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Sonntag, 16. Oktober 2016

Geburtsurkunde, Kindergeld & Co. : Das ist vor und nach der Entbindung zu tun

Von Axel Witte

Hurra, die Reproduktion ist gelungen. Der neue Erdenbürger macht seine Eltern wahnsinnig - vor Glück. Hoffentlich. Damit der kleine Mensch auch offiziell in der Gesellschaft aufgenommen wird, sind einige Formalitäten zu erledigen - hier die Checkliste.

Die Geburt ist offenbar ein Schwerverbrechen, denn sie wird mit dem Tode bestraft, äußerte einst Voltaire. Zumindest darin, dass das Leben endlich ist, konnte der französischer Philosoph bisher nicht widerlegt werden.

Aber damit wollen und sollen sich frischgebackene Eltern nicht belasten. Vielmehr empfinden es nicht wenige als Strafe, was sie vor und nach der Geburt ihres Kindes an Formalitäten zu erledigen haben. Denn der neue Mensch muss ordentlich gemeldet und registriert werden. Wer alles richtig macht, erhält dann aber auch ein wenig finanzielle Unterstützung für die folgenden elterlichen Bemühungen bei der Aufzucht des Nachwuchses.

Damit Eltern nicht auch neben etwaigem Greinen und Brüllen des Säuglings an den Anforderungen der Behörden verzweifeln, gibt es hier eine Checkliste - los geht's.

Das ist vor der Entbindung zu tun

Mutterschaftsgeld

Dieses wird von den gesetzlichen Krankenkassen an die berufstätigen, sozialversicherungspflichtig beschäftigten Mutter während der Schutzfristen vor und nach der Entbindung (im Normalfall 6 Wochen vor der Entbindung und 8 Wochen nach der Entbindung, bei Früh- oder Mehrlingsgeburten 12 Wochen nach der Entbindung) sowie für den Entbindungstag gezahlt. Das Mutterschaftsgeld sollte vor Beginn der oben genannten Mutterschutzfrist schriftlich bei der Krankenkasse inklusive einer Bescheinigung des Frauenarztes über die Schwangerschaft beantragt werden.

Annerkennung der Vaterschaft

Väter, die nicht verheiratet sind, müssen, um rechtmäßiger Vater des Nachwuchses zu werden, die Vaterschaft anerkennen. Dies kann vor oder auch nach der Geburt bei Jugend- oder Standesamt, dem Amtsgericht oder einem Notar erledigt werden.

Sorgerecht

Verheiratete Paare teilen sich automatisch das Sorgerecht für ihr Kind. Unverheiratete Väter müssen hingegen auch hier extra tätig werden und mit mit der Zustimmung der Mutter das Sorgerecht beantragen. Wahlweise vor oder nach der Geburt. Ansonsten erhält die Partnerin das alleinige Sorgerecht. Wer also gleichberechtigt an den Rechten und Pflichten gegenüber seinem Kind beteiligt werden möchte, kann dies beim Jugendamt im Rahmen der Vaterschaftsanerkennung gleich mit erledigen. 

Das ist nach der Geburt zu tun 

Geburtsurkunde beantragen

Die offizielle Bestätigung der Existenz des neuen Erdenbürgers ist innerhalb von sieben Tagen nach dessen Ankunft beim Standesamt zu beantragen. Hierfür ist ein gültiger Personalausweis und das Familienbuch nötig - und ein passender Name für das Kind. Nicht verheiratete Paare müssen anstelle des Familienbuchs den Personalausweis vorzeigen. Außerdem ist immer eine ärztliche Bescheinigung oder die einer Hebamme über die Geburt erforderlich. Nicht verehelichte Väter müssen zudem die Vaterschaftsanerkennung und die Sorgerechtserklärung vorlegen, weshalb diese auch am besten vor der Geburt unterschrieben werden.

Einwohnermeldeamt 

Wird die Geburtsurkunde innerhalb weniger Tage nach der Beantragung den Eltern vom Standesamt zugestellt, muss das Kind mit dieser beim zuständigen Einwohnermeldeamt angemeldet werden. Auch hierzu ist ein gültiger Personalausweis des Eltern nötig und bei unehelichen Kindern wiederum die Vaterschaftserklärung. 

Steuer-Identifikationsnummer

Jeder Bürger, der mit Hauptwohnung oder alleiniger Wohnung in einem Melderegister in Deutschland erfasst ist, erhält automatisch eine Steuer-Identifikationsnummer. Die Nummer wird seit 2008 automatisch durch das Bundeszentralamt für Steuern vergeben und mitgeteilt. Sie gilt lebenslang, auch nach einem Umzug oder einer Heirat.

Kindergeld

Damit das Elternglück auch mit einer finanziellen Unterstützung einhergeht, muss das Kindergeld mit der Geburtsurkunde und der Steuer-Identifikationsnummer bei der Familienkasse oder beim Arbeitsamt beantragt werden. Dieses wird auch rückwirkend bis zu vier Jahre nach Entstehen des Anspruchs gezahlt. Wer sich länger mit dem Antrag Zeit lässt, erhält nur die laufenden Zahlungen.   

Krankenversicherung

Das Neugeborene ist automatisch ab dem ersten Atemzug krankenversichert. Um dies auch offiziell bestätigt zu bekommen, muss es innerhalb von zwei Monaten bei der Krankenkasse angemeldet werden. Manche Kasse möchte dafür wiederum die Geburtsurkunde vorgelegt bekommen. Sind die Eltern gesetzlich krankenversichert, ist die Familienversicherung für das Kind kostenlos. Privat Versicherte müssen extra Beiträge für ihr Kind zahlen. Ist ein Elternteil gesetzlich versichert und das andere privat, kann das Kind nicht kostenlos gesetzlich mitversichert werden, wenn Letzteres das höhere Einkommen hat.  

Elterngeld

Möchten ein Elternteil oder beide Eltern wegen der Betreuung des Kindes beruflich pausieren, kann Elterngeld beim Jugendamt beantragt werden. Neben der Geburtsurkunde muss der entsprechende Antrag nebst einer Gehaltsbescheinigung des Arbeitgebers vorgelegt werden. Das Elterngeld wird nur rückwirkend für drei Monate ausgezahlt und sollte deshalb zeitnah nach der Entbindung beantragt werden.     

Quelle: n-tv.de

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