Ratgeber
Montag, 24. August 2015

Ehrlich währt am längsten?: Die beliebtesten Lügen im Lebenslauf

Um eine Stelle zu bekommen, müssen sich Bewerber gut vermarkten können. Hierzu gehört auch ein lückenloser Lebenslauf. Ist es da nicht naheliegend, ein wenig zu mogeln? Es kann jedoch mit dem neuen Job schnell vorbei sein, wenn die Lügen auffliegen.

Unwahrheiten gehören nicht in den Lebenslauf.
Unwahrheiten gehören nicht in den Lebenslauf.(Foto: dpa-tmn)

Immer wieder tauchen Lügen in Lebensläufen auf. Viele Personalverantwortliche kennen die Mogeleien und richten ihr Augenmerk darauf. Das Kaschieren vom Lebenslauf sollten sich Bewerberinnen und Bewerber also gut überlegen, denn die möglichen Konsequenzen können unter Umständen fatal sein. Hier sind die zehn beliebtesten Unwahrheiten:

1. Lückenloser Lebenslauf, obwohl Lücken da sind

Lücken im Lebenslauf machen sich nicht gut und Personaler fragen immer, wodurch sie entstanden sind. So werden Lücken mit vermeintlichen Tätigkeiten gefüllt, damit der Kandidat die vielleicht peinliche Frage umgehen kann.

Besser geht es allerdings mit Ehrlichkeit. Denn Erwerbsunterbrechungen sind keine Schande, wenn sie denn gut begründet sind. So sind die Auszeit zur Neuorientierung nach dem Erhalt einer guten Abfindung, die Pflege von Angehörigen oder schlichtweg Arbeitslosigkeit legitim.

2. Lügen über aktuellen Job

Der Bewerber steht in einem besseren Licht, wenn er zum Zeitpunkt der Stellensuche in einem Beschäftigungsverhältnis steht. Bereits gekündigte Kandidaten versuchen oftmals ihren Lebenslauf aufzuhübschen, indem sie eine unbefristete Anstellung suggerieren. Ist ein Bewerber für den Personaler interessant, kann der sich mitunter beim aktuellen Arbeitgeber über den Kandidaten erkundigen. Diese Lüge fliegt somit in der Regel ziemlich schnell auf. "Handelt es sich um eine betriebsbedingte Kündigung ohne eigenes Verschulden, ist die Angabe der Tatsachen risikofrei. Allerdings sollte man dem neuen Arbeitgeber nicht das Gefühl geben, eine 'Notlösung' zu sein. Echte Begeisterung und Interesse sind also gefragt", sagt Tanja Merkens von arbeitszeugnis-bewerten.de.

3. Position wird angehoben

Um wichtiger zu erscheinen, wird die Position im aktuellen Job ausgeschmückt. "Head of Online-Marketing" klingt gut. Ist derjenige allerdings der einzige Kollege mit dieser Aufgabe, ist die Leitungsfunktion ohne eigene Mitarbeiter eine Farce.

4. Aus Vertretungsjob wurde ein Stellvertreter

Eine kleine Wortverdrehung kann ja nicht auffallen: Wurden die Aufgaben des Projektleiters eine Zeitlang übernommen, machen einige daraus den Stellvertreter. Dabei handelte es sich lediglich um eine Krankheitsvertretung. Die Verantwortung lag immer noch beim Projektleiter. Aber auch die Krankenvertretung hat ihren Wert und sollte als Sonderaufgabe herausgestellt werden, um die Flexibilität und Eignung des Bewerbers positiv hervorzuheben.

5. Aus der Praktikantenstelle wird eine Festanstellung

Praktika oder Studentenjobs werden im Handumdrehen zur Festanstellung umgewandelt. Dieser Braten wird meistens schnell gerochen, denn den Personalverantwortlichen ist diese Masche bestens bekannt. Hier werden nachgelieferte Zeugnisse letztlich den Tatsachen auf die Sprünge helfen. "Ein Vollzeitpraktikum unter guter Anleitung und in einem professionellen betrieblichen Umfeld ist für einen Berufseinsteiger kein Manko. Auch hier kann Engagement und Lernfreude von größerer Bedeutung sein", erklärt Merkens.

