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Anlageberatung: Die Schluderei geht weiter

Das Beratungsgespräch läuft nett, der Bankmitarbeiter wirkt überzeugend - doch kaum zu Hause, fragt man sich: Welches Produkt soll ich jetzt noch gleich kaufen? Und warum? Beratungsprotokolle sollen Klarheit bringen. Doch die meisten Banken nehmen ihre Transparenzpflicht nicht richtig ernst.

Auch wenn sich alle einig sind: Ein Protokoll muss sein.
Auch wenn sich alle einig sind: Ein Protokoll muss sein.(Foto: dpa)

Im Zuge der Finanzkrise ist das Thema "Anlageberatung" kurz in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Inzwischen haben viele der geprellten Kunden ihre Verluste verwunden und viele der Berater, die unbedarften Anlegern hochspekulative Zertifikate verkauften, führen weiter Kundengespräche und empfehlen neue Produkte. Etwas hat sich dabei aber doch geändert: Seit Anfang 2010 müssen sie den Kunden bei Wertpapierberatungen ein Protokoll aushändigen, in dem der Inhalt der Beratung noch einmal zusammengefasst und das Produkt erläutert wird. Kunden sollen so das Beratungsgespräch später nachvollziehen können und im Ernstfall auch ein Beweismittel gegen die Bank in der Hand haben. Theoretisch ist das eine gute Idee. Doch funktioniert sie auch in der Praxis? Das "Deutsche Institut für Servicequalität" (DISQ) hat für n-tv überprüft, ob die vorgeschriebenen Beratungsdokumentationen richtig eingesetzt werden.

Protokollpflicht wird ignoriert

Die Bilanz ist ernüchternd: Bei einem Drittel der Beratungsgespräche kamen die Bankmitarbeiter ihrer Transparenzpflicht nicht nach, so das Fazit nach 150 Anlageberatungen bei 15 Banken und Sparkassen. Standard ist das Beratungsprotokoll offenbar noch lange nicht: Keines der analysierten Kreditinstitute erstellte bei jedem Gespräch ein Beratungsprotokoll, wenn dies eigentlich notwendig gewesen wäre. Daher mussten alle Banken abgewertet werden.

Auch wenn es ein Protokoll gab, war dies keineswegs immer zufriedenstellend: "Die übergebenen Protokolle wiesen teilweise erhebliche Mängel auf: Die gesetzlichen Vorgaben über den Umfang der Beratungsprotokolle hielten 20 Prozent der untersuchten Institute nicht vollständig ein", kritisiert DISQ-Chef Markus Hamer. Aber der Marktforscher weiß auch Positives zu berichten. Denn mit der Beratungsleistung selbst waren die Testkunden meistens zufrieden. Lob gab es vor allem für die gute Lösungskompetenz und die sehr gute Kommunikationsqualität der Bankmitarbeiter. "Beides sind bekannten Stärken der Vertriebsprofis in den Filialen", kommentiert Hamer.

Die Testsieger

Die Gesamtübersicht.
Die Gesamtübersicht.

Testsieger bei der Anlageberatung wurde Hypovereinsbank. Die motivierten Mitarbeiter überzeugten mit individueller Beratung und einer gezielten Analyse der Kundenwünsche. Auch in Sachen Lösungskompetenz lagen die Hypovereinsbank-Berater vorn, zudem waren die Beratungsunterlagen gut. Die Berliner Sparkasse belegte Rang zwei und war somit das beste regional tätige Institut. Die Berliner punkteten insbesondere bei der wichtigen Bedarfsanalyse und erfragten gezielt die persönliche und finanzielle Situation der Testkunden. Zudem händigten die Berater auch vergleichsweise häufig das Protokoll aus. Die Sparda-Bank Berlin verfügte zwar nur über durchschnittliche Unterlagen zur Angebotsbewertung, durch die gute persönliche Beratung vor Ort wurde das jedoch wieder ausgeglichen. Die Mitarbeiter nahmen sich für die Gespräche viel Zeit, waren sehr hilfsbereit. Hier hätten die Tester am ehesten selbst abgeschlossen. 

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Quelle: n-tv.de

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