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Bei Schallzahnbürsten wird der Bürstenkopf durch einen Schallwandler bewegt - mit bis zu 31.000 Bewegungen in der Minute.
Bei Schallzahnbürsten wird der Bürstenkopf durch einen Schallwandler bewegt - mit bis zu 31.000 Bewegungen in der Minute.(Foto: picture alliance / dpa)

Von der Hand- zur Schallzahnbürste: Ich putze jetzt elektrisch

Von Markus Lippold

Zahnärzte empfehlen elektrische Zahnbürsten. Viele Patienten zögern. Welche Vorteile haben etwa Schallzahnbürsten - und welche Nachteile? Die Zeiten des gemütlichen Hin- und Herschiebens der Bürste sind zumindest vorbei.

Es ist schon Routine geworden: Der jährliche Zahnarztbesuch umfasst mittlerweile nicht nur die Suche nach Löchern oder die Beseitigung von Plaque und Verfärbungen, sondern auch Empfehlungen: für Zahnseide, Spezialpasten und vor allem für eine elektrische Zahnbürste. Die meisten Patienten werden die mitgegebenen Broschüren kurz überfliegen und dann wegschmeißen - wenn man sich gut die Zähne putzt, reicht ja oft auch die Handzahnbürste. Manche liebäugeln aber mit dem Gedanken, umzusteigen. So wie ich.

Rotationszahnbürsten funktionieren etwas anders als Schallzahnbürsten.
Rotationszahnbürsten funktionieren etwas anders als Schallzahnbürsten.(Foto: picture alliance / dpa)

Ein paar Jahre hat die Überlegung dann allerdings gedauert, bevor ich mich nun zum Kauf entschloss. Was allerdings leichter gesagt war als getan. Denn wie so oft hat man die Qual der Wahl: Es gibt nicht nur verschiedene Technologien, sondern auch mehrere Marken und etliche Ausführungen mit unterschiedlichen Funktionen, die aber nicht immer notwendig sind. Es lohnt sich, vor dem Kauf ausgiebig verschiedene Modelle und Preise zu vergleichen sowie Kundenrezensionen zu lesen. Oder man setzt auf Tests wie den gerade erschienenen Bericht von Stiftung Warentest. Immerhin soll das Gerät ja nicht nur gut putzen, sondern auch eine Weile halten. Außerdem dürften Familien ein anderes Modell wählen als Singles, Anfänger eine einfachere Ausführung als erfahrene Nutzer von elektrischen Zahnbürsten.

31.000 Bewegungen in der Minute

Am Ende fiel die Entscheidung auf eine Schallzahnbürste von Philips. Genau wie Rotationsgeräte haben sie Bürsten, aber der Antrieb durch einen Schallwandler ist noch einmal wesentlich schneller als der durch einen oszillierenden Motor. "Mehr Power", würde Tim Allen aus "Hör mal, wer da hämmert" jetzt sagen. Und mehr Reinigungsleistung, eine bessere Entfernung von Plaque und weißere Zähne - verspricht der Hersteller mit Verweis auf wissenschaftliche Studien.

Einige Modelle von Oral-B kann man per Bluetooth mit einer Smarthphone-App verbinden, die etwa die Putzzeit anzeigt. Bluetooth hat aber nichts mit Zähneputzen zu tun, sondern ist nach Wikingerkönig Harald Blauzahn benannt.
Einige Modelle von Oral-B kann man per Bluetooth mit einer Smarthphone-App verbinden, die etwa die Putzzeit anzeigt. Bluetooth hat aber nichts mit Zähneputzen zu tun, sondern ist nach Wikingerkönig Harald Blauzahn benannt.(Foto: picture alliance / dpa)

Gekauft, ausgepackt, gestaunt - das Übliche bei neuen technischen Spielzeugen. Als Neuling auf dem Gebiet der elektrischen Zahnbürsten war ich natürlich gespannt, wie sich das denn nun anfühlt. Um es kurz zu sagen: zunächst mal ungewöhnlich. Das liegt vor allem daran, dass statt der gemütlichen Handzahnbürste plötzlich ein Bürstenkopf mit bis zu 31.000 Bewegungen in der Minute im Mund vibriert. Beim ersten Versuch spürte ich das auch noch Minuten nach dem Putzen.

