Ratgeber
Spannende Aufgaben und ein lockeres Arbeitsumfeld ziehen vor allem Menschen bis Mitte 30 an.
Spannende Aufgaben und ein lockeres Arbeitsumfeld ziehen vor allem Menschen bis Mitte 30 an.(Foto: imago/Westend61)

Viel Arbeit, wenig Geld: Das zahlen Start-ups ihren Mitarbeitern

Start-ups schweigen über die Gehälter oft ebenso wie übers Fremdkapital. Eine Studie zeigt: Viel ist meist nicht zu holen, gerade in der Gründer-Boomtown Berlin. Hier ist eine Berufsgruppe besonders arm dran.

Die Berliner Gründer-Szene boomt. Alle 20 Stunden werde in der Hauptstadt ein neues Start-up aus der Taufe gehoben, berichtete unlängst der "Tagesspiegel". Aus der ganzen Welt strömen junge Menschen an die Spree – und das, obwohl sie hier deutlich weniger verdienen als in anderen Start-up-Zentren. In München etwa liegen die Löhne in neu gegründeten Unternehmen um rund 30 Prozent höher. Das zeigt eine Analyse des Vergleichsportals Gehalt.de, das knapp 600 Vergütungsdaten von Unternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern ausgewertet hat.

Die Studie zeigt: In bestimmten Feldern kann man in Start-ups ganz gut verdienen - wenn auch längst nicht so gut, wie es bei etablierten Mittelständlern und Konzernen möglich wäre. Am besten sind Sales Manager und ITler dran. Kreative Berufe hingegen sind auch bei den Start-ups am Ende der Gehaltsskala angesiedelt.

IT-Strategen sind am besten bezahlt

Die Durchschnittsgehälter sind etwas trügerisch. In München zahlen Startups im Schnitt ein Drittel mehr als in Berlin.
Die Durchschnittsgehälter sind etwas trügerisch. In München zahlen Startups im Schnitt ein Drittel mehr als in Berlin.(Foto: Gehalt.de)

Mit die besten Gehälter der Gründerszene sind für leitende Angestellte in der IT drin, die Arbeiten strategisch vorgeben und kontrollieren. Im Schnitt liegen sie bei knapp 51.200 Euro brutto im Jahr. Die Gehälter für Softwareentwickler ohne leitende Funktion schwanken je nach Anwendungsgebiet: Programmierer im Bereich Mobile kommen auf knapp 37.000 Euro. Im Frontend sind gut 37.500 Euro Jahresgehalt drin, im Backend deutlich über 40.500 Euro.

Zu den Besserverdienern im Start-up-Kosmos zählen außerdem Sales Manager mit einem Jahresgehalt von fast 49.000 Euro. Sie sind dafür verantwortlich, das Produkt des Unternehmens an den Mann zu bringen und sorgen damit für den Kapitalstrom, der in der ersten Zeit überlebenswichtig ist. Gute Leute sind gefragt. "Vertriebsmitarbeiter erhalten zum Grundgehalt in der Regel eine Provision für erfolgreiche Verkaufsabschlüsse", erklärt Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de.

Und die Geschäftsführer? Häufig sind das auch die Gründer. Sie können im Mittel mit mehr als 61.000 Euro rechnen. In München sind knapp 74.000 Euro drin.

Weniger lukrativ ist dagegen das Online Marketing. Aufgabe ist es hier, die Zielgruppe über Facebook-Ads, E-Mail-Werbung und Suchmaschinenoptimierung möglichst ohne Streuverluste zu erreichen. Im Schnitt bekommen die Angestellten dafür gut 32.000 Euro. Social Media und Content Manager liegen mit 31.000 Euro knapp darunter.

Grafiker fahren als Freelancer besser

Grafiker sollen Nutzer mit Ästhetik und Gebrauchtsauglichkeit ("Usability") überzeugen. Eine wichtige Aufgabe, die allerdings ziemlich schlecht bezahlt wird. Knapp 27.500 Euro im Jahr kann ein festangestellter Grafiker in einem Start-up erwarten. "Die im Verhältnis geringere Vergütung von Grafikern und Gestaltern ist ein Grund dafür, dass sich in diesem Berufsfeld vermehrt Freelancer finden", erklärt Bierbach. Es ist vor allem die harte Konkurrenz in der Hauptstadt, die den Schnitt so herunterzieht. In Berlin liegt das Durchschnittsgehalt bei gerade mal 26.945 Euro. Deutlich bessere Chancen haben Grafiker in München. Hier können sie fast 10.000 Euro mehr erwarten, nämlich rund 36.700 Euro.    

Doch nicht nur kreative Köpfe werden in Bayern besser honoriert. Der Business Developer etwa kann in der Bundeshauptstadt keine 40.0000 Euro erwarten, in München dagegen mehr als 52.000. Ein ähnliches Bild ergibt sich in allen anderen Positionen, im Schnitt zahlen die Berliner Start-ups etwa ein Drittel weniger als die Münchner.  

Eines hingegen ist in beiden Metropolen gleich: die Arbeitsbelastung. Denn egal, ob im wohlhabenden München oder im "Arm, aber sexy"-Berlin, in den ersten Jahren heißt das Ziel für Start-ups vor allem: überleben. Für die Angestellten bedeutet das meist Zeitdruck und unbezahlte Überstunden. "Wer um 17 Uhr den Stift fallen lassen möchte, sollte sich also lieber eine andere Firma suchen", empfiehlt Gehalt.de. Dort sind die Jobs vielleicht nicht so spannend, dafür aber oft auch deutlich besser bezahlt.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen