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Rente ab 63?: Früher Ausstieg wird teurer

2007 wurde die Rente mit 67 beschlossen, in diesem Jahr geht es los: Wer sich eigentlich zum 65. Geburtstag in den Ruhestand verabschieden wollte, muss noch einen Monat länger durchhalten. Alle Jahrgänge ab 1964 müssen bis 67 arbeiten - zumindest regulär. Nach wie vor gibt es die Möglichkeit, früher in Rente zu gehen. Das wird jetzt allerdings teurer.

In körperlich anstrengenden Berufen halten nur Wenige bis 65 durch. Freiberufler wie Ärzte und Apotheker arbeiten dagegen meist auch noch jenseits der 65.
In körperlich anstrengenden Berufen halten nur Wenige bis 65 durch. Freiberufler wie Ärzte und Apotheker arbeiten dagegen meist auch noch jenseits der 65.(Foto: picture alliance / dpa)

Mit 65 Jahren hat sich der Mensch den Ruhestand verdient. Das war zumindest in den letzten 100 Jahren so. Im Jahr 1911 wurde diese Altersgrenze in der Reichsversicherungsverordnung verankert. Damals lag die Lebenserwartung eines 65-Jährigen bei rund zehn Jahren. Heute hat ein Mann gleichen Alters statistisch noch über 17 Jahre zu leben, einer Frau bleiben fast 21 Jahre.

Das hat zur Folge, dass die Rentenversicherung immer mehr Rentner versorgen muss: Gut 17,6 Millionen Renten werden Monat für Monat ausgezahlt, 1992 waren es keine 12 Millionen. Das liegt auch daran, dass die Menschen immer früher in Rente gehen. Etwa jeder Zweite hängt den Beruf schon vor dem 65. Geburtstag an den Nagel. In körperlich anstrengenden Berufen halten die Wenigsten bis zum regulären Rentenalter durch.

Entsprechend kritisch sehen viele Deutsche die Einführung der Rente mit 67. Im "Deutschlandtrend", den Infratest dimap regelmäßig erstellt, fanden 74 Prozent der Befragten die längere Lebensarbeitszeit ungerecht, 55 Prozent forderten, das Gesetz rückgängig zu machen. Dazu wird es wohl nicht kommen. Ein Trost mag sein, dass nicht alle Arbeitnehmer gleichermaßen von der Neuregelung betroffen sind. Es gibt Übergangsfristen, Ausnahmeregeln – und letztlich auch weiterhin die Möglichkeit, sich mit Abschlägen früher aus dem Arbeitsleben zu verabschieden. Hier die Details:

Wann kann ich in Rente gehen?

Die Rente mit 67 gilt für alle, die ab 1964 geboren wurden. Für die älteren Jahrgänge wird die Altersgrenze schrittweise erhöht. Wer 1947 geboren wurde, muss einen Monat länger arbeiten, 1948 zwei Monate länger und so weiter. Für den Jahrgang 1958 beginnt die Rente am 66. Geburtstag. Danach wird das Eintrittsalter jedes Jahr in Zwei-Monatsschritten erhöht.

Gibt es Ausnahmen?

Ja, die "Altersrente für besonders langjährig Versicherte": Wer insgesamt 45 Jahre lang Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt hat, darf auf jeden Fall mit 65 in Rente gehen, unabhängig vom Geburtsjahr. Zeiten der Arbeitslosigkeit zählen nicht zu diesen 45 Jahren. Dafür können sich Mütter oder Väter Kindererziehungszeiten bis zum zehnten Lebensjahr anrechnen lassen.

Auch Schwerbehinderte müssen nicht bis 67 durchhalten. Bei Jahrgängen ab 1952 steigt die Regelaltersgrenze in den nächsten Jahren von 63 auf 65 Jahre.

Wie kann ich vorzeitig aussteigen?

Wie bisher können sich Arbeitnehmer mit 35 Beitragsjahren schon ab 63 Jahren in den Ruhestand verabschieden. Dafür müssen sie aber Abschläge in Kauf nehmen. Für jeden Monat, den man vor dem regulären Renteneintrittsalter ausscheidet, werden 0,3 Prozent von der Rente abgezogen. Wer eigentlich bis 67 arbeiten muss, aber schon mit 65 Jahren aussteigen will, verzichtet auf 7,2 Prozent Rente - lebenslang. Derzeit gehen Arbeitnehmer im Durchschnitt schon mit gut 63 Jahren in Rente. Künftig müssen sie dann mit 14,4 Prozent weniger auskommen.

Was, wenn ich nicht mehr arbeiten kann?

Wer weniger als drei bzw. sechs Stunden am Tag arbeiten kann - egal in welchem Beruf - hat Anspruch auf Erwerbsminderungsrente, die dann später in die Altersrente übergeht. Erwerbsminderungsrente wird aber erst ab dem 63. Geburtstag in voller Höhe gezahlt. Für jeden Monat, den man früher Rente bekommt, werden 0,3 Prozent abgezogen. Im Höchstfall sinkt die Rente um 10,8 Prozent. Diese Altersgrenze für die volle Rente steigt nun auf 65 Jahre.

Was ist mit Altersteilzeit?

Wer vor 1955 geboren wurde und bis Ende 2006 mit dem Arbeitgeber Altersteilzeit vereinbart hat, genießt Vertrauensschutz. Die einmal getroffenen Regelungen haben also Bestand.

Was habe ich von der Rente mit 67?

Wie lange muss ich arbeiten?

Jahrgang

Regelaltersgrenze

Abschlag für Rente mit 63

1947

65 Jahre + 1 Monat

7,2 %

1948

65 Jahre +2 Monate

7,2 %

1949

65 Jahre + 3 Monate

7,5 - 8,1 %

1950

65 Jahre + 4 Monate

8,4 %

1951

65 Jahre + 5 Monate

8,7 %

1952

65 Jahre + 6 Monate

9,0 %

1953

65 Jahre + 7 Monate

9,3 %

1954

65 Jahre + 8 Monate

9,6 %

1955

65 Jahre + 9 Monate

9,9 %

1956

65 Jahre + 10 Monate

10,2 %

1957

65 Jahre + 11 Monate

10,5 %

1958

66 Jahre

10,8 %

1959

66 Jahre + 2 Monate

11,4 %

1960

66 Jahre + 4 Monate

12,0 %

1961

66 Jahre + 6 Monate

12,6 %

1962

66 Jahre + 8 Monate

13,2 %

1963

66 Jahre + 10 Monate

13,8 %

ab 1964

67 Jahre

14,4 %

Mehr Geld - zumindest wenn man bis zum Schluss durchhält. Weil man länger in die Versicherung einzahlt, steigen die Renten. Ein Standardrentner mit Durchschnittseinkommen bekommt nach 45 Beitragsjahren heute rund 1236 Euro Rente heraus. Arbeitet er zwei Jahre länger, erhöht sich seine Rente im Westen um 56 Euro, im Osten um 48 Euro.

Quelle: n-tv.de

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