Ratgeber

Alternativkultur der Anlageberatung?: Honorarberatung wird gestärkt

Die Bundesregierung legt ein Konzept vor, mit der die Honorarberatung in Deutschland geregelt werden soll und kommt damit Verbraucherschützern entgegen, die eine Alternative zur Provisionsberatung fordern.

Egal ob bei der Bank oder einem Honorarberater - Finanzberatung ist nicht umsonst.
Egal ob bei der Bank oder einem Honorarberater - Finanzberatung ist nicht umsonst.

Die Bundesregierung will bei der Geldanlage die Rolle von unabhängigen Finanzberatern stärken, die auf Honorar- und nicht auf Provisionsbasis arbeiten. Das Bundeskabinett beschloss dazu am Mittwoch einen Gesetzentwurf, der die Einführung der geschützten Bezeichnung des "Honorar-Anlageberaters" vorsieht. Diese werden von den Kunden bezahlt, dürfen aber keine Provisionen von Produktanbietern oder Dritten für sich behalten.

Damit werde der "Einstieg in eine Alternativkultur der Anlageberatung" geschaffen, erklärte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU). Interessenkonflikte würden weitgehend vermieden. "Der Honorarberater wird nicht von Umsatzzielen oder Provisionszahlungen beeinflusst, sondern kann sich voll und ganz auf die Bedürfnisse des Kunden konzentrieren", zeigte sich Aigner überzeugt.

Die Erfahrung habe gezeigt, dass provisionsbasierte Beratung Fehlanreize setzen könne, erklärte das Bundesfinanzministerium. "Anleger wurden oftmals schlecht beraten und Risiken bestimmter Produkte verschleiert", kritisierte das Ministerium. Das Gesetz stärke nun die unabhängige Honorarberatung. Für die Verbraucher werde transparenter, ob die Leistung durch Provisionen des Produktanbieters oder durch das Honorar des Kunden vergütet werde.

Nur 1500 Honorarberater

"Wir haben jetzt die Grundlage gelegt, aber die Entscheidung liegt letztlich beim Verbraucher selbst", erklärte Aigner. Am Ende würden die Kunden und der Markt entscheiden, "welche Kultur in der Anlageberatung sich durchsetzen wird". Wichtig sei, dass der Verbraucher vor jedem Beratungsgespräch wisse, mit wem er es zu tun habe. In Deutschland gibt es derzeit nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert schätzungsweise 300.000 Provisionsberater, aber nur 1500 Honorarberater.

Die SPD kritisierte den Gesetzentwurf der Bundesregierung. Das Gesetz sei eine "einzige Enttäuschung", erklärte der SPD-Finanzexperte Carsten Sieling. Werde dieser Entwurf Realität, werde die Honorarberatung auch künftig "ein Nischendasein" fristen müssen. Die Bundesregierung schaffe "durch Wortakrobatik neue Intransparenz". Statt eindeutig zwischen Honorarberatung und provisionsbasierter Vermittlung zu trennen, seien mit dem Gesetzentwurf "neue Fehlanreize bei der Beratung vorprogrammiert".

Auch Verbraucherschützer übten Kritik. Der Entwurf gehe nicht weit genug, erklärte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Denn die Gesetzesinitiative beschränke sich auf die provisionsfreie Honorarberatung zu Wertpapieren und Vermögensanlagen. "Eine gute Beratung kann nur dann funktionieren, wenn sie alle Finanzprodukte umfasst", erklärte vzbv-Vorstand Gerd Billen. Die gesetzlichen Regeln müssten daher auch die Beratung zu Bausparverträgen, Versicherungen, Krediten und Sparprodukten umfassen.  „Wir fordern ein Gesetz, das den Berufsstand des Honorarberaters klar definiert. Ein Honorarberater, der Verbrauchern hilft, muss alle Finanzprodukte im Blick haben“, so  die Verbraucherschützer.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen