Ratgeber
Montag, 06. April 2015

Steuererklärung ist Pflicht: Das sollten Selbstständige wissen

Selbstständige und Freiberufler müssen sich bis zum 31. Mai um die Steuererklärung kümmern. Wer nicht bloß einen Karton voller Quittungen besitzt, sondern seine Buchhaltung im Griff hat, kann Gestaltungsspielräume ausnutzen. Und viel Geld sparen.

Selbstständige müssen die Anlage S ausfüllen.
Selbstständige müssen die Anlage S ausfüllen.(Foto: dpa-tmn)

Viele Arbeitnehmer kommen um die Steuererklärung herum, für Selbstständige und Freiberufler ist die Abgabe aber Pflicht. Sie müssen zumindest den Mantelbogen und die Anlage S ausfüllen. Außerdem interessiert sich der Fiskus für die Gewinnermittlung. Kleinunternehmer, bei denen die Betriebseinnahmen unter 17.500 Euro im Jahr liegen, müssen lediglich eine plausible Übersicht der Einnahmen und Ausgaben per Post an das Finanzamt schicken.

Wer mehr verdient, kommt nicht so einfach davon. Jeder Freiberufler, der mehr als 17.500 Euro verdient, muss eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) erstellen und seine Steuererklärung elektronisch über die Plattform Elster an das Finanzamt übermitteln, erklärt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler Deutschland (BdSt). Wer gewerblich tätig ist, müsse eine Bilanz erstellen, ergänzt Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin der Bundessteuerberaterkammer (BstBK).

Jede Woche zählt

"Seit 2015 muss eine ordnungsgemäße Aufzeichnungspflicht zeitnah erfolgen", sagt Wolfgang Wawro vom Deutschen Steuerberaterverband (DstV). Das bedeutet: Einnahmen und Ausgaben müssen wöchentlich erfasst werden. Der Aufwand lohnt sich aber. Kosten für Büromaterial, Fahrtkosten sowie Ausgaben für Weiterbildung, Vorsorge oder Beiträge für Berufsverbände werden als Betriebsausgaben gegen die Einnahmen verrechnet. "Die Belege müssen im Original vorliegen beziehungsweise nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung elektronisch abgelegt werden", sagt Klocke.

Von einem Geschäftsessen dürften Selbstständige beispielsweise 70 Prozent der Kosten absetzen. "Wichtig ist es, dass sie schriftlich nachweisen, wann, wo, mit wem und aus welchem Anlass das Treffen stattgefunden hat", sagt Klocke. Das alles stehe auf einem richtig ausgefüllten Bewirtungsbeleg. Bei Telefon- und Internetkosten sei eine Trennung der beruflichen und privaten Nutzung wichtig. Bei zwei getrennten Telefonverträgen ist der Nachweis einfacher.  

"Wer seinen PKW mehr als 50 Prozent betrieblich nutzt, muss ihn in sein Betriebsvermögen aufnehmen", sagt Wawro. Beim Kauf dürfe er dann die Umsatzsteuer abziehen, bei den Tankrechnungen von dem Vorsteuerabzug profitieren und das Auto über mehrere Jahre abschreiben. "Allerdings muss er dann jeden Monat ein Prozent des Neuwertpreises - des Listenpreises ab Werk - versteuern oder ein genaues Fahrtenbuch führen", sagt Wawro. Und auch bei einem Verkauf des Fahrzeugs will der Fiskus am Gewinn beteiligt werden.

Teure Anschaffungen abschreiben

Berufliche Ausgaben senken die Steuerlast. "Kosten für bewegliche Wirtschaftsgüter bis 410 Euro netto, also abzüglich der Vorsteuer, können im Jahr der Anschaffung vollständig als Betriebsausgaben abgezogen werden", sagt Schmidt-Kesseler. Wirtschaftsgüter mit einem Nettobetrag von 150 Euro bis 1000 Euro lassen sich je nach Nutzungsdauer über mehrere Jahre abschreiben. Wie lange genau, steht in der amtlichen Liste "Absetzung für Abnutzung" (AfA). Beim Teppich fürs Büro verteilen sich die Kosten beispielsweise auf acht Jahre, bei einem Pkw über sechs Jahre.

Wer sich einen PC für 999 Euro kauft, könne ihn entweder unter dem Punkt AfA oder als Sammelposten eintragen, sagt Klocke. "Der Unterschied besteht darin: Bei der AfA-Liste schreibt er den Rechner über drei Jahre ab, sonst sind es fünf Jahre." Das sei eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. "In der Regel ist es günstiger, einen Computer über drei Jahre abzuschreiben", rät Wawro. Nur für Existenzgründer oder Unternehmer, die ein schlechtes Betriebsjahr oder Verluste hätten, könne es sinnvoll sein, die Ausgaben über die Sammelposten abzuschreiben und damit in spätere Jahre zu schieben, in denen man mehr einnehme. Das bedeutet dann aber auch mehr Aufwand, erklärt Klocke: "Wer die Variante Sammelposten wählt, hat eine Aufzeichnungspflicht und muss ein genaues Verzeichnis führen, wann er was zu welchem Preis angeschafft hat."

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen