Ratgeber

Nur noch drei Prozent für Sparer?: Lebensversicherung wird zum Problemfall

Von Axel Witte

Die Kapitallebensversicherung bereitet zunehmend Sorgen. Verantwortlich für sinkende Renditen und maue Perspektiven wird das derzeit niedrige Zinsumfeld gemacht. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

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Inhaber von Lebens- und Rentenversicherungen haben derzeit wenig Spaß an ihrer Anlage. Für sie häufen sich die schlechten Nachrichten. Sinkende Überschussbeteiligungen, stetig fallende Garantiezinsen, Verlust der Steuerfreiheit, Streitigkeiten über gekündigte Verträge oder um Bewertungsreserven: Nichts scheint mehr so, wie es war. Aber auch die Versicherer selbst ächzen unter den niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt und beklagen, nicht zu wissen, wie sie die Kundengelder sicher und rentabel anlegen sollen.

Dabei sind nicht nur die Finanzkrise und der daraus resultierende Niedrigzins schuld an der Misere von Sparern und Assekuranzen. Für Erstere galt auch schon in der Vergangenheit der Grundsatz, sich nicht nur auf eine Anlageform zu konzentrieren. Bei einer geeigneten Diversifikation der Vermögenswerte wäre der Blick auf die Abrechnung der privaten Altersvorsorge weniger sorgenvoll. Selbstverständlich sind auch die derzeit umjubelten Aktienmärkte keine Einbahnstraße - aber die richtige Mischung aus festverzinslichen Wertpapieren und einer Beteiligung am Aktienmarkt hat bei langfristiger Ausrichtung nicht nur in Hinblick auf die Rendite Sinn. So ist es empfehlenswert, das vorhandene Kapital auf unterschiedliche Anlageformen zu verteilen – Stichwort: Geld- und Sachwerte.

Versicherer nutzen ihre Möglichkeiten nicht

Aber vor allem die Versicherungen haben mehr Spielraum bei der Anlage der Kundengelder, als sich bei ihrem Wehklagen über das niedrige