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Böses Foul: Kein Schmerzensgeld für Profis

Fouls gehören für Profisportler zum Berufsrisiko. Das weiß nicht nur Michale Ballack, dessen Karriere nach dem brutalen Tritt von Kevin Prince Boateng in den Abwärtssog geriet. Schadenersatz und Schmerzensgeld können die Opfer von ihren Gegnern aber nur in den seltensten Fällen verlangen.

Beim Eishockey geht es nicht gerade kuschelig zu. (Symbolfoto)
Beim Eishockey geht es nicht gerade kuschelig zu. (Symbolfoto)(Foto: picture alliance / dpa)

Berufssportler müssen für Fouls in der Regel nicht haften. Auch dann nicht, wenn sie dem Gegner erhebliche Verletzungen zufügen, wie das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe nun entschieden hat. Eine Haftung kommt nur dann infrage, wenn der Sportler nachweislich mit Vorsatz gehandelt hat.

In der Berufungsverhandlung ging es um ein Spiel der zweiten Eishockey-Bundesliga. Der verunglückte Profi war von einem Gegenspieler, der seinen im Spiel gebrochenen Schläger weggeworfen hatte und damit gar nicht mehr attackieren durfte, heftig gegen die Bande gestoßen worden. Dabei trug das Opfer erhebliche Verletzungen an der linken Schulter davon, die zweimal operiert werden mussten. Seit dem Unfall ist der ehemalige Profisportler  berufsunfähig.

Das unbestritten grob regelwidrige Verhalten quittierte der Schiedsrichter mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe. Die Berufsgenossenschaft erkannte das Geschehen als Arbeitsunfall an und finanzierte dem Betroffenen unter anderem eine Umschulung. Trotzdem verlangte er jetzt vom dem Angreifer ein zusätzliches Schmerzensgeld in Höhe von ca. 10.000 Euro. Schließlich habe der ihn grob gefoult. Dabei habe es sich nicht nur um einen regelwidrigen, sondern um einen vorsätzlich körperlichen Angriff gehandelt.

Von letzterem allerdings konnte der Verletzte die Karlsruher Landesrichter nicht hinreichend überzeugen. Die dem Gericht vorgeführten Videoaufnahmen zeigten vielmehr, dass der Angriff weder grundlos noch überraschend war, sondern aus dem Spiel heraus erfolgte und der Beklagte den Kläger auch ohne Schläger angreifen durfte, um den Puck mit der Hand wegzuschieben.

Keine Rechtsstreits unter Kollegen

Vor allem aber stehe die Spielverletzung in unmittelbarem Zusammenhang mit der versicherten Arbeitstätigkeit des Berufssportlers, stellte das Gericht klar. Und hier gelte das Haftungsprivileg der gesetzlichen Unfallversicherung: Arbeitnehmer, die einen Arbeitskollegen im Betrieb verletzten, haften demnach nur bei Vorsatz. Dadurch soll eine doppelte Inanspruchnahme des Arbeitgebers - durch Finanzierung der gesetzlichen Unfallversicherung und Regressansprüche des Schädigers wegen gefahrgeneigter Arbeit - verhindert werden. Außerdem sollen so Schadenersatzstreitigkeiten zwischen Betriebsangehörigen verhindert werden.

Somit muss sich der einstige Berufseishockeyspieler mit den Leistungen der Unfallversicherung begnügen und kann keine Ansprüche auf Schmerzensgeld und Schadensersatz gegenüber dem Unfallverursacher geltend machen.

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Quelle: n-tv.de

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