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Fiskus sah Teldafax-Pleite kommen: Kunden rannten in die Falle

Bis zum Ende warb der Energieanbieter Teldafax mit Billigtarifen um neue Kunden. Finanzbehörden hätten womöglich Millionenschäden verhindern können. Denn das Finanzministerium wusste laut einem Zeitungsbericht schon im Jahr 2009 von der drohenden Pleite. Offenbar war es dem Fiskus aber wichtiger, erstmal die eigenen Außenstände einzutreiben, als Verbraucher zu warnen.

Das Hauptzollamt Düsseldorf warnte schon 2009 vor der drohenden Pleite.
Das Hauptzollamt Düsseldorf warnte schon 2009 vor der drohenden Pleite.(Foto: dpa)

Die Teldafax-Kunden konnten die Insolvenz ihres Energielieferanten erst im Frühsommer dieses Jahres absehen. Finanzbehörden haben den Pleitegeier über der Firma wohl schon sehr viel früher kreisen gesehen - aber nichts unternommen, um zu verhindern, dass der Stromanbieter weitere Kunden einsammelte. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, hat das Hauptzollamt Düsseldorf schon im September 2009 einen alarmierenden Prüfbericht über das Unternehmen erstellt.

Das Hauptzollamt Düsseldorf wollte den Bericht zwar bislang nicht kommentieren, bestätigte aber auf Nachfrage, einen Prüfbericht für das Hauptzollamt Köln erstellt zu haben. Zum Inhalt wurden mit Hinweis auf das Steuergeheimnis keine Angaben gemacht. Das Hauptzollamt erhebt unter anderem die Energiesteuer.

Der Billigstromanbieter, der dem Fiskus schon damals 28,3 Millionen Euro schuldete, habe so gut wie kein Vermögen mehr gehabt. Der Discounter galt laut Prüfbericht als "bilanziell überschuldet". Laufende Kosten hätte Teldafax in einer Art Schneeballsystem mit den Vorauszahlungen von neuen Kunden finanziert. Maßnahmen zur Beseitigung der Notlage seien nicht umgesetzt worden. Im Juni dieses Jahres meldete Teldafax schließlich Insolvenz an.

Justiz hätte eingreifen können

Statt Verbraucher frühzeitig zu warnen, habe der Staat sein brisantes Wissen für sich behalten, heißt es in der "Süddeutschen". Hunderttausende Kunden seien in eine Falle gelaufen, während der Fiskus versuchte, seine Außenstände einzutreiben. Möglichkeiten zum Eingreifen hätte es – trotz des Steuergeheimnisses – durchaus gegeben. So hätte die Justiz wegen Insolvenzverschleppung oder Betrugs eingeschaltet werden können.

Das Hauptzollamt Köln war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Teldafax ist mit mehr als 700.000 Geschädigten, die meisten von ihren Strom- und Gaskunden, der größte Insolvenzfall in Deutschland. Nach Schätzungen der Gläubigerschutzvereinigung Deutschland beläuft sich der Schaden auf eine halbe Milliarde Euro.

Verbraucherschützer warnen Stromkunden bei einem Anbieterwechsel grundsätzlich vor Tarifen mit Vorkasse. Der Insolvenzverwalter Biner Bähr wird am 8. November dieses Jahres auf einer Gläubigerversammlung in Köln über die Details, die zum Zusammenbruch von Teldafax führten, informieren. Zum Prüfbericht der Finanzbehörden wollte sich der Insolvenzrechtler nicht äußeren.

 

Tarife ohne Vorkasse: Der Strompreisvergleich

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Quelle: n-tv.de

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