Ratgeber

Dreiste Methoden: Die Tricks der Bausparkassen

Von Axel Witte

Dass alte Bausparverträge in der derzeitigen Niedrigzinsphase als Sparanlage lohnend sein können, hat sich herumgesprochen. Mit welch dreisten Methoden die Bausparkassen versuchen, ihre Kunden um ihre vertraglich zugesicherten Leistungen zu bringen, überrascht dann aber doch. "Finanztest" gibt wertvolle Hinweise.

Der Traum von den eigenen vier Wänden lebt - aber auch als Geldanlage kann sich das Bausparen lohnen.
Der Traum von den eigenen vier Wänden lebt - aber auch als Geldanlage kann sich das Bausparen lohnen.

Wohin mit dem Geld? Eine sichere und renditestarke Anlage ist dieser Tage schwer zu finden. Da erinnert sich manch einer an seinen alten, gutverzinsten Bausparvertrag – oder besser: wird erinnert. Denn es scheint, dass einigen Bausparkassen jedes Mittel recht ist, um ihre Kunden um die ehemals stark umworbenen Produkte zu bringen.

Grundsätzlich bieten Bausparkassen für das angesparte Guthaben eher magere Zinsen an. Ist ein Anteil der vereinbarten Bausparsumme angespart, teilt das Institut dem Sparer den Vertrag zu. Dieser kann sich dann entscheiden, ob er ein zinsgünstiges Darlehen in Höhe der Differenz zur Bausparsumme aufnimmt oder ob er darauf verzichtet und weiter den Vertrag als Geldanlage bespart. Kunden, die ein Darlehen nicht in Anspruch nehmen, erhalten einen Bonuszins für jedes Jahr dazu. Dieser Bonus wird am Vertragsende ausgezahlt und ist nicht in den jährlichen Kontoauszügen aufgeführt. 

Bis zu sechs Prozent Zinsen

Wer nun vor einigen Jahren einen Bausparvertrag abgeschlossen hat und diesen nur als Geldanlage nutzt, kann sich heute freuen.  Denn Kunden erreichen am Vertragsende - also wenn die Bausparsumme erreicht ist - durch Basis- und Bonuszinszahlungen eine sehr attraktive Verzinsung ihrer Geldanlage. Und die Abschlussgebühr gibt es meist auch zurück. So können leicht vier bis fünf Prozent Zinsen pro Jahr für die Vertragslaufzeit erwirtschaftet werden. Gesellen sich noch Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmersparzulage dazu, sind über sechs Prozent Rendite möglich. Das sind prächtige Konditionen.

Da verwundert es nicht, dass einigen Bausparkassen derartige Belastungen ein Dorn im Auge sind. So auch der Bausparkasse BHW. Wie Finanztest berichtet, wendet sich das Unternehmen an Kunden solcher Altverträge. Diese werden darüber informiert, dass, sollten sie nun  weitersparen bis die Bausparsumme erreicht ist, kein Darlehen in Anspruch genommen werden kann. Hierdurch würde "der Anspruch auf Bonusverzinsung" entfallen. BHW erklärt dazu:"Den Bonus zahlen wir nur, wenn der Kunde die Zuteilung des Vertrages annimmt und schriftlich auf sein Darlehen verzichtet. Verzichten muss er, solange er ein Darlehen in Anspruch nehmen kann, also bevor der Sparbetrag die Bausparsumme erreicht."

Mit List gegen die Tücke

Sollte aber der geforderte Darlehensverzicht erklärt werden, gilt der Vertrag als erfüllt und BHW kann den Vertrag mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Der Bonuszins würde zwar ausgezahlt, aber ein gut verzinster Vertrag aufgegeben werden. Kunden und Verbraucherschützer sind empört über dieses Vorgehen des BHW - rechtlich ist dies mehr als umstritten. In den kommenden Jahren sind einige juristische Auseinandersetzungen mit BHW zu erwarten.

Kunden sollten sich aber nicht auf etwaige Wahrscheinlichkeiten verlassen, rät Finanztest, und deshalb in ihren Verträgen prüfen, unter welchen Bedingungen die Zinsbonuszahlung vereinbart wurde. Eine geforderte und tatsächlich vertraglich vereinbarte Verzichtserklärung sollte erst dann gegeben werden, wenn das eingezahlte und verzinste Guthaben kurz davor ist, die Bausparsumme zu erreichen. Die möglicherweise gewährten Bonuszinsen werden hierbei nicht dazugerechnet.

Finanztest empfiehlt, die Einzahlungen auf das Bausparkonto zu stoppen, wenn diese rund 85 Prozent der Bausparsumme erreicht haben. Die Bausparkasse kann erst dann den Vertrag kündigen, wenn durch die über die Jahre angelaufenen Zinszahlungen die volle Bausparsumme angespart ist. Sparer können sich so noch jahrelang an ihren renditestarken Verträgen erfreuen. Wer das Geld dennoch früher benötigt, kann sich sein Guthaben, zumindest nach Zuteilung des Vertrages, ohne Bonusverluste jederzeit auszahlen lassen.

Bausparsumme im Blick behalten

Des Weiteren sollten Verträge keinesfalls zu früh erfüllt oder „überzahlt“ werde, d.h. es sollte nicht in  Höhe der Bausparsumme oder darüber hinaus auf das Bausparkonto eingezahlt werden. Dies berechtigt die Bausparkassen dazu, die Verträge zu kündigen, wie das Landgericht Hannover und das Oberlandesgericht Celle geurteilt haben. Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass der Vertragszweck erfüllt ist, sobald die volle Höhe der Bausparsumme angespart ist. Denn dann kann die Bausparkasse kein Darlehen mehr gewähren.

Keinesfalls sollten sich Renditesparer auf Anraten ihrer Bausparkasse dazu hinreißen lassen, ihre Verträge zu kündigen. Anschreiben, in denen sie dazu aufgefordert werden, „jetzt ihre Wünsche zu verwirklichen“, sollten tunlichst ignoriert werden.

Derlei Sehnsüchte versucht neben dem BHW auch gerne Wüstenrot zu wecken, deren Vertragswerk auch vorsieht, dass Verträge, die vor der Zuteilung gekündigt werden, ihren Anspruch auf die Bonuszinsen verlieren. Dass im Falle einer Kündigung auch die Abschlussgebühren nicht erstattet werden, versteht sich fast von selbst.

Auch vor möglichen Telefonanrufen von Seiten der Branche sei an dieser Stelle gewarnt. Dem einen oder anderem „Berater“ soll laut Finanztest keine Behauptung zu gewagt und kein Versprechen zu weit hergeholt sein, um damit Bausparer zur Kündigung ihrer Verträge zu bewegen. Jegliche Offerten sollten sorgfältig überprüft werden.

Ja, es sind harte Zeiten für Sparer. Und das leider nicht nur wegen der derzeitigen Niedrigzinsphase.

Quelle: n-tv.de

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