt dann eine Liste mit Angeboten. Wie üblich ist das oberste Angebot das billigste. Im Vergleich von Care-Energy ist es allerdings so billig, dass man sich die Augen reibt: Der Care-Energy Transparent-Tarif kostet einen Bruchteil dessen, was die Konkurrenten ausrufen.

Der vzbv nennt als Beispielfall einen Privathaushalt in Berlin mit 3500 kW Jahresverbrauch. Der Jahrespreis beträgt laut Tarifrechner 157,50 Euro. Die Ersparnis im Vergleich zum Grundversorger: 937,70 Euro. Der nächstgünstigere Tarif ist mit 801 Euro gelistet. Nach dem Klick auf "Infos anfordern" wird man schon aufgefordert, seine persönlichen Daten anzugeben. Will man tatsächlich bestellen und füllt alle Felder aus, wird während des gesamten Bestellvorgangs deutlich sichtbar und ohne Einschränkungen der anfangs genannte Preis angezeigt, als "Jahresgesamtkosten". Arbeitspreis: 4,50 Cent/kWh, Grundpreis 0 Euro im Monat. Dass es sich nicht um den tatsächlichen Endpreis handelt, erfährt der Kunde erst, wenn er die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) liest, moniert der vzbv. Für die "Energiekostenoptimierung beim Onlineangebot Tarifrechner" werde demnach eine Entlohnung fällig. Die genaue Höhe sei nicht genannt.

Preis muss sofort erkennbar sein

"Der beanstandete Tarifrechner gibt den Preis nicht vollständig wieder. Verbraucher aber müssen die tatsächlichen Kosten sofort erkennen können, bevor sie einen Vertrag schließen, und nicht erst die AGB studieren müssen", sagt Kerstin Hoppe, Rechtsreferentin beim vzbv. Care-Energy hat jetzt bis zum 12. August 2016 Zeit, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Passiert das nicht, will der vzbv eine Klage prüfen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass der vzbv Care-Energy vor Gericht bringt. 2014 hatte der vzbv zwei Urteile gegen den Energiedienstleister erwirkt. Damals ging es um unzulässige Geschäftsbedingungen und darum, dass die Kunden aus den Vertragsunterlagen nicht erkennen konnten, wer eigentlich ihr Vertragspartner ist.  

Aktuell berichten die Verbraucherzentralen über einen deutlichen Anstieg der Beschwerden über Care-Energy in den vergangenen beiden Monaten. Hintergrund ist, dass das Unternehmen die Netzdurchleitungsverträge mit zwei großen Netzbetreibern beendet hat. Die Verbraucherschützer raten betroffenen Kunden, ihre Care-Verträge außerordentlich zu beenden und sich einen neuen Stromanbieter zu suchen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen