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DVB-T-Empfänger sind bald nur noch Elektroschrott.
DVB-T-Empfänger sind bald nur noch Elektroschrott.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Millionen Haushalte sehen schwarz: Dobrindt kappt DVB-T-Fernsehen

Der Fernsehempfang über DVB-T wird drei Jahre früher als geplant beendet. Die Technik ist noch nicht alt, doch wer nicht in die Röhre gucken will, muss bald schon wieder umrüsten. Für die Haushalte dürfte das teuer werden.

"Internetminister" Alexander Dobrindt will für Deutschland das schnellste Netz der Welt. Und für dieses hehre Ziel wird der digitale Fernsehempfang über Antenne nun schon früher gekappt als geplant, nämlich 2017.

Es ist noch gar nicht so lange her, da war DVB-T (Digital Video Broadcasting – Terrestrial) das neue Fernsehding in Deutschland. Angefangen hat es 2002 in Berlin und von der hippen Hauptstadt bahnte sich das digitale Antennenfernsehen seinen Weg in die Bundesrepublik. Galt es doch als besonders einfach zu handhaben: Empfänger anschließen, Kabel zum Fernseher - fertig. Und dazu noch kostenlos, abgesehen von den Anschaffungskosten. Doch dann kam mit dem Breitband auch das Digitalfernsehen ins bundesdeutsche Kabelnetz. Und damit war der digitale Empfang über Antenne auch schon wieder überholt. Denn Kabel kann zum Beispiel auch High Definition senden, DVB-T nicht. Und so besiegelte die Politik das Ende des ersten digitalen Antennenfernsehens - 2020 sollte das schnellere DVB-T2 kommen.

Doch Dobrindt drückt jetzt aufs Tempo und schwenkt drei Jahre früher um - ohne Übergangsphase, wie ursprünglich geplant. Der Grund: Der Minister für die digitale Infrastruktur braucht die Funkfrequenzen für den Breitbandausbau. Dabei geht es um das sogenannte 700-Megahertz-Band. Bisher funkt hier noch das Antennenfernsehen DVB-T, bundesweit immerhin von 1,8 Millionen Haushalten genutzt.

"Es ist zu prüfen, ob die Umstellung auf DVB-T2 bis Mitte 2016 mindestens in den Hauptverbreitungsgebieten realisierbar ist, um durch Großereignisse wie die Fußballeuropameisterschaft eine schnelle Marktdurchdringung zu erreichen", steht in einem Antrag von Union und SPD, den der Bundestag bereits beschlossen hat.

Breitband geht vor Fernsehen

So versteigert Dobrindt die besagten Frequenzen schon kommendes Jahr an Mobilfunkunternehmen. Sein Kalkül: Statt DVB-T kommt über die Funkfrequenz dann LTE, also Breitband-Internet, auch in der Provinz an. Gut für Internetnutzer, vor allem auch für Unternehmer auf dem Land - das Nachsehen haben aber die DVBT-Empfänger.

Sie können ihre erst vor einigen Jahren gekauften Boxen zum Empfang des DVB-T-Signals in die Tonne werfen. 100 bis 200 Euro kosteten die Geräte bei der Einführung. Ähnlich viel müssen Verbraucher nun wohl wieder ausgeben. Fernseher, in denen die DVB-T-Technik integriert ist, müssen mit neuen Empfängern nachgerüstet werden. "Wir rechnen mit Kosten von mindestens 300 Millionen Euro für die Haushalte und einer Menge Elektroschrott", kritisiert die Grünen-Politikerin Tabea Rößner: "Der Bundesregierung sind diese Konsequenzen bewusst, sie verschweigt sie aber in der Öffentlichkeit. Das ist ein Skandal."

Nicht nur die 1,8 Millionen DVB-T-Haushalte in Deutschland trifft es, auch die Rundfunkanstalten sind nicht begeistert. Sie müssen durch die neuen Pläne des Ministers bereits drei Jahre früher in DVB-T2 senden. Doch Dobrindt hat den Rückhalt der Regierung, die "digitale Agenda" ist eines der wenigen Zukunftsprojekte von Schwarz-Rot.

Verbraucher können übrigens noch nicht vorsorgen. Die wenigen DVB-T2-Geräte, die es derzeit im Handel gibt, sind für den Empfang des deutschen DVB-T nicht geeignet. 

Quelle: n-tv.de

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