Ratgeber

Geldanlage kurz und verständlich: Infoblätter sind jetzt Pflicht

Um Bankkunden vor Falschberatung besser zu schützen, bekommen sie künftig von ihrem Berater ein Produktinformationsblatt ausgehändigt. Was muss drinstehen, wer bekommt das Infoblatt? Alle Antworten hier.

Als im Herbst 2009 die Lehman-Bank und mit ihr die Ersparnisse vieler Anleger verschwanden, fühlten sich viele Betroffene um ihr Geld betrogen und von ihrer Bank falsch beraten. Damit verschiedene Angebote verständlicher und besser vergleichbar werden, müssen Kreditinstitute ab Freitag Produktinformationsblätter ausgeben, wenn sie ihren Kunden zu einem Finanzprodukt raten.

Die Kunden sollen auch die Risiken von Finanzprodukten besser einschätzen können.
Die Kunden sollen auch die Risiken von Finanzprodukten besser einschätzen können.(Foto: picture alliance / dpa)

Warum gibt es die Produktinformationsblätter?

Die Informationsblätter sollen den Verbrauchern helfen, die Funktionsweise der zum Teil komplizierten Finanzprodukte besser zu verstehen. Dadurch sollen sie Chancen und Risiken der Anlagestrategien besser einzuschätzen können. Auch machen die einheitlichen Formulare verschiedene Anlageprodukte besser vergleichbar. Indem die Kunden die Angebot besser vergleichen können, erhöht der neue Standard im besten Fall den Wettbewerb unter den Anbietern.

Wann erhalte ich ein Infoblatt?

Privatkunden erhalten von ihrem Bankberater ein Produktinformationsblatt, wenn dieser im Beratungsgespräch eine Kaufempfehlung für eines oder mehrere Finanzinstrumente ausspricht. Das können etwa Aktien oder Zertifikate sein. Für jedes Produkt, das ihm der Berater empfohlen hat, erhält der Kunde ein einzelnes Infoblatt - und zwar vor dem Kauf. Das Informationsblatt wird Kunden entweder in Papierform ausgehändigt oder im Internet bereitgestellt. In seinem Beratungsprotokoll muss der Banker festhalten, wie das Infoblatt genau heißt sowie wo, wann und wie die Bank dem Kunden das Dokument zur Verfügung stellt.

Was steht in dem Infoblatt?

Das Informationsblatt muss kompakt, übersichtlich und verständlich sein. Es darf maximal drei DIN-A4-Seiten füllen. Es muss die wesentlichen Informationen über die Anlage enthalten - dies sind zunächst Angaben zur Art des Finanzprodukts und seiner Funktionsweise. Hinzu kommen Informationen über die Risiken für den Anleger sowie die Aussichten auf eine Rückzahlung und auf Erträge unter verschiedenen Marktbedingungen. Auch die Kosten, die dem Verbraucher durch seine Anlage entstehen, sollen beziffert werden. Erste Musterexemplare sehen noch weitere Angaben vor, etwa zur Verfügbarkeit des investierten Geldes oder zur Besteuerung.

Welche Konsequenzen haben Verstöße gegen die Infoblatt-Pflicht?

Händigt ein Institut seinem Kunden nicht rechtzeitig vor dem Verkauf des Finanzprodukts das Produktinformationsblatt aus, muss es mit einem Bußgeld durch die Finanzaufsicht von bis zu 50.000 Euro rechnen. Welche Konsequenzen sich für den Kunden ergeben, wenn er nach Vertragsschluss feststellt, dass er kein Informationsblatt erhalten hat, oder dass dieses Fehler enthält, ist im Gesetz nicht festgelegt.

Welche weiteren Informationen erhalte ich als Kunde?

Konkrete Informationen über das Gespräch mit dem Finanzberater muss das Beratungsprotokoll enthalten, das der Berater dem Kunden aushändigen muss. Dort sollen Angaben dazu stehen, wie die Unterredung verlaufen ist, welche Vorschläge der Berater gemacht hat oder auch welche Anregungen und Einwände der Kunde geäußert hat. Auf dieses wird sich der Kunde im Zweifelsfall eher berufen können, wenn er sich falsch oder unzureichend beraten fühlt, weil es den Verlauf der gesamten Beratung festhalten soll. Nichtsdestotrotz raten Verbraucherschützer dazu, auch das Produktinformationsblatt aufzuheben, weil dort schwarz auf weiß steht, auf Grundlage welcher Informationen die Entscheidung für ein Anlageprodukt fußt.

Quelle: n-tv.de

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