Ratgeber

Abschied vom Garantiezins: Die Lebensversicherung ist tot

Von Axel Witte

Jahrzehntelang waren Lebensversicherungen für die Anbieter ein Bombengeschäft. Doch die Niedrigzinsphase fordert ihren Tribut. Nun soll der Garantiezins geopfert werden. Kunden sollten sich nicht verunsichern lassen und die Finger von neuen Produkten lassen.

In Zukunft gibt es bei der Lebensversicherung wohl keinen  Garantiezins mehr. Dafür aber undurchsichtige neue Produkte.
In Zukunft gibt es bei der Lebensversicherung wohl keinen Garantiezins mehr. Dafür aber undurchsichtige neue Produkte.(Foto: imago/Christian Ohde)

Das war es dann wohl für die klassische Lebensversicherung. Die Bundesregierung will in näherer Zukunft den Garantiezins für neu abgeschlossene Verträge abschaffen. Für alle größeren Versicherer soll der sogenannte Höchstrechnungszins künftig nicht mehr gelten. Das geht aus einem Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums hervor. Damit wird der weiterhin anhaltenden Niedrigzinsphase Rechnung getragen, die den Versicherern zunehmend Probleme bereitet haben. Der permanente Hilferuf der Branche wurde erhört.

Dabei begegnet diese dem Dilemma schon seit Längerem mit neuen Produkten, bei denen es keinen Garantiezins mehr gibt. Garantiert wird lediglich das eingezahlte Kapital - nach Abzug von hohen Verwaltungskosten und Provisionen. Dafür wird dem Kunden eine renditeträchtigere Anlage seiner Beiträge in Aussicht gestellt, vor allem auch durch Investitionen in Aktien, Unternehmensanleihen und Schwellenländer-Bonds.

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Unerwähnt bleibt, dass die Konzerne in den vergangenen Jahren ihre Kundengelder ohne Not vor allem in festverzinsliche Papiere investiert haben. Durften sie doch auch in der Vergangenheit schon bis zu 35 Prozent ihrer Investitionen in sogenanntes Risikokapital anlegen. Dazu gehören Aktien und Immobilien. Hier sind die Gesellschaften nach aktuellen Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft jedoch nur zu 3,4 bzw. 3,9 Prozent investiert. Bekanntermaßen konnten Anleger besonders mit diesen beiden Anlageformen in den letzten Jahren punkten. Bei einer geeigneten Diversifikation der Kundengelder wäre der Blick auf die Abrechnung der privaten Altersvorsorge weniger sorgenvoll. Rendite und eine sinnvollere Diversifikation soll es nun auf Kosten des ohnehin mageren Garantiezinses in Höhe von nur noch 1,25 Prozent geben. Konzerne wie Ergo, Zurich, Generali und Talanx bieten bereits schon jetzt nur noch Produkte ohne diesen.

Zynischer Marktführer?

Der Marktführer Allianz bietet beide Varianten gleichzeitig an, setzt aber verstärkt darauf, dass Neukunden zu den renditestärkeren kapitalmarktnahen Produkten greifen. Der Vorstandsvorsitzende der Lebensversicherungs-Sparte Allianz Leben, Markus Faulhaber, geht allerdings noch einen Schritt weiter und sagt, dass "der Kauf eines klassischen Lebensversicherungsproduktes keinen Sinn mehr hat" und sorgt so nach Ansicht des Bundes für Versicherte (BdV) für erhebliche Unsicherheiten bei den Besitzern der knapp 90 Millionen kapitalbildenden Verträge. BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein kommentiert die Aussage dann auch deutlich: "Wir halten es für zynisch, dass die Allianz vor klassischen Verträgen warnt, mit denen sie in den letzten 100 Jahren riesigen Profit gemacht hat". Die Versicherer verweisen an dieser Stelle reflexartig auf die vergleichsweise hohen Renditen, die sie in den vergangenen Jahrzehnten für ihre Kunden erwirtschaften konnten. Aber das ist relativ. Erzielten doch schon Anlagen im sicheren festverzinslichen Bereich in den letzten 40 Jahren eine jährliche Wertentwicklung von rund 5,5 Prozent. Die Konzerne konnten durch Anlage in solche Papiere ohne viel Zutun ihren Verpflichtungen nachkommen und nebenbei an den Verträgen prächtig verdienen.

Aber ungeachtet dessen, hat die klassische Lebensversicherung ohne einen Garantiezins wohl endgültig ausgedient. "Die Altersvorsorge mit einer klassischen Lebensversicherung ist einfach tot", so eine BdV-Sprecherin. Ohne einen festen Garantiezins entfalle das wichtigste Argument für den Abschluss einer kapitalbildenden Lebensversicherung. Eine Meinung, die nahezu alle Verbraucherschützer teilen.

Letztere zweifeln auch an den neuen Lebensversicherungsprodukten. Nach wie vor viel zu teuer, zu wenig transparent und mit zweifelhaften Renditeaussichten, lauten die Vorbehalte. Denn tatsächlich entscheiden die Versicherer bei den neuen Produkten über die genaue Verzinsung für ihre Kunden je nach Marktlage erst am Ende der Laufzeit. Nach Meinung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg benötigen die Versicherer das Geld, um ihre Altlasten in Form von Zinsversprechen aus alten Verträgen zu bezahlen. Ob für die Versicherten auf Dauer Zinsüberschüsse übrig bleiben, sei heute kaum abzusehen. Demnach verteilen die Unternehmen die Erträge mehr oder weniger willkürlich unter verschiedenen Tarifgenerationen.

Doch ungeachtet neuer, undurchsichtiger Produkte behalten höhere Garantieversprechen aus Alt-Verträgen ihre Gültigkeit. Sparer sind denn auch meist gut beraten, an diesen steuerbegünstigten Verträgen mit Garantiezinsen von bis zu vier Prozent festzuhalten. Mit einem Tool des BdV kann die Rentabilität von Altverträgen kostenlos überprüft werden.

Quelle: n-tv.de

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