Ratgeber

Einfach schneller dran: Krankenzusatzpolicen im Test

Ob es in unserem Gesundheitssystem eine Zwei-Klassen-Gesellschaft gibt, ist umstritten. Privatpatienten genießen zumindest Vorteile. Doch Kassenpatienten können durch eine Zusatzversicherung zum Privatpatienten aufsteigen. Im Test von n-tv müssen die Versicherer beweisen, dass ihre Angebote etwas taugen.

Tschüß Mehrbettzimmer. Wer sich zusätzlich versichert, liegt im Krankenhaus komfortabler.
Tschüß Mehrbettzimmer. Wer sich zusätzlich versichert, liegt im Krankenhaus komfortabler.(Foto: AOK/dpa/tmn)

Im Operationssaal der Hamburger Endoklinik, sind alle Patienten gleich. Doch die, die auf dem Operationstisch von Chefarzt Thorsten Gehrke liegen, sind in der Regel etwas gleicher. "Alle Patienten werden gleich operiert, egal, ob privat oder gesetzlich versichert. Unterschiede gibt es in zweierlei Hinsicht: Zum einen in der freien Arztwahl, der Patient hat ein Anrecht auf Chefarztwahl. Fragt sich , ob es immer die beste Wahl ist", so Gehrke.

Unterschiede gibt es auch beim Ambiente des Zimmers. Ein Einzelzimmer mit Blick über die Stadt und dem Komfort eines Hotelzimmers genießt auch Ilse Hagen nach ihrer Hüft-OP - obwohl sie keine Privatpatientin ist.

Wartezeit deutlich kürzer

Stattdessen hat die 70-jährige zu ihrer gesetzlichen eine stationäre Zusatzversicherung abgeschlossen. Die Seniorin sieht nicht nur in der Chefarztbehandlung einen Vorteil: "Wir hatten den Termin relativ schnell. Das ist nicht der Fall, wenn man nicht privat versichert ist. Die Wartezeit hätte bei drei bis sechs Monaten gelegen.

Die OP ist gut verlaufen, die Hüfte repariert. Für die 70-Jährige hat sich die Zusatzversicherung gelohnt. Aber kann man mit einer Zusatzversicherung wirklich zum Privatpatienten aufsteigen? Das hat das Deutsche Institut für Servicequalität (DISQ) im Auftrag von n-tv getestet. Dazu haben DISQ-Chef Markus Hamer und seine Kollegen die zwanzig größten privaten Krankenversicherer ausführlich analysiert.

Service, Preis und Leistung im Vergleich

Im Fokus der Tester standen Service, Preis und Leistung bei der stationären Zusatzversicherung. "Durch eine Zusatzversicherung kommt man durchaus in einzelnen Aspekten dem Statuts eines Privatpatienten nah, es ist aber sehr entscheidend, wie die Versicherung ausgestaltet ist", resümiert Hamer.

Schon bei der Leistung gibt es große Unterschiede: Chefarztbehandlung und Einbettzimmer sind zwar Standard, doch es geht auch darum, welche Leistungen im Versicherungsfall übernommen werden – also ob man die freie Krankenhauswahl hat, eine Privatklinik benutzen darf und den kompletten Zugriff auch auf alle stationären Möglichkeiten der Behandlung hat.

Doppelt so teuer aber nicht doppelt so gut

(Foto: DISQ)

Vergleichen lohnt sich auch beim Preis: Eine 35-Jährige Frau ohne besondere Vorerkrankungen zahlt beispielsweise knapp 26 Euro pro Monat beim günstigsten Anbieter. Die gleiche Leistung ist 56 Euro auch mehr als doppelt so teuer erhältlich. "Es gilt also grundsätzlich nicht die Regel: Je teurer desto besser", so Hamer. "Wir haben bei unserem Test herausgefunden, dass man durchaus sehr günstige Tarife mit sehr sehr guten Leistungen bekommt."

Bei den Produktbewertungen zeigte sich, dass immerhin drei Unternehmen "hervorragende" Tarife anboten. Nicht selten war bei vergleichbarem Leistungsniveau eine Ersparnis von über 30 Prozent möglich. Insgesamt war die Servicequalität der Branche im Durchschnitt nur befriedigend. "Gerade im Versicherungsbereich ist es wichtig, gezielt auf die Bedürfnisse des Kunden einzugehen. Umso enttäuschender ist es, dass fast jede zweite der telefonischen Beratungen nicht individuell genug waren", so Hamer. Die Testanrufer mussten durchschnittlich fast eine Minute auf einen Ansprechpartner warten. Der Bereich E-Mail stellte die schlechteste Teilkategorie dar. Auf fast jede fünfte Anfrage wurde erst gar nicht reagiert. Etwa die Hälfte der Antworten war unvollständig und gut ein Drittel enthielt orthographische oder grammatikalische Fehler.

Gesamtsieger und damit "Bester Anbieter Stationäre Zusatzversicherung 2010" wurde Barmenia. Das Unternehmen überzeugte durch besten Service und Top-Leistung. Auf Rang zwei landete die Hallesche mit der besten Leistung. Envivas erzielte den dritten Platz und punktete mit der sehr guten telefonischen Beratung.

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Quelle: n-tv.de

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