Ratgeber

Viel Geld für wenig Leistung: Energieberater versagen oft

Ein paar Stunden Lehrgang und eine Wärmebildkamera allein machen noch keinen kompetenten Energieberater. Das zeigt eine Stichprobe der Stiftung Warentest. Von neun Gutachtern lieferten sieben unbefriedigende Ergebnisse ab - und nahmen dafür auch noch gutes Geld.

Nur weil die Hausfassade rot leuchtet, muss sie nicht schlecht gedämmt sein. Vielleicht hat sie auch noch Sonnenwärme gespeichert.
Nur weil die Hausfassade rot leuchtet, muss sie nicht schlecht gedämmt sein. Vielleicht hat sie auch noch Sonnenwärme gespeichert.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Beim Stichwort "Energieberatung" denken viele Menschen erstmal an Thermografie: Bunte Bilder mit blauen, roten und gelben Farbverläufen, sollen Hausbesitzern zeigen, wo ihre Immobilie besonders viel Wärme verliert. Solche Aufnahmen mit der Wärmebildkamera können aufschlussreich sein – oder aber rausgeworfenes Geld. Denn ohne eine eingehende Analyse mit konkreten Lösungsvorschlägen taugt die thermografische Fotosammlung allenfalls für den Bilderrahmen, nicht aber als Grundlage für Sanierungsmaßnahmen. Doch brauchbare Beratungen scheinen in der Branche ohnehin eher Glückssache zu sein. Das zeigt jedenfalls eine Stichprobe der Stiftung Warentest. Für die Mai-Ausgabe des "Test"-Magazins haben die Tester exemplarisch neun Energieberater ausgewählt, um insgesamt drei verschiedene Häuser zu analysieren. Das Ergebnis fiel enttäuschend aus: Nur zwei von ihnen lieferten eine vollständige Beratung ab.  

Für eine Energieberatung kann es gute Gründe geben: Möchte man einfach nur wissen, ob das ein Haus viel Energie verbraucht und wo es Sparpotential gibt, helfen die Verbraucherzentralen weiter. Kommt ein Berater ins Haus, kostet das  45 Euro. Stehen dagegen ein Umbau oder Modernisierungsmaßnahmen an, sollte die Beratung umfassender sein. Wer auf ein günstiges KfW-Darlehen spekuliert, kommt um eine Vor-Ort-Beratung ohnehin nicht herum. In diesem Fall muss man sich an einen der unabhängigen Fachleute wenden, die beim "Bafa", dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, gelistet sind. Deren Gutachten kosten bis zu tausend Euro, das Bafa zahlt 300 Euro Zuschuss.

Berechnungen haben Seltenheitswert

Auch die Test-Beratungen sollten den Anforderungen des Bafa genügen. Dafür mussten die Berater vollständige Berichte mit den entsprechenden Wirtschaftlichkeitsberechnungen abliefern und die vorgeschlagenen Maßnahmen kompetent erläutern. Und daran haperte es oft. Dabei waren die ersten Besuche meist noch vielversprechend: Beim obligatorischen Rundgang durch die jeweiligen Häuser entdeckten viele Berater kleine Wärmelecks und lieferten oft auch Hinweise, wie sie ohne großen Aufwand zu beheben  wären. In den späteren Gutachten tauchten diese kleinen Spartipps dann aber nur noch selten auf. Wer nicht selbst mitschreiben will, sollte den Berater auf jeden Fall darauf hinweisen, dass er auch die kleinen Verbesserungsvorschläge berücksichtigt, rät die Stiftung Warentest.

Auch von den anfangs erwähnten Wärmebild-Aufnahmen sollte man sich nicht beeindrucken lassen. Denn allein das Wissen, dass ein Bereich gefährlich rot leuchtet und somit besonders wärmedurchlässig ist, bringt dem Hausbesitzer wenig. Im Bericht muss auch stehen, welche Ursachen es gibt und wie man die Schwachstellen beseitigen kann.   

Überhaupt sollte man auf ein vollständiges Gutachten pochen. So vermissten die Hausbesitzer nicht nur umfassende Lösungsvorschläge und Prioritätenlisten. In den meisten Fällen  fehlten auch konkrete Wirtschaftlichkeitsberechnungen, in denen Kosten und Nutzen verschiedener Baumaßnahmen gegenübergestellt werden. In einem Fall bekam der Kunde nach einem zweistündigen Besuch einfach ein vierseitiges Papier mit einigen Energiespartipps und sollte dafür 714 Euro bezahlen.  "Schlicht eine Dreistigkeit", schimpft "Test" und rät Beratungswilligen, in solchen Fällen Nachbesserung zu verlangen. Zahlen sollte man erst, wenn die vollständigen Informationen geliefert werden.

Immerhin bringt der Test auch eine erfreuliche Erkenntnis: Gute Beratung muss kein Vermögen kosten. Bis zu 830 Euro berechneten die Berater für ihre Besuche und das Gutachten. Die beste Beraterin, eine Architektin, verlange nicht einmal halb so viel. 

Die Berater-Suche des Bafa

Die Energieberatung der Verbraucherzentralen

Quelle: n-tv.de

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