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Viele Elektrogeräte sind in den letzten Jahren billiger geworden. Dafür halten sie auch nicht mehr so lange.
Viele Elektrogeräte sind in den letzten Jahren billiger geworden. Dafür halten sie auch nicht mehr so lange.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Studie zur "geplanten Veraltung": Heute neu, morgen Schrott

Wie verkauft man neue Dinge an Menschen, die schon alles haben? Indem man dafür sorgt, dass die alten Dinge schnell kaputt gehen und sich auch nicht mehr reparieren lassen. Eine Studie im Auftrag der Grünen nennt die Varianten geplanter Veraltung.

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Es gibt Drucker, die den Dienst verweigern, wenn eine vorher festgelegte Seitenanzahl erreicht ist. Fernseher, die sich kurz nach Ablauf der Gewährleistungszeit nicht mehr anschalten lassen. Smartphones, die man komplett wegwerfen kann, wenn der Akku schwächelt. Oder Notebooks, deren Lüftungssystem so konstruiert ist, dass eine regelmäßige Wartung ein Ding der Unmöglichkeit ist. "Geplante Obsoleszenz" nennt man dieses Phänomen, bei dem Hersteller Schwachstellen einbauen oder zumindest billigend in Kauf nehmen, um die Haltbarkeit ihrer Produkte zu verringern. Die Grünen-Bundestagsfraktion hat nun ein Gutachten zum Thema erstellen lassen, in dem zahlreiche Beispiele geplanter Veraltung aufgeführt sind.

Eingebaute Sollbruchstellen

Dabei haben die Studienautoren mehrere Vorgehensweisen identifiziert. Eine davon ist die bauteilbezogene Methode. Oft reicht es schon, wenn eine Kleinigkeit kaputtgeht, um ein Gerät komplett unbrauchbar zu machen. Also sparen manche Hersteller an einzelnen Teilen, die dann vorzeitig verschleißen. Bei Elektrogeräten sind das oft unterdimensionierte Elektrolytkondensatoren (Elkos), die unter anderem in Computern, Fernsehern oder Receivern zum Einsatz kommen. Kondensatoren, die ein paar Jahre länger halten, kosten kaum einen Cent mehr – dennoch bevorzugten manche Hersteller nachweislich die kurzlebige Variante, so die Gutachter. Als weitere Beispiele nennen sie minderwertige Kunststoffzahnräder in Handmixern, Billig-Reißverschlüsse in Kleidung oder anfällige Kugellager und Heizstäbe in Waschmaschinen.

Austausch unmöglich

Bei Waschmaschinen ist die Schwachstelle oft die Schmelzsicherung der Heizstäbe.
Bei Waschmaschinen ist die Schwachstelle oft die Schmelzsicherung der Heizstäbe.(Foto: picture alliance / dpa)

Manchmal weiß man schon, wo der Fehler sitzt – kann aber trotzdem nichts machen, weil das entsprechende Gerät so konstruiert ist, dass ein Austausch des defekten Teils unmöglich ist. Man kennt das von Elektroartikeln mit fest verbautem Akku. Wandert die elektrische Zahnbürste auf den Müll, weil sich die erschöpfte Batterie nicht auswechseln lässt, mag das finanziell noch zu verschmerzen sein. Bei einem teuren Smartphone ist ein fest verbauter Akku aber ein echtes Ärgernis.

Auch mit fest verklebten Gehäusen und Komponenten verhindern Hersteller einfache Reparaturen. Hardwarekomponenten von Apples Mac Book Pro etwa lassen sich fast gar nicht austauschen, weil sie entweder miteinander verklebt oder verlötet oder zumindest schwer zu erreichen sind. Ein anderes Beispiel sind Leuchtsysteme in Autos, bei denen die ganze Anlage getauscht werden muss, wenn eine Lampe den Geist aufgibt.

