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Künstliche Befruchtung: Fiskus hilft bei Kinderwunsch

Ist der Mann unfruchtbar, kann eine künstliche Befruchtung fünfstellige Eurobeträge verschlingen. Bislang blieben Ehepaare auf diesen Kosten sitzen. Jetzt hat der Bundesfinanzhof ein wegweisendes Urteil gefällt.

Kinder sind teuer, manchmal auch schon vor der Geburt.
Kinder sind teuer, manchmal auch schon vor der Geburt.(Foto: picture alliance / dpa)

Bei Unfruchtbarkeit des Mannes können Ehepaare die Kosten einer künstlichen Befruchtung mit Spendersamen von der Steuer absetzen. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden. Damit gaben die obersten Finanzrichter erneut im Bereich der Gesundheits-ausgaben ihre frühere Rechtsprechung auf. (Az: VI R 43/10)

Ausgaben, die im Einzelfall "zwangsläufig" anfallen, obwohl andere Bürger in vergleichbarer Lage diese Ausgaben nicht haben, mindern als "außergewöhnliche Belastung" das zu versteuernde Einkommen. Dazu gehören ausdrücklich auch die Kosten einer Heilbehandlung.

Nicht geheilt, aber geholfen

Geklagt hatte ein Ehepaar, das 21.000 Euro für eine sogenannte heterologe künstliche Befruchtung mit Spendersamen geltend gemacht hatte, weil der Mann unfruchtbar ist. Gestützt auf die bisherige BFH-Rechtsprechung hatte das Finanzamt dies abgelehnt: Die Befruchtung der Frau mit Spendersamen könne die Unfruchtbarkeit des Mannes schließlich nicht heilen. Dennoch werde aber - wie bei einer "homologen" künstlichen Befruchtung mit den eigenen Samen - die krankheitsbedingt behinderte Körperfunktion des Mannes "durch eine medizinische Maßnahme ersetzt", heißt es nun in dem neuen Urteil. Dies sei "als Heilbehandlung anzusehen, so dass die Kosten hierfür als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt werden könnten".

Mit dem neuen Grundsatzurteil setzte der Sechste - für die Lohnsteuer zuständige - BFH-Senat seine patientenfreundliche Rechtsprechung fort. Er hatte 2009 die Zuständigkeit für außergewöhnliche Belastungen von dem wegen steigender Kindergeld-Klagen überlasteten Dritten Senat übernommen.

Erst kürzlich hatte der Sechste Senat die steuerliche Absetzbarkeit krankheitsbedingter Ausgaben auch ohne amtsärztliches Attest sowie von Ausgaben für einen krankheitsbedingten Heimaufenthalt erleichtert. Zuvor hatte er in ebenfalls neuer Rechtsprechung die Absetzbarkeit zugelassen, wenn schwerkranke Menschen ohne schulmedizinische Behandlungsoptionen Hoffnung in einer noch nicht anerkannten Alternativmethode suchen.

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Quelle: n-tv.de

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