Ratgeber

Obst von fremden Bäumen pflücken: Ist das Mundraub oder legal?

Nüsse, Zwetschgen, Äpfel, Birnen - im Herbst wächst das Essen am Wegesrand. Nur ist das Ernten nicht immer legal. Was darf man und was nicht?

Streuobstwiesen werden oft von privaten Initiativen bewirtschaftet. Auch sie darf man nicht einfach leerräumen.
Streuobstwiesen werden oft von privaten Initiativen bewirtschaftet. Auch sie darf man nicht einfach leerräumen.(Foto: imago stock&people)

Der Apfelbaum ist voll beladen, die ersten Früchte verschimmeln schon als Fallobst am Boden. Da spricht doch sicher nichts dagegen, ein paar Äpfel mitzunehmen, oder? Womöglich schon. Ob Obst ernten legal ist oder nicht, hängt davon ab, wo der Baum oder Strauch steht. "Mundraub" ist zwar seit fast 40 Jahren kein eigenständiges Delikt mehr. Das bedeutet aber nicht, dass er nicht bestraft würde. Denn auch Apfelpflücken kann Diebstahl sein.

Wer Früchte von Privatgrundstücken oder Pachtland mitnehmen möchte, braucht die Erlaubnis des Besitzers. Der Eigentümer des Grundstücks ist gleichzeitig auch Eigentümer der Bäume und Sträucher, die darauf stehen. Nur ist auf den ersten Blick nicht immer zu erkennen, wem das Land gehört. Bei einer eingezäunten Plantage ist die Sache klar: Hier darf man nicht einfach über den Zaun greifen und Früchte vom Baum zerren. Selbst wenn ein Ast über den Zaun ragt, gehören die Früchte dem Grundstücksbesitzer. Wer über eine Absperrung klettert, macht sich auch noch des Hausfriedensbruchs schuldig. Doch auch ohne Zaun ist Privatbesitz geschützt. Man darf das Grundstück zwar betreten, aber kein Obst mitnehmen – nicht einmal dann, wenn es auf dem Boden liegt. Auch Pilze auf privaten Waldgrundstücken sind dem Eigentümer vorbehalten.

Eigenbedarf ist meist kein Problem

Nun dürften die meisten Grundstücksbesitzer kein Problem damit haben, wenn Spaziergänger ein wenig Wegzehrung mitnehmen. Wenn sich jemand säckeweise Früchte ins Auto lädt oder gewerbliche Pilzsammler den Wald abgrasen,  sieht das womöglich anders aus. Wer im größeren Stil ernten möchte, sollte den  Eigentümer um Erlaubnis fragen. Ansonsten kann die illegale Ernte zur Anzeige gebracht werden. Der Diebstahl von Sachen mit geringem Wert werde aber nur auf Antrag verfolgt, so die Arag-Rechtsschutzversicherung. Polizei oder Staatsanwaltschaft werden bei Früchteklau also nur aktiv, wenn der Eigentümer oder jemand anders das verlangt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass man in Deutschland einen Baum oder Strauch ohne Eigentümer findet, ist gering: Grundstücke, die nicht in privater oder Kirchenhand sind, gehören in der Regel der Gemeinde, dem Kreis, dem Land oder dem Bund. Auf den meisten dieser öffentlichen Flächen ist Ernten kein Problem, die meisten Kommunen begrüßen es sogar, wenn sich die Bürger um die Früchte kümmern. Ansonsten landet das Fallobst irgendwann auf dem städtischen Bauhof.

Wer wissen möchte, wo legales Ernten möglich ist, kann sich auf der Seite Mundraub.org umsehen. Auf einer Deutschlandkarte kann jeder Obstbäume, Sträucher und Kräuter eintragen, die Allgemeingut sind oder von den Eigentümern zur Verfügung gestellt werden.  

Quelle: n-tv.de

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