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Verletzt beim Rollenspiel : Kein Schmerzensgeld für "guten Ritter"

Wenn erwachsene Menschen mit Schaumstoffwaffen aufeinander losgehen, dann handelt es sich vermutlich um Freunde sogenannter Live-Rollenspiele. Wer haftet, wenn es bei den Spaßkämpfen zu ernsthaften Verletzungen kommt?

Wenn Schläge mit Schaumstoffwaffen ins Auge gehen, kann das böse Folgen haben.
Wenn Schläge mit Schaumstoffwaffen ins Auge gehen, kann das böse Folgen haben.(Foto: imago stock&people)

Streitäxte, Wurfdolche oder Langschwerter – solche Waffen sind in Deutschland aus der Mode gekommen, doch bei den Teilnehmern von sogenannten"Live Action Role Playing"-Veranstaltungen (LARP) erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Hier sind sie dann allerdings aus Schaumstoff oder Latexmaterial. Verletzungen kann es trotzdem geben, wie ein Fall aus Niedersachsen zeigt. Wer haftet, wenn spielerische Kampfszenen ernsthafte Folgen haben? Das Landgericht Osnabrück hat nun entschieden: Fahrlässige Verletzungen sind bei Rollenspiel-Veranstaltungen nicht auszuschließen. Wer sich auf die Raufereien einlässt, tut das auf eigene Gefahr und kann keinen Schadenersatz verlangen. (Az.: 4 O 1324/15)

Der Kläger hatte an einer Veranstaltung auf einem Ferienhof teilgenommen, bei dem eine fiktive mittelalterliche Geschichte nachgespielt wurde. Der Plot sah einen Überfall von bösartigen Plünderern auf die guten Dorfbewohner vor. Dabei verwendeten beide Seiten "Schwerter" aus Glasfiberstäben mit Schaumstoffummantelung. Bei der Kampfszene auf einem engen Waldweg bekam der Kläger, der auf der Seite der "Guten" kämpfte, einen Schlag gegen den Kopf zwischen Schläfe und Auge. Als Folge der Verletzung büßte der Mann seine Sehfähigkeit auf dem Auge ein. Dafür verlangte er vom Gegenspieler über 40.000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz.

Wie auf dem Fußballplatz

Sein Argument: Schläge auf den Kopf sind bei Rollenspielen verboten. Persönliche Motive schloss der Verletzte aus. Er habe den Täter zuvor nicht gekannt und könne sich auch nicht vorstellen, dass er etwas gegen ihn gehabt habe. Im Laufe der Vernehmung räumte der Kläger auch selbst ein, dass Kopftreffer bei Rollenspielen immer wieder vorkämen, das sei in der Hektik des Kampfgeschehens nicht zu vermeiden.

So sahen es auch die Richter. Außerdem berücksichtigten sie die Tatsache, dass sich der Beklagte in Bedrängnis befand, als er den unglücklichen Schlag ausführte. Er habe sich in der gespielten Szene als "Räuber" gegen zwei "gute Ritter" verteidigen müssen. Weil die Richter nicht von Vorsatz ausgingen, sprachen sie den Mann frei. Für Rollenspiele gilt folglich das Gleiche wie für Sportveranstaltungen: Für Verletzungen, die auch bei regelgerechtem Spiel nicht immer zu vermeiden sind, muss man nicht haften. Wer teilnimmt, willigt stillschweigend ein, dass er keine Ansprüche an andere Teilnehmer stellt, wenn es zu fahrlässigen Verletzungen kommt.

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Quelle: n-tv.de

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