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Fast 50 Prozent weniger : Lebensversicherung? Alles viel schlimmer

Dass sich Lebens- und Rentenversicherungen vor allem für die Anbieter lohnen, war zu vermuten. Was allerdings eine Untersuchung der Stiftung Warentest zutage bringt, sorgt für Erschrecken. Demnach bringen auch alte Verträge oft deutlich weniger als annonciert.

Dank falscher Prognosen könnte es für den einen oder anderen im Alter finanziell eng werden.
Dank falscher Prognosen könnte es für den einen oder anderen im Alter finanziell eng werden.(Foto: imago/McPHOTO)

Verbraucherschützer hielten die klassische Lebensversicherung noch nie für eine gute Idee. Zu teuer, zu wenig transparent und zudem fließt nicht der volle Anteil der Beiträge in die Altersvorsorge, sondern eben auch in den Hinterbliebenenschutz. Seit sich der Garantiezins im Sinkflut befindet, hat sich diese Einschätzung eher noch verstärkt.

Und selbst die Anbieter an sich glauben nicht mehr so recht an den Verkaufsschlager vergangener Jahrzehnte. Oft werden stattdessen dem Kunden neue Produkte, bei denen es keinen Garantiezins mehr gibt, offeriert. Garantiert wird lediglich das eingezahlte Kapital - nach Abzug von hohen Verwaltungskosten und Provisionen. Dafür wird dem Kunden eine renditeträchtigere Anlage seiner Beiträge in Aussicht gestellt.

Das erinnert fast an die Prognosen für Verträge, die noch in Zeiten deutlich höherer Zinsen abgeschlossen wurde. Das allerdings auch damit kein Blumentopf zu gewinnen ist, zeigt eine Untersuchung der Stiftung Warentest. Denn egal, ob die Laufzeit in der Vergangenheit 30, 20 oder 12 Jahre betrug: Versicherte, deren Policen nun fällig werden, erhalten mitunter bis zu knapp 50 Prozent weniger als bei Vertragsabschluss prognostiziert. Ein Grund ist die falsche Anlagepolitik der Versicherer. Die Konzerne haben in den vergangenen Jahrzehnten die Kundengelder ohne Not vor allem in festverzinsliche Papiere investiert, obwohl sie bis zu 35 Prozent ihrer Investitionen in sogenanntes Risikokapital anlegen. Dazu gehören Aktien und Immobilien.

Den Hauptgrund haben die Tester aber in utopischen Überschussprognosen und in unrealistischen Angaben über die Ablaufleistungen ausgemacht. Nicht selten führte dies zu drastisch reduzierten Leistungen.           

Entgegen der Beteuerungen der Anbieter, dies sei der lang anhaltenden Niedrigzphase geschuldet, liegt das Übel aber laut Warentest viel eher daran, dass die Konzerne immer größere Finanzpuffer aufbauen und die Beteiligungen der Kunden an den Bewertungsreserven deutlich beschnitten haben. Mit einer Zinszusatzreserve sollen die Garantieversprechen der Vergangenheit eingehalten werden. Zudem wird die Sterblichkeit der Kunden derart kalkuliert, dass wenig Risiko für die Versicherer besteht.  

Bereits zu Beginn des neuen Jahrtausends kritisierte das damalige Bundesversicherungsamt die Praxis über die unrealistische Höhe der künftigen Überschussbeteiligungen. Demnach ist eine seriöse Prognose nur für wenige Jahre möglich. Doch das hat die Anbieter nicht daran gehindert, weiterhin werbewirksam viel zu hohe Ablaufleistungen in Aussicht zu stellen.

Dem Kunden bleibt nichts anderes übrig, als die Kröte zu schlucken und die Vertragszeit - zumindest wenn es nur noch wenige Jahre bis zum Ablauf sind - durchzuhalten.

Quelle: n-tv.de

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