Ratgeber

Sofortrenten im Vergleich: Die wenigsten Tarife sind gut

Das Konzept der Sofortrente ist einfach: Einmal einzahlen, lebenslang Rente bekommen. So ist sicher, dass das Vermögen nicht schon aufgebraucht ist, bevor man stirbt. Gute Angebote sind allerdings selten. Auf jeden Fall muss man ziemlich lange leben, damit sich die Sache rechnet.

Sofortrenten können Rentenlücken schließen. Wer nicht regelmäßig Geld braucht, parkt sein Vermögen besser woanders.
Sofortrenten können Rentenlücken schließen. Wer nicht regelmäßig Geld braucht, parkt sein Vermögen besser woanders.

Angehende Rentner stehen finanziell oft ganz gut da: Viele haben Ersparnisse, etwa aus Lebensversicherungen, die nun frei werden, viele haben auch geerbt. Wenn das vorhandene Vermögen genutzt werden soll, um die Rente aufzustocken, gibt es allerdings ein Problem: Wie lässt sich sicherstellen, dass das Geld bis zum Ende des Lebens ausreicht? Versicherungsunternehmen haben mit der Sofortrente eine Lösung geschaffen. Aber ist die auch gut? Die Stiftung Warentest hat 36 Angebote verglichen und festgestellt: Gute Tarife sind rar.

Das Konzept der Sofortrente ist einfach: Man zahlt einmal eine größere Summe ein und bekommt dann für den Rest des Lebens eine Rente ausgezahlt. Wie hoch die mindestens ausfallen muss, ist von Beginn an durch den Garantiezins festgelegt. Mehr geht natürlich immer, wenn die Unternehmen Überschüsse erwirtschaften. Geld gibt es bis zum Ende des Lebens – ob sich die Sache rechnet oder nicht, hängt also davon ab, wie alt man wird. Versicherer rechnen damit, dass Männer, die heute mit 65 in Rente gehen, noch 25 Jahre zu leben haben, Frauen sogar 29 Jahre. Entsprechend vorsichtig sind die Renten kalkuliert. Knappe 23 Jahre lang müsste die Garantierente mindestens fließen, damit man wenigstens die unverzinsten Einlagen wieder herausbekommt, hat die Stiftung Warentest ausgerechnet. Zahlt die Versicherung Überschüsse, kann es auch schneller gehen.

Ausschüttungshöhen schwanken

Um den Anlageerfolg zu bewerten, hat die Stiftung Warentest die Ergebnisse der letzten drei Jahre untersucht und überprüft, wie viel ihrer Erträge die Versicherer den Kunden gutgeschrieben haben. Das Gros der Anbieter schnitt dabei nur mittelmäßig ab, Bestnoten gab es nur für die Interrisk mit ihren beiden Tarifen. Gut wurden auch die Europa, die Bayerische und Swiss Life bewertet. Auffällig waren laut Stiftung Warentest aber die Schwankungen im Anlageerfolg: Manche Versicherer hätten 2012 deutlich mehr ausgeschüttet als 2011. Angesichts der Zinsentwicklung ist das überraschend. Der Verdacht liegt nahe, dass die Anbieter Reserven versilbert haben, um wettbewerbsfähige Renten zahlen zu können.

Aussagekräftiger als der Anlageerfolg ist deshalb die Garantierente. Denn obwohl der Garantiezins mit 1,75 Prozent bei allen Versicherern derselbe ist, fallen die Rentenzusagen unterschiedlich hoch aus. Das liegt an den Kosten, die für Abschluss und Verwaltung fällig werden. Wer beispielsweise 60.000 Euro einzahlt, bekommt bei der Hannoverschen im ersten Jahr mindestens 221 Euro pro Monat heraus, bei der Axa dagegen nur 202 Euro. 19 Euro weniger mögen nicht allzu drastisch erscheinen, doch über die Jahre macht das einen Nachteil von einigen tausend Euro. Wie hoch der Einfluss der Abschlusskosten ist, zeigt das Beispiel der Interrisk: Die bietet ihre Sofortrente über Vermittler an, per Telefon oder Brief können sich Interessenten aber auch den Direkttarif sichern. Der ist rund 3000 Euro günstiger beim Abschluss und bringt dem Musterkunden damit elf Euro mehr Garantierente im Monat ein.

Frauen profitieren von Unisex-Tarifen

Im Jahr 2010 hat die Stiftung Warentest schon einmal Sofortrenten verglichen, damals fielen die Auszahlungen noch höher aus. Der Abwärtstrend ist nicht überraschend, schließlich ist in der Zwischenzeit auch der Garantiezins von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent gesunken. Doch das ist nicht die einzige Neuregelung: Seit Ende letzten Jahres dürfen die Versicherer nicht mehr zwischen männlichen und weiblichen Versicherten unterscheiden. Männer und Frauen erhalten nun also für den gleichen Beitrag die gleiche Rente, obwohl ihre statistische Lebenserwartung unterschiedlich ausfällt. Im Vergleich zu 2010 haben deshalb vor allem die Männer eingebüßt: Sie bekommen nun je nach Anbieter zwischen 6 und 16 Prozent weniger Rente als 2010. Bei den Frauen liegt das Minus zwischen 3 und 10 Prozent.

Entscheiden sich Ehepaare für eine Sofortrente, sollten sie den Vertrag im Zweifel lieber auf den Namen der Frau laufen lassen, rät die Stiftung Warentest. Wer verhindern möchte, dass die Angehörigen im Fall eines frühen Todes leer ausgehen, kann eine zusätzliche Sicherung einbauen: So lässt sich beispielsweise vereinbaren, dass das Restkapital an die Hinterbliebenen ausgezahlt wird. Auch eine Rentengarantiezeit von bis zu 20 Jahren ist möglich, Ehepartner können auch bis zu deren Lebensende abgesichert werden. Solche Sicherheiten lassen sich die Versicherer allerdings gut bezahlen.

Rente soll nicht wieder fallen

Sinnvoll ist es auf jeden Fall, eine Rente mit Dynamik abzuschließen, im Allgemeinen wird die "volldynamische" Überschussvariante empfohlen. Dann fällt die Rente im ersten Jahr niedriger aus und steigt im Laufe der Zeit an. Dabei ist zwar nicht garantiert, dass es jedes Jahr mehr Geld gibt, aber immerhin haben die Versicherten Gewissheit, dass die Rente nicht mehr unter das einmal erreichte Niveau fällt. Bei den anderen Varianten gibt es solche Sicherheiten nicht.

Wer die Wette auf ein langes Leben eingehen will, muss lange suchen, um vernünftige Angebote zu finden. "Sehr gut" bewertete die Stiftung Warentest keine der von ihr untersuchten Versicherungen, der Tarif der Europa schnitt insgesamt noch am besten ab. Außerdem gibt es fünf weitere "gute" Angebote. Auch die hatten allerdings Schwachpunkte: Die Tarife der Hannoverschen, Huk24 und Huk-Coburg schwächeln beim Anlageerfolg. Und die Interrisk schnitt im Prüfpunkt Transparenz nur "mangelhaft" ab.

Quelle: n-tv.de

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