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Der TM5 hat einen Touchscreen, das Vormodell hat Tasten. Das ist aber nicht der einzige Unterschied.
Der TM5 hat einen Touchscreen, das Vormodell hat Tasten. Das ist aber nicht der einzige Unterschied.(Foto: Vorwerk)

"Ich liebe meinen Thermi": Ist der Neue besser?

Von Isabell Noé

Der Thermomix ist der Ferrari unter den Küchenmaschinen, bei seinen Fans genießt er geradezu kultische Verehrung. Ein unangeküdigter Modellwechsel sorgt bei Hobbyköchen für Entrüstung. Was kann der TM5, was der TM31 nicht kann?

Viele Menschen pflegen eine zärtliche Beziehung zu ihrem Auto oder ihrem Fahrrad, sie umsorgen es, tätscheln liebevoll über den Lack und reden dem Fahrzeug bei Bedarf auch gut zu. Computer hingegen bekommen vor allem den Groll ihrer Besitzer zu spüren, wenn sie nicht so funktionieren wie sie sollen. Im Vergleich dazu ist das Verhältnis zu Haushaltsgeräten in aller Regel von Nüchternheit geprägt. Der Staubsauger saugt und der Toaster toastet, ohne dass dies bei den Besitzern zu emotionalen Regungen führen würde. Einem außenstehenden Betrachter mag es deshalb befremdlich erscheinen, wenn die Besitzer einer Küchenmaschine geradezu innige Gefühle gegenüber dem Gerät entwickeln und diese auch öffentlich kundtun: "Ich liebe meinen Thermi" ist ein Satz, der so oder ähnlich häufig in diversen Kochforen und Blogs zu lesen ist.

"Thermi" ist die Koseform für "Thermomix", eine Küchenmaschine von Vorwerk. Seit 1961 baut der Mittelständler aus Wuppertal das Gerät, das im Laufe der Jahrzehnte um immer neue Funktionen erweitert wurde. Seit 1980 kann die Küchen-Allzweckwaffe nicht nur rühren, mixen oder zerkleinern, sondern auch kochen. Vor allem in Frankreich, wo man gebundene Suppen schätzt, kam das gut an und auch in Südeuropa verkaufte sich der Thermomix blendend. Mit dem Koch-Boom setzte vor einigen Jahren auch in Deutschland der Run auf hochwertige Küchengeräte ein und der Thermomix wurde auch hierzulande zum Objekt der Begierde – trotz seines stolzen Preises von rund 1000 Euro. 200.000 Thermomixe setzte Vorwerk im letzten Jahr in Deutschland im Direktvertrieb ab, so viele wie nirgends sonst auf der Welt.

Zigtausend Klicks auf Youtube-Videos

Ohne Social Media wäre dieser Erfolg wohl kaum möglich. Eine eingeschworene Fangemeinde tauscht sich in Blogs und Foren über die Möglichkeiten des Wunderkessels aus, im Portal "Chefkoch.de" füllen Thermomix-Rezepte zehn Seiten und auf Youtube unterhalten Protagonisten wie "Thermifee", "Mr.Thermomen" oder "ThermomixFan" eigene Kanäle, auf denen sie den Thermomix erklären und Rezepte vorkochen. Wenn die "Thermifee" mit ihrer Küchenmaschine gebrannte Mandeln oder die "weltbeste Lasagne" zubereitet, wollen das weit über 50.000 Menschen sehen, und wenn der "ThermomixFan" das Gerät detailverliebt vorstellt, wird das Video über 200.000 Mal aufgerufen.

In den letzten Tagen sind auf Youtube viele neue Thermomix-Videos hinzugekommen, sie drehen sich aber nicht um Rezepte, sondern um ein neues Gerät: Seit dem 5. September gibt es einen neuen Thermomix, der TM5 löst den zehn Jahre alten TM31 ab. 3000 Fachberater hat Vorwerk in die Frankfurter Messehalle geladen, um mit viel Tamtam, dramatischer Musik und etwas Pyrotechnik die Einführung der neuen Küchenmaschinen-Generation zu zelebrieren. Die Thermomix-Vertreter sind begeistert, Kunden, die sich erst kürzlich einen neuen Thermomix gekauft haben, weniger. Sie fühlen sich hintergangen, weil sie fast 1000 Euro für ein Gerät ausgegeben haben, das jetzt als überholt gilt.

Grundfunktionen sind gleich geblieben

Vorwerk beschwichtigt, der TM31 sei immer noch ein tolles Gerät und die Ersatzteilversorgung für die nächsten zehn Jahre sichergestellt. Doch die enttäuschten Thermomix-Fans tröstet das wenig, in den Foren machen sie ihrer Verbitterung Luft: "Verarsche!", "Nie wieder Thermomix, nie wieder Vorwerk!" Aber ist es wirklich so schlimm, weiter mit dem alten Modell zu kochen? Was kann der TM5 denn besser als der TM31?

Die Grundfunktionen der beiden Geräte sind gleich: Der TM5 kann kneten und mixen, Teig rühren, Getreide mahlen und Gemüse oder Nüsse hacken, Saucen mischen, Sahne oder Milchschaum schlagen, dampfgaren, Mayonnaise oder Dressings emulgieren, kochen, empfindliche Wasserbadgerichte kontrolliert erhitzen und außerdem wiegen. Der TM31 kann das alles auch.

Unterschiede gibt es im Detail: Heizt der TM31 beim Kochen nur auf 100 Grad, kommt der TM5 auf eine Maximaltemperatur von 120 Grad. Der Mischtopf fasst jetzt 2,2 Liter statt 2 Liter. Und auch der Varoma-Behälter – so nennt Vorwerk seine Dampfgarfunktion – ist um zehn Prozent gewachsen. Der Motor kommt nach wie vor auf 500 Watt, schafft jetzt aber 10.700 statt 10.200 Umdrehungen pro Minute. Dabei soll er auch noch leiser arbeiten als der des Vorgängers. Es gibt TM31-Besitzer, die den Turbo-Modus nach 21 Uhr lieber nicht mehr anwerfen, um keinen Ärger mit den Nachbarn zu bekommen.

Kochen wird idiotensicher

Die wichtigste Neuerung des TM5 ist aber eine andere: Der TM5 ist digital. Statt 15 Tasten und einem Geschwindigkeitsregler gibt es jetzt nur noch einen einzigen Wähler um Zeit, Temperatur und Geschwindigkeit zu justieren. Alle anderen Einstellungen werden über einen Touchscreen vorgenommen. Wer einen der sogenannten "Rezept-Chips" nutzt, muss das noch nicht einmal selber machen. Diese Chips sind mehr als digitalisierte Kochbücher, sie führen den Nutzer Schritt für Schritt durchs Rezept und wählen dabei auch automatisch die richtigen Programme aus. "Guided Cooking" nennt Vorwerk diese Funktion, die Kochen idiotensicher macht. Wer mag, kann den TM5 aber auch weiter manuell und frei Schnauze nutzen.

TM31-Besitzern bleibt die digitale Welt immerhin nicht vollständig versperrt. Für sie gibt es eine Thermomix-App mit Rezepten, Einkaufsliste und Timer-Funktion – allerdings nur fürs iPhone. Android-Nutzer müssen sich bis 2015 gedulden.

Es gibt übrigens Thermomix-Freunde, die gar nicht so scharf darauf sind, dass in ihrer Küche die digitale Revolution ausbricht, dem vermeintlich seelenlosen "Hightech-Monster" begegnen sie mit Argwohn. Das Verhältnis zum Thermomix geht eben über eine nüchterne Beziehung weit hinaus: "Ich liebe meinen TM31 auch über alles und werde ihn nicht eintauschen" schreibt eine Hobbyköchin auf Vorwerks Facebook-Seite.

Quelle: n-tv.de

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