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Irreführung bei Instanttees : Foodwatch kritisiert Hipp

In der Werbung verbürgt sich Unternehmenschef Claus Hipp "mit seinem Namen" dafür, gesunde und kindgerechte Lebensmittel herzustellen. Die Verbraucherorganisation Foodwatch sieht das anders und bemängelt, dass sich umgerechnet zweieinhalb Stück Würfelzucker in einer Tasse Instanttee des Herstellers verbergen.

Darf es noch ein wenig mehr sein?
Darf es noch ein wenig mehr sein?

Die Organisation Foodwatch hat dem Unternehmen Hipp Irreführung bei der Vermarktung von Instanttees vorgeworfen. Hipp bewerbe die Tees als Durstlöscher für Kinder ab dem zwölften Lebensmonat und stelle sie auf eine Stufe mit Mineralwasser, kritisierte Foodwatch am Mittwoch. Tatsächlich enthalte eine Tasse fertigen Tees aber umgerechnet rund zweieinhalb Stück Würfelzucker, weil er aus mit Teeextrakt versetztem Zuckergranulat bestehe.

Als Durstlöscher für Kinder empfehlen Experten vor allem Wasser, als Alternative ungesüßte Tees oder stark verdünne Saftschorlen. Der vom Bundesernährungsministerium geförderte aid Infodienst stufe die Instanttees als Süßigkeit ein, die nur selten und in geringen Mengen verzehrt werden sollten, warnte Foodwatch. "Gezuckerte Tees sind so überflüssig wie ein fünftes Rad am Kinderwagen", erklärte Anne Markwardt von der Verbraucherorganisation.

Je nach Geschmacksrichtung - "Früchte", "Waldfrüchte" oder "Apfel-Melisse" - bestehe das reine, noch nicht mit Wasser vermischte Granulat zu 94 bis 96 Prozent aus verschiedenen Zuckerarten. Dies gehe auch aus den Nährwertangaben auf den Teepackungen hervor. Würden die Angaben des Herstellers zur Zubereitung befolgt, enthielten 200 Milliliter Tee 7,6 Gramm Zucker.

Instanttees auf Zuckergranulat-Basis

In der Werbung verbürge sich Unternehmenschef Claus Hipp "mit seinem Namen" dafür, "gesunde" und "kindgerechte" Lebensmittel herzustellen, und bekenne sich zur "großen Verantwortung" als Hersteller von Babynahrung. Die Instanttees auf Zuckergranulat-Basis bezeichne Hipp als "erfrischende und aromatische Durstlöscher", die schon ab dem zwölften Lebensmonat getrunken werden könnten, kritisierte Foodwatch. Bis vor kurzem seien sie sogar schon ab dem achten Lebensmonat empfohlen worden.

Hipps Werbestrategie stehe nicht nur im Gegensatz zu allen gängigen Empfehlungen für Kinderernährung, sie passe auch "ganz und gar nicht zu den so offensiv vorgetragenen Verantwortungsbekundungen des Unternehmenschefs", kritisierte Markwardt. Schließlich genieße das Unternehmen bei vielen Eltern eine hohe Glaubwürdigkeit.

Als Reaktion auf die Kritik von Foodwatch erklärte Hipp, in Zukunft auf den Begriff "Durstlöscher" bei Instanttees für Kinder ab dem zwölften Monat verzichten zu wollen, da er möglicherweise vom Verbraucher falsch verstanden werde. Es sei nicht die Absicht des Unternehmens, Verbraucher irrezuführen.

Zuvor hatte Hipp bereits darauf hingewiesen, dass es für das Flaschenalter, also für das erste Lebensjahr, nur zahnschonende Tees ohne Zuckerzusatz anbiete. In dieser Zeit sei das Risiko von Zahnschäden durch Dauernuckeln hoch. Instanttees würden dagegen erst ab dem Kleinkindalter angeboten, "wenn Getränke aus der Tasse getrunken werden und das Risiko für Dauernuckeln entsprechend niedrig ist". Im Vergleich zu Saftschorlen hätten die Tees sogar einen geringeren Zuckergehalt, erklärte Hipp.

Foodwatch startete am Mittwoch im Internet eine Beschwerdeaktion. Die Organisation wendet sich mit ihrer Kampagne abgespeist.de gegen irreführende Werbepraktiken von Lebensmittel-Herstellern. Dazu stellt die Organisation auf ihrer Internetseite regelmäßig Produkte vor, die ihrer Ansicht nach nicht das halten, was sie versprechen.

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Quelle: n-tv.de

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