Ratgeber

Private Krankenversicherung: Hier wird es teurer

Von Isabell Noé

Die Kosten im Gesundheitswesen explodieren und an den Kapitalmärkten wird es zunehmend schwerer, Renditen zu erwirtschaften. Auch 2013 werden Private Krankenversicherer deshalb an der Preisschraube drehen müssen. Wenn nicht die Prämien steigen, dann vielleicht die Selbstbeteiligung. Manche Tarife werden aber sogar billiger.

Für die Erhöhung von Versicherungsbeiträgen haben immer weniger Kunden Verständnis.
Für die Erhöhung von Versicherungsbeiträgen haben immer weniger Kunden Verständnis.(Foto: Ronny Richert, pixelio.de)

Viele Privatversicherte müssen seit dem Jahreswechsel für ihre Policen tiefer in die Tasche greifen. Über 140 Kunden beschwerten sich damals bei den Verbraucherzentralen, weil sie im Schnitt um fast 24 Prozent höhere Prämien zahlen sollten. "Unsere Befürchtungen wurden weit übertroffen", bilanzierte im März  dieses Jahres Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Nun wird allmählich klar, auf welche Erhöhungen sich Versicherte im kommenden Jahr einstellen müssen. Mehrere Versicherer haben inzwischen ihre Kennzahlen veröffentlicht – und die lassen zumindest hoffen, dass die Versicherten diesmal glimpflicher davonkommen, meldet der Branchendienst Versicherungsjournal.   

So etwa bei der Central Krankenversicherung, deren Kunden Anfang des Jahres mit Preiserhöhungen von teilweise mehr als 30 Prozent besonders arg gebeutelt waren. 2013 sollen die Prämien moderater steigen, Bestandstarife sollen höchstens fünf Prozent teurer werden, Einsteigertarife bis zu neun Prozent. Viele Central-Kunden werden aber doch noch tiefer in die Tasche greifen müssen, denn die Versicherung setzt vielerorts auch die Selbstbeteiligungen um bis zu 150 Euro herauf. Das ist grundsätzlich möglich, auch wenn sich der Versicherte extra für einen Tarif mit niedrigem Selbstbehalt entschieden hat, betont der Versicherungsmakler Sven Hennig in seinem Blog. Wenn der Selbstbehalt nicht schon am Anfang vereinbart wurde, darf ihn die Versicherung aber nicht nachträglich einführen.

Für Frauen kann es günstiger werden

Teurer könnte es auch für einige Kunden der Gothaer Krankenversicherung werden. Schon für 2012 setzte die Versicherung die Prämien teils deutlich herauf. Nun müssen sich Männer in den Tarifen MediVita Z 70 und Z 90 auf Steigerungen weit über 20 Prozent einstellen. In den übrigen Tarifen fallen die Erhöhungen aber mit höchstens sechs Prozent moderater aus. Die Hallesche Krankenversicherung plant nach Informationen von Hennig in den Männertarifen Anpassungen von 4 bis 12 Prozent. Die gelten allerdings nur für das Neugeschäft. Frauen kommen demnach zum Teil sogar etwas günstiger weg. Die 65-prozentige Erhöhung im Kindertarif NK4 wirkt auf den ersten Blick drastisch, erklärt sich aber durch den niedrigen Ausgangswert. Am Ende müssten Eltern für ihre Kinder rund 16 Euro mehr zahlen, so die Hallesche.

Viele Versicherer halten sich mit Ankündigungen zu Beitragserhöhungen noch zurück. Einige haben aber auch schon bekanntgegeben, welche Tarife im kommenden Jahr verschont bleiben sollen. Beitragsgarantien bis zum 1.Januar 2014 für bestimmte Tarife geben bislang etwa der Deutsche Ring, Barmenia, die Continentale und die Axa. Auch die Allianz hat schon durchblicken lassen, wo Kunden im nächsten Jahr vermutlich nichts zu befürchten haben.

Nicht alle Kunden wollen mitmachen

Neben den allgemeinen Preissteigerungen im Gesundheitswesen und einer zunehmenden Zahl von Zahlungsverweigerern  sind es vor allem die schwierigen Bedingungen auf den Kapitalmärkten, die zu Prämienerhöhungen führen. Doch das ist den Kunden zunehmend schwerer zu vermitteln. Das zeigt die sogenannte Kubus-Studie, die das Beratungsunternehmen MSR Consulting alljährlich durchführt. Darin äußern nur noch 61 Prozent der Befragten Verständnis für die Beitragsanpassungen. Zwei Jahre zuvor konnten noch 73 Prozent der Studienteilnehmer diesen Schritt verstehen. Für die Versicherer werde es vor diesem Hintergrund zunehmend schwerer, Kunden zu halten, warnen die Studienautoren.       

Für langjährig Versicherte ist der Wechsel zu einem anderen Anbieter aber ohnehin schwer möglich, weil Altersrückstellungen erst bei Neuverträgen ab 2009 mitgenommen werden können. Wird die Versicherung zu teuer, ist die Lösung normalerweise ein höherer Selbstbehalt oder die Streichung von Leistungen. Ein Übertritt in die gesetzliche Krankenversicherung ist nur selten machbar. Für Selbständige kommt er nur in Frage, wenn sie eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abgeschlossen haben und ein Jahr lang arbeitslos gemeldet waren. Angestellte haben es etwas leichter, sie müssen mindestens ein Jahr lang weniger als 50.850 Euro verdient haben. Sowohl für Angestellte als auch für Selbständige gilt jedoch die Obergrenze von 54 Jahren. Nach dem 55. Geburtstag ist kein Wechsel mehr möglich.   

Wechselwillig? Angebote zur Privaten Krankenversicherung

Quelle: n-tv.de

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