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Modeketten tauschen Altkleider : Gute Geschäfte mit altem Fummel

Wohin mit den alten Klamotten? Der Wettbewerb um Alttextilien ist voll entbrannt. Allein seit 2010 sind die Preise für ausrangierte Textilien um 80 Prozent nach oben gegangen. Gewerblichen Sammler machen karitativen Organisationen zu schaffen. Und jetzt tauschen auch noch Modeketten alte Kleider gegen Gutscheine auf Neueinkäufe.

Der Wettbewerb um Alttextilien ist voll entbrannt.
Der Wettbewerb um Alttextilien ist voll entbrannt.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Gut eine Million Tonnen alte Klamotten rangieren die Deutschen jedes Jahr aus. Gleichzeitig kaufen sie tonnenweise nach. Für den Einzelhandel ist dieses Verhalten ihrer Kunden bares Geld wert, ebenso für Betriebe, die mit Altkleidern handeln. Vertreter beider Branchen haben sich deshalb zusammengetan: In Modeläden geben Kunden Altkleider ab und bekommen dafür einen Gutschein. Das soll die Umwelt schonen, weil die alten Kleider statt im Müll im Recycling landen. Vor allem aber profitieren die beteiligten Unternehmen. Nun will auch die Modekette H&M mitmachen.

"Wir wollen einfach Müll reduzieren", sagt Anna-Kathrin Bünger von Hennes & Mauritz (H&M). Müll in Form von Alttextilien will die Modekette einsparen. Damit soll es ab Donnerstag so weit sein, ab dann können Kunden alte oder schadhafte Kleidungsstücke jeder Marke in 80 Filialen bringen - unter anderem in Hamburg, Köln, München, Berlin und Frankfurt am Main. Pro abgegebener Tüte gibt es einen Rabattgutschein über 15 Prozent auf einen Artikel.

Das Vorhaben der Modekette ist "paradox"

Es sei "ehrenwert", dass sich H&M Gedanken über Umweltschutz mache, meint Katrin Bodde von Greenpeace. Dennoch sei das Vorhaben der Modekette "paradox". "Das Geschäftsmodell von solchen Discountern besteht darin, möglichst viel zu verkaufen. Das wird es immer schwierig machen, die Umwelt zu entlasten", sagt Bodde. Und das gelte erst recht, wenn H&M für die abgegebenen Klamotten mittels Gutschein gleich wieder zum Kleiderkaufen animiere.

So aber funktioniert im Allgemeinen das System, das sich "I:CO" nennt und von der Schweizer Firma I:Collect initiiert wird. Die Ketten Adler und Reno etwa sind bereits seit 2009 mit dabei. Adler sammelte nach eigenen Angaben 2012 knapp 500 Tonnen alte Kleider. Bei Reno kämen 1,5 Kilo alte Schuhe pro Filiale und Tag zusammen, sagt Unternehmenssprecherin Anja Schmermund. Dafür "bezahlen" die Ketten ihre Kunden wiederum mit Rabatten: Für jedes abgegebene Paar Schuhe gewährt etwa Reno 50 Cent Nachlass pro zehn Euro Einkaufswert.

Gut fürs Image und den Umsatz 

Für die Einzelhändler zahlt sich das System so doppelt aus: "Es ist gut fürs Image und durch den Rabatt heizen sie den Einkauf wieder an", fasst Bodde zusammen. Und auch der Verwerter profitiert, denn für ihn bedeutet die Zusammenarbeit mit den Läden eine einfache Möglichkeit, an die begehrten Altkleider zu kommen.

Der Wettbewerb um Alttextilien ist nämlich voll entbrannt. Allein seit 2010 sind dem Branchendienst Euwid zufolge die Preise für ausrangierte Textilien um 80 Prozent nach oben gegangen. Gut 45 Cent zahlten Sortierbetriebe zuletzt für ein Kilo alte Klamotten. Die größten Gewinne machen die Händler mit den Kleidern, die noch aufgetragen werden können: Ein Großteil davon wird ins Ausland exportiert, nur ein sehr kleiner Teil landet im Inland in Second-Hand-Läden oder Kleiderkammern. Der Rest wird verwertet, etwa zu Putzlappen oder Dämmstoffen. Unbrauchbares wird verbrannt.

I:Collect arbeitet mittlerweile mit 34 Partnern weltweit über sein "I:CO"-Programm zusammen. "Mit weiteren 30 Unternehmen sind wir in sehr engem Kontakt oder in Pilotphasen", teilt der Konzern mit. In Deutschland habe er bereits etwa 1000 Sammelstellen unterbringen können.

Die gewerblichen Sammler wie I:Collect machen jedoch den karitativen Organisationen zu schaffen. "Es gibt in diesem Bereich ganz viel Konkurrenz", sagt Stephanie Krone vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). "Wir beobachten diese Entwicklung mit Sorge, weil das uns die Mengen wegnimmt", sagt sie. Für soziale Organisationen sind Altkleidersammlungen eine wichtige Einnahmequelle. Das DRK erlöste damit 2011 rund 12 Millionen Euro. Das Geld gehe vor allem an solche DRK-Aufgaben, "in denen keine Refinanzierung möglich ist", etwa dem Jugendrotkreuz oder den Einsätzen in Krisengebieten.

Die Modeläden zumindest versprechen, mit den Einnahmen aus den Altkleidern auch Gutes zu tun und soziale Projekte zu unterstützen. H&M will zudem einen Teil des Geldes in die Forschung geben. Deren Ziel sei es herauszufinden, wie aus kurzen Stofffasern wieder lange werden, und damit aus alten Kleidern wieder neue.

Quelle: n-tv.de

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