6. Lüge über das Alter

Junge Bewerberinnen und Bewerber machen sich ein bisschen älter und der ältere Kandidat gibt vor, jünger zu sein als er tatsächlich ist. Die Altersangabe ist jedoch kein Muss mehr. Wer sie preisgibt, sollte besser ehrlich bleiben. Diese Lüge kommt spätestens dann heraus, wenn die Personalien zwecks Anstellung aufgenommen werden.
Tipp: Ein dynamisches Foto mit wachem und freundlichem Ausdruck kann unterstützend wirken und die Persönlichkeit in den Vordergrund rücken.

7. Kinder werden verschwiegen

Mütter haben es schwerer, einen Job zu bekommen. Damit sie eine Chance erhalten, verschweigen sie ihren Nachwuchs. Auch das kann ein Fehler sein, wenn man den Job bekommen hat und weniger flexibel ist. Im Lebenslauf muss der Familienstand nicht zwingend genannt werden, allerdings gehört in ein Vorstellungsgespräch eine realistische Selbsteinschätzung über Organisation von Familien- und Arbeitspflichten. Was dann auch für Väter mit Familienverantwortung gilt.

8. Berufserfahrung

Voraussetzung für viele Jobs sind gute Berufserfahrungen. Wer die nicht hat, erfindet sie kurzer Hand. Wer aber glaubt, dass er fehlende Kenntnisse schnell nacharbeiten kann, irrt gewaltig. Projektmanagement zum Beispiel sieht in der Praxis dann doch anders aus als in der Theorie.

9. Qualifikationen – aus der Küchenhilfe wird ein Koch

Die Bewerberin war lange Zeit als Küchenhilfe in einem Restaurant tätig. Sie kocht gerne und bewirbt sich auf eine Stelle als Köchin. Damit die Chancen gut stehen, wird schnell aus der Küchenhilfe eine Köchin. Zu bedenken ist allerdings, dass der Personaler Zeugnisse sehen möchte.

Vor allem im Kleingewerbe kann die reale Fähigkeit eine größere Rolle spielen als der formale Berufsabschluss. Quereinsteiger oder Geringqualifizierte haben hier bessere Einstellungschancen, darum Mut zur Wahrheit und dem eigenen Können.

10. Urlaub wird zur Auslandserfahrung

Gefragt sind Auslandserfahrungen und gute Sprachkenntnisse. Einige Bewerberinnen und Bewerber sehen diese im Urlaub oder der Auszeit bestätigt. Schnell wird noch ein Sprachkurs dazu gedichtet und der Lebenslauf scheint perfekt zu sein.

Vorsicht: In einigen Bewerbungsgesprächen wird gerne mal die Sprache gewechselt. Spätestens dann wissen Personaler um diese Fähigkeiten Bescheid. Auslandsaufenthalte können dagegen schwerer bewiesen werden. Trifft man jedoch auf einen Kollegen, der am gleichen Ort war, kann es mitunter zu einer peinlichen Situation führen.

Wenn die Lüge auffliegt

Die Lebensläufe können noch so geschickt kaschiert sein, in der Regel kommen die Lügen schnell ans Licht. Die Folgen können für den Bewerber fatal sein, denn unter Umständen verlieren sie ihren neuen Job und erhalten die Kündigung. Arbeitgeber haben die Option, den Arbeitsvertrag aufgrund arglistiger Täuschung anzufechten. Das ist auch möglich, wenn die Lüge erst nach Jahren herauskommt.

Wurden sogar Bildungsabschlüsse falsch angegeben oder bei fachlichen Qualifikationen gelogen, handelt es sich um Urkundenfälschung und somit um eine Straftat. Dies kann also nicht nur die Kündigung nach sich ziehen, sondern gegebenenfalls auch eine Geld- oder Haftstrafe.

Quelle: n-tv.de

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