Die Umstellung vom "Handbetrieb" ist zwar nicht gewaltig, aber doch spürbar. Und man sollte schon ein paar Wochen einrechnen, bis man mit dem neuen Gerät umzugehen weiß. Bei falscher Handhabung kann der vibrierende Bürstenkopf aus Plastik etwa unangenehm gegen die Zähne schlagen. Man muss also erstmal probieren, wie man Mund und Hand am geschicktesten bewegt, um auch schwerer zu erreichende Innenflächen oder die Weisheitszähne problemlos zu erreichen.

Stärkerer Speichelfluss

Gleichzeitig sollte man den Mund möglichst geschlossen halten. Erstens weil die schnellen Bürstenbewegungen dafür sorgen, dass sich die Zahnpasta sonst gleichmäßig im Bad verteilt. Zweitens weil die Vibrationen auch den Speichelfluss verstärken, was anfangs ebenfalls ungewohnt ist. Aber das hilft bei der Reinigung der Zahnzwischenräume, weil die Zahnpasta besser fließen kann. Außerdem erleichtert es das Ausspülen.

Hat man sich an die neuen Bewegungen gewöhnt, geht es gut voran. Man muss schließlich weniger tun, der Bürstenkopf erledigt ja die Arbeit: Man bewegt ihn lediglich langsam von Zahn zu Zahn. Einige Modelle verfügen über eine Andruckkontrolle, die ein Signal gibt, wenn man zu fest auf die Zähne drückt. Andere bieten einen Timer an, der nach 30 Sekunden darauf hinweist, sich nun einem anderen Abschnitt des Gebisses zu widmen. Was praktisch klingt, stört in der Praxis eher. Schließlich spürt man selbst am besten, wann man fertig ist und die Zähne sauber sind.

Praktisch wäre auch eine Art Pause-Knopf. Anders als bei Handzahnbürsten kann man das Zähneputzen nicht mal kurz unterbrechen, um etwa auszuspucken. Beendet man das Programm, geht es beim Anschalten vielmehr von vorne los. Auch der Wechsel des Programms während des Zähneputzens ist beim verwendeten Modell etwas umständlich.

Akku und Bürsten

Noch zwei weitere Aspekte sollte man beim Kauf einer elektrischen Zahnbürste einrechnen: Erstens den Verschleiß. Die Geräte können kaputt gehen. Und die Leistung der Batterie (mittlerweile meist ein Lithium-Ionen-Akku) nimmt mit der Zeit ab. Aus Sicherheitsgründen ist der Akku fest verbaut: Ist er hinüber, ist das gesamte Gerät unbrauchbar. Sinnvoll wäre es, würden die Hersteller auch nach Ablauf der Garantie einen kostengünstigen Tausch anbieten. Alles andere ist nicht nachhaltig. Zweitens sollte man etwa alle drei Monate den Bürstenkopf wechseln. Der ist aber teurer als eine Handzahnbürste - bei einer mehrköpfigen Familie ist das nicht wenig Geld. Günstiger sind kompatible Aufsätze von Billig-Anbietern.

Nach der Kritik nun aber der positive Aspekt: Nach dem Putzen fühlen sich die Zähne einfach sauber an. Gefühlt strahlen sie nach etwa einem Monat auch etwas mehr. Dass Schallzahnbürsten gründlicher sind, haben etliche Tests ohnehin schon erwiesen. Selbst kleine Speisereste aus den Zahnzwischenräumen sind kein Problem. Das Putzergebnis überzeugt durchweg.

Den Wechsel von der Hand- zur elektrischen Zahnbürste bereue ich jedenfalls nicht. Das anfangs ungewohnte Gefühl beim Gebrauch verschwindet nach etwas Übung. Im Internet findet man dafür auch Putzanleitungen. Die technische Bedienung ist allerdings noch nicht ideal, da könnte an einigen Stellen noch nachgebessert werden. Die Haltbarkeit des Geräts lässt sich nach ein paar Wochen natürlich noch nicht abschätzen - wie bei Smartphones bleibt der Akku ein Schwachpunkt. Vorerst aber wird weiter elektrisch geputzt.

Quelle: n-tv.de

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