Ratgeber

Verschleppte Jahresrechnungen: Hitstrom und Co. machen Ärger

von Isabell Noé

Hitenergie, Prioenergie oder Extraenergie - hinter diesen Namen steckt ein und dieselbe Firma, und die macht vielen derzeit mächtig Ärger: Bis zu 18.000 Kunden warten auf die Jahresrechnung ihres Energieversorgers, teils schon seit Monaten. In einschlägigen Foren machen vor allem diejenigen ihrem Ärger Luft, die mit Rückzahlungen rechnen.

Bei Extrastrom sieht man die vielen Beschwerden relativ: Immerhin gebe es 700.000 laufende Kundenverträge, gemessen daran sei die Beschwerdezahl noch gering.
Bei Extrastrom sieht man die vielen Beschwerden relativ: Immerhin gebe es 700.000 laufende Kundenverträge, gemessen daran sei die Beschwerdezahl noch gering.(Foto: picture alliance / dpa)

Den Stromanbieter zu wechseln ist ein Kinderspiel. Vergleichsrechner im Internet liefern die günstigsten Tarife und die Kündigung übernimmt der neue Anbieter. Ob der allerdings eine gute Wahl war, das merkt man meist erst hinterher. Etwa dann, wenn man monatelang auf die Abrechnung wartet, so wie aktuell bis zu 18.000 Kunden von ExtraEnergie. Wer Strom- oder Gaspreise vergleicht, kommt um den Energieversorger aus Neuss nicht herum. In den Ergebnislisten taucht er meist gleich mehrfach auf: Auch hinter Namen wie Hitstrom und Hitgas sowie Priostrom und Priogas, die man meist weit oben im Preisranking findet, verbirgt sich Extraenergie als Dachmarke. Die wiederum ist eine Tochter der Kapital-Beteiligungsgesellschaft Glotec Ventures.

Auch in Online-Beschwerdeforen begegnet man dem Anbieter in letzter Zeit öfter: Kunden beklagen sich über ausstehende Schlussrechnungen, manche warten schon seit Monaten. Die meisten von ihnen rechnen mit Rückzahlungen, denn die Boni, die bei Neuabschluss versprochen werden, werden erst in der Jahresrechnung gutgeschrieben. Wer nicht deutlich mehr verbraucht hat als ursprünglich angegeben, könnte also ein paar Euro extra erwarten.

Abschlag höher als nötig

Und es gibt noch einen weiteren Grund, über die ausbleibende Schlussrechnung verärgert zu sein: Solange der Verbrauch der letzten zwölf Monate nicht festgestellt ist, werden die Abschlagszahlungen auch nicht angepasst. Wer bislang mehr bezahlt hat als nötig, tut das also auch weiterhin. Das dürfte bei nicht Wenigen der Fall sein, denn gerade Discounter mit Vorauszahlungstarifen setzten die Verbrauchsmengen oft etwas höher an, hört man aus der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Notfalls wird den Kunden am Telefon oder per E-Mail ein höherer Abschlag als der ursprünglich Vereinbarte vorgeschlagen", berichtet die Energieexpertin Gerhild Löhr. Das bewahrt die Kunden vielleicht vor teuren Nachzahlungen, doch wenn die Abrechnung nicht kommt, bereut so mancher die Vorleistung.

"Um seine Abrechnung muss man regelrecht betteln", beschwert sich ein Nutzer im Kundenforum des Vergleichsportals Verivox über HitGas. Andere werden noch deutlicher, sprechen von "dubiosen Geschäftspraktiken" und raten schlicht "Finger weg". Dass der Vorwurf der verzögerten Abrechnung nicht aus der Luft gegriffen ist, bestätigt auch ExtraEnergie selbst. Gegenüber dem WDR räumt der Betriebsleiter von ExtraEnergie Moti Ben-Moshe ein, derzeit seien 15.000 bis 18.000 Kunden "im Rückstau der manuellen Überprüfung" und warteten deshalb auf ihre Abrechnung. Begründet wird das mit mangelnden Verbrauchsdaten: Bei den Zählerständen müsse man auf die Daten der Netzbetreiber zurückgreifen, diese lieferten aber oft andere Werte als die Verbraucher selbst.

Fragwürdige Begründung

Für Verbraucherschützerin Löhr ist das kein plausibler Grund: "Wenn Verbraucher ihre Zählerstände selbst melden, dann brauchen sie nicht mehr mit den Netzbetreiberdaten abgeglichen werden." Grundsätzlich muss der Versorger die Jahresrechnung "unverzüglich" erstellen, ein genauer Zeitraum ist allerdings nicht vorgegeben. Löhr hält eine Frist von vier Wochen für angebracht: "Nach sechs Wochen beginnt unserer Ansicht nach der Verzug." Ab diesem Zeitpunkt könnte der Kunde theoretisch auch Schadensersatz einklagen – vorausgesetzt, er kann überhaupt eine Rückzahlung erwarten. Praktisch dürfte sich Schadenersatz aber nur schwer durchsetzen lassen.

Wer seine Verbrauchswerte kennt, sollte sich sein Guthaben zunächst selbst ausrechnen und dann dem Anbieter schriftlich eine Frist zur Rückerstattung setzen. Danach kann man einen Mahnbescheid erwirken, was allerdings wiederum mit Kosten verbunden ist. Löhr rät Kunden, die ihre Schlussrechnung erfolglos angemahnt haben, zunächst die Einzugsermächtigung zu widerrufen und bei den Überweisungen das eigene Guthaben zu verrechnen. Auch eine Beschwerde bei der neu geschaffenen Schlichtungsstelle Energie könnte weiterbringen.

Vielleicht ist das auch gar nicht nötig: Man arbeite "mit Hochdruck" daran, die Sache wieder in Ordnung zu bringen, versprach Extraenergie-Vertriebsleister Slaven Grizelj im WDR: "Alle Fälle werden jetzt abgearbeitet und sollten Mitte April behoben sein." Dafür habe man eigens 22 Mitarbeiter abgestellt. Ob die in den nächsten zwei Wochen mit tausenden Fällen fertig werden, wird sich zeigen.

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Quelle: n-tv.de

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