Ratgeber

Schule schwänzen für den Urlaub: Das blüht den Eltern

Von Isabell Noé

Am letzten Schultag vor den Ferien gibt es sowieso nur noch Zeugnisse und auch vorher ist die Luft schon raus. Da kann man dem Kind auch eine Entschuldigung schreiben und vor allen anderen in den Urlaub starten - oder?

Wer vor Ferienbeginn mit Kindern am Flughafen aufkreuzt, muss mit Nachfragen rechnen.
Wer vor Ferienbeginn mit Kindern am Flughafen aufkreuzt, muss mit Nachfragen rechnen.(Foto: picture alliance / dpa)

In den Urlaub fahren, wenn es am günstigsten ist? Unmöglich, wenn man schulpflichtige Kinder hat. Reisen zur Hauptsaison ist einfach deutlich teurer. Manchmal reicht es schon, ein oder zwei Tage vor Ferienbeginn zu buchen oder den Rückflug etwas nach hinten zu schieben, um beim Familienurlaub dreistellige Summen zu sparen. Da ist die Verlockung groß, den Nachwuchs für die betreffenden Tage einfach krank zu melden. Doch das geht nicht immer gut.

Eigentlich spricht ja wenig dagegen, die Kinder etwas früher aus der Schule zu nehmen. Die letzten Prüfungen sind geschrieben, der Lehrstoff ist durch und die Lehrer sehnen meist auch nur mäßig motiviert die Ferien herbei – bis auf die Zeugnisvergabe verpassen die Schüler also nicht viel. Eine verspätete Rückkehr ist für Kinder schon problematischer, schließlich bringt ein neues Schuljahr nicht nur ein Wiedersehen mit den Schulfreunden, sondern auch einen neuen Stundenplan und neue Lehrer. Der reguläre Unterricht startet aber normalerweise erst später.  Einfach wegbleiben dürfen die Kinder natürlich trotzdem nicht, schließlich herrscht in Deutschland Schulpflicht.

Sonderurlaub ist möglich

In Ausnahmefällen können Schüler davon beurlaubt werden. So wird wohl keine Schule verbieten, die Beerdigung der Großmutter oder die Hochzeit des großen Bruders zu besuchen. Auch wenn eine große Familienfeier im Ausland ruft, kann eine Befreiung möglich sein. Das Gleiche gilt für sportliche Wettkämpfe, die auf die Unterrichtszeit fallen. Einen Rechtsanspruch auf Unterrichtsbefreiung gibt es aber nicht, grundsätzlich entscheidet die Schule darüber, ob einem Antrag stattgegeben wird. Manche Schulen bieten die entsprechenden Antragsformulare online zum Download an.

Geht es nur um eine Befreiung von ein bis drei Tagen, reicht manchmal schon eine Anfrage beim Klassenlehrer. Der kann oft auch besser einschätzen, ob die Fehltage vertretbar sind. In der Regel werden aber  nur dringende Gründe akzeptiert – hundert Euro Ersparnis beim Jahresurlaub sind nicht unbedingt überzeugend. In den letzten Jahren ist die Sensibilität für das Thema gewachsen und viele Lehrer und Schulen handhaben das Thema relativ streng, auch weil sie Nachahmungseffekte fürchten.   

Schwänzer werden verwarnt

Manche Eltern verlangen deshalb von ihren Kindern etwas, was sie unter anderen Umständen nie erlauben würden: Blaumachen. Der Philologenverband monierte schon im letzten Jahr, dass Eltern ihre Kinder immer öfter krankmelden würden, um an günstigere Urlaubstarife zu kommen. An Tagen vor und nach den Ferien gebe es etwa doppelt so viele Krankmeldungen wie sonst üblich.

Wurde ein Urlaubsantrag zuvor abgelehnt, ist den Lehrern natürlich klar, dass die Schüler nicht zu Hause im Bett liegen, sondern verfrüht den Urlaub angetreten haben. Die Schule kann dann ein ärztliches Attest verlangen. Können die Eltern das nicht vorlegen, droht Ärger mit der Schulleitung, etwa in Form einer Verwarnung oder eines Zeugniseintrags.

Am Flughafen wird's brenzlig

Mag das für viele Eltern noch zu verschmerzen sein, kann es richtig teuer werden, wenn das Schul- oder Ordnungsamt oder die Polizei ins Spiel kommen. Der Schulpflicht-Verstoß gilt nämlich als Ordnungswidrigkeit und wird mit einem entsprechenden Bußgeld geahndet. Allerdings muss schon einiges passieren, bevor Schulen die Ämter alarmieren.

Manchmal kann aber auch einmaliges Schwänzen böse enden: Die Wahrscheinlichkeit dafür ist zwar nicht allzu hoch, es kommt aber durchaus vor, dass die Bundespolizei am Flughafen genauer hinschaut, wenn Kinder im schulpflichtigen Alter am Check-In stehen. In den vergangenen Jahren gab es an einigen Flughäfen um die Schulferien herum regelrechte Razzien. Kann die Familie dann keine Befreiung von der Schule vorlegen, darf sie zwar fliegen, nach dem Urlaub gibt es aber Post vom Schulamt.

Wie viel ein zusätzlicher "Ferientag" letztlich kostet, hängt vom Bundesland bzw. dem jeweiligen Schulamt ab. In manchen Ländern sind finanzielle Strafen für Schulschwänzer unüblich, andere verlangen zwischen 50 und 300 Euro pro Tag und Kind. In Berlin könnte der verlängere Urlaub im Extremfall mit bis zu 2500 Euro zu Buche schlagen, auch wenn die meisten Eltern günstiger davon kommen.

Quelle: n-tv.de

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