Fest eingeplante Hindernisse

Auch mit technischen Restriktionen können Hersteller dafür sorgen, dass Nutzer irgendwann Schwierigkeiten mit ihren Geräten bekommen. Das bekommt man etwa dann zu spüren, wenn man ein iPhone reparieren lassen möchte. Das geht nicht beim Handy-Schrauber um die Ecke, sondern nur in der Apple-Werkstatt. Denn nur dort besitzt man die entsprechenden Schlüssel, um das Gerät überhaupt zu öffnen.

Fast schon legendär sind die Drucker mit eingebauten Seitenzählern, die nach einer bestimmten Anzahl von Ausdrucken automatisch nach neuen Patronen verlangen oder Wartungsbedarf anmelden – egal, ob nötig oder nicht. Setzt man die Zähler mit entsprechenden Computerprogrammen zurück, funktioniert wieder alles einwandfrei.

Nicht nur Reparaturmöglichkeiten werden von Herstellerseite eingeschränkt, auch die Wartung gestalten einige Anbieter schwierig. Das gilt etwa für die Reinigung von Notebook-Lüftern. Früher sendete der Rechner Warnhinweise, wenn der Lüfter gesäubert werden sollte. Heute seien die Lüfter teils so verbaut, dass eine Reinigung kaum möglich sei, heißt es in dem Gutachten. Zudem trauten sich viele Nutzer nicht, das Gehäuse zu öffnen, weil sie den Garantieverlust fürchteten.

Lachnummer Kundendienst

Die Nutzungsdauer lasse sich aber nicht nur über die Geräte selbst beeinflussen, sondern auch durch Kundendienst und Gewährleistungseinschränkungen, stellen die Autoren der Studie fest. So würde teils wider besseres Wissen behauptet, ein Gerät lasse sich überhaupt nicht oder nur sehr teuer reparieren. Auf Nachfrage erhielten Kunden teils pauschalisierte Kostenvoranschläge, ohne dass der Schaden überhaupt vorher begutachtet worden wäre. Bekannt sei etwa ein Fall, bei dem für die Reparatur eines DVD-Rekorders 160 Euro veranschlagt worden seien, dabei hatte sich niemand die Mühe gemacht, das Gerät überhaupt aus der Verpackung zu nehmen. Der Kunde verzichtete auf die Reparatur und tauschte die durchgebrannte Sicherung dann selber aus, Kostenpunkt 70 Cent. Doch nicht immer lassen sich Fehler so einfach beheben, oft scheitert eine Reparatur an den Ersatzteilen, stellen die Gutachter fest. Diese Austauschteile würden teils zu Wucherpreisen verkauft, teils seien sie gar nicht verfügbar.

Mehr Gewährleistung nötig?

Einer der Gründe für die Zunahme an geplantem Verschleiß sei die "starke Gewinnorientierung" der Hersteller und deren Ausrichtung auf den Kapitalmarkt, heißt es in der Studie. Je größer Unternehmen und Kapitalmarktorientierung seien, desto stärker sei "die Anfälligkeit des Managements", geplanten Verschleiß einzubauen. Auch die Sättigung vieler Märkte habe die Entwicklung zu eingebautem Verschleiß begünstigt.

Wer langlebige Produkte kaufen will, kann sich dabei nur bedingt auf Produktvergleiche und Kundenbewertungen im Internet verlassen. Schließlich bilden die Erfahrungsberichte nur selten einen Zeitraum über mehrere Jahre ab. Die Grünen sehen die Politik in der Pflicht und fordern schärfere Vorschriften für die Hersteller von Elektrogeräten. Erforderlich seien "klare Vorgaben für die Reparierbarkeit und Austauschbarkeit von Einzelteilen", so die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Nicole Maisch. Beim Gewährleistungsrecht sei zu überlegen, ob Hersteller die Benutzbarkeit für länger als die bisherigen zwei Jahre garantieren müssten. Studien-Autor Stefan Schridde rät Kunden, sich schriftlich bestätigen zu lassen, dass Ersatzteile mindestens noch fünf Jahre zu haben sind.

Quelle: n-tv.de

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