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Das derzeit niedrige Zinsniveau ist nicht in Stein gemeißelt. Kreditnehmer sollten sich deshalb langfristig binden.
Das derzeit niedrige Zinsniveau ist nicht in Stein gemeißelt. Kreditnehmer sollten sich deshalb langfristig binden.(Foto: imago stock&people)
Dienstag, 19. September 2017

Käufer aufgepasst: Die 10 größten Fehler bei der Baufinanzierung

Immobilien werden zwar vielerorts immer teuer, aber auch die Mieten steigen zum Teil drastisch. Da auch ein Kredit preiswert zu haben ist, schlagen viele zu und kaufen. Und machen entscheidende Fehler, wie "Finanztest" zeigt.

Das Objekt gefällt und das Angebot für die Immobilie scheint gerade noch so machbar. Da auch die Miete gefühlt ständig steigt und man momentan mit einem Eigenheim dank der günstigen Finanzierungsmöglichkeiten wohl ohnehin nicht viel falsch machen kann, erfüllen sich viele Käufer ihren Traum vom eigenen Haus und der eigenen Wohnung. Fertig ist der Immobilienboom.

Unabhängig davon, dass die Preisentwicklung nicht zwangsläufig nur in eine Richtung gehen muss, begehen Käufer und Bauherren bereits bei der Baufinanzierung den einen oder anderen Fehler, wie "Finanztest" berichtet. Und dies kann teuer werden. Hier sind die 10 größten Fehler, die es von vornherein zu vermeiden gilt.

Löcher im Finanzierungsplan

Käufer rechnen nur mit dem reinen Kaufpreis, vergessen aber die Zusatzkosten. Allein die Grunderwerbskosten betragen je nach Bundesland zwischen 3,5 bis 6,5 des Kaufpreises. Hinzu kommen noch Notar- und Grundbuchkosten in Höhe von 1,5 bis 2 Prozent. Ist auch noch ein Makler an dem Deal beteiligt, werden zusätzlich zwischen 3,57 und 7,14 Prozent fällig.

Teure Nachfinanzierung

Bauherren können ein Lied davon singen: Im Festpreis sind schlicht nicht alle Leistungen enthalten, die für die Fertigstellung des Hauses oder der Wohnung nötig sind. So fehlen oft die Kosten für die Erschließung des Baugrundstücks, für das Einrichten der Baustelle, für Bodengutachten und Hausanschlüsse. Sind solche Extra-Kosten nicht im Kostenplan enthalten, droht eine Nachfinanzierung.

Zu wenig Eigenkapital

Banken verlangen für eine Finanzierung mit wenig Eigenkapital satte Zinsaufschläge. Die Monatsbelastung steigt dann doch leicht über das, was sich der Käufer eigentlich leisten kann beziehungsweise wollte. Muss die Immobilie nach einigen Jahren verkauft werden, besteht das Risiko, dass der Erlös nicht zur Schuldentilgung reicht. Dann ist das Haus weg, aber ein Teil der Schulden noch da. 10 bis 20 Prozent Eigenkapital sollten es laut "Finanztest" denn auch sein - zuzüglich der Nebenkosten.

Finanzielle Belastbarkeit

Auch wenn das eigene Haus oder die Wohnung noch so verlockend erscheinen: Käufer sollten ihre finanziellen Grenzen kennen. Schließlich fallen neben der Immobilienfinanzierung ja auch weiterhin die normalen Lebenshaltungskosten an. Deshalb sollten Einnahmen und Ausgaben - abzüglich der Miete und den monatlichen Sparraten für andere Geldanlagen, die dann in die Finanzierung fließen können – gegeneinandergerechnet werden. Der monatliche Überschuss muss reichen, um die Kredit- und Bewirtschaftungskosten des neuen Heimes zu gewährleisten.

Zu niedrige Tilgung

Viele Banken verlangen nur eine Mindesttilgung von 1 Prozent. Dies drückt die monatliche Belastung und verführt zu einem höheren Kredit. Doch das Geld muss zurückgezahlt werden und mit einer Minitilgung lässt sich der Schuldenberg nicht wirklich abbauen. Spätestens wenn eine Anschlussfinanzierung fällig wird und das Geldleihen deutlich teurer geworden ist, werden die Schulden erdrückend - und die Finanzierung platzt. Deshalb mindestens eine Tilgung von 2, besser 3 Prozent einplanen.

Zu kurze Zinsbindung

Das derzeit niedrige Zinsniveau ist nicht in Stein gemeißelt. Kreditnehmer sollten sich die derzeitig günstigen Konditionen so lange wie möglich sichern. Zwar kostet dies einen Aufschlag (derzeit etwa 0,7 Prozent im Vergleich bei einer Zinsbindung von 10 zu 20 Jahren), doch das Risiko, dass die Kreditzinsen in den kommenden Jahren deutlich steigen werden, ist zu groß, um mit einer geringen Laufzeit kurzfristig Geld sparen zu wollen.

Fehlende Flexibilität

So manches Kreditangebot ist zwar günstig, verpflichtet aber zu starren Raten. So darf diese während der Zinsbindung weder erhöht noch gesenkt werden und auch Sonderzahlungen sind frühestens 10,5 Jahre nach der Kreditauszahlung möglich. Ändern sich die Lebensumstände oder die finanziellen Möglichkeiten, ist solch ein Kredit zu unflexibel.

Bereitstellungszinsen nicht vergessen

Viele Bauherren rufen ihren Kredit in Etappen ab - je nach Baufortschritt. Doch für den ungenutzten Teil des Kredites verlangen die Banken sogenannte Bereitstellungszinsen von meist 3 Prozent im Jahr - zusätzlich zu den Vertragszinsen. Kreditnehmer sollten deshalb auch unbedingt vergleichen, ab wann und in welcher Höhe die Banken Bereitstellungszinsen berechnen.

Förderung verschenken

Bei der bundeseigenen KfW-Bank gibt es die günstigsten Darlehen und Tilgungszuschüsse, beispielsweise für energieeffiziente Häuser und Wohnungen. Unterstützt werden vor allem Familien mit Kindern. Die einzelnen Voraussetzungen, um an die jeweiligen Fördertöpfe zu kommen, sind sehr unterschiedlich. Wer was bekommen kann, ist unter der Seite der Verbraucherzentrale Bundesverband zu finden. Genauer unter "baufoerderer.de"

Auf die Hausbank vertrauen

Am meisten Geld wird dadurch verschenkt, dass Kreditnehmer nicht die verschiedenen Angebote vergleichen, sondern der Hausbank vertrauen und über diese ihre Finanzierung abwickeln. Allein bei den Zinsvergleichen bei Finanztest klaffen günstige und teure Kreditangebote oft um mehr als einen vollen Prozentpunkt auseinander. Bei einer Kreditsumme von 200.000 Euro, einer Laufzeit von 20 Jahren und einer Monatsbelastung von 800 Euro kann dies eine Mehrbelastung von rund 40.000 Euro bedeuten.

Quelle: n-tv.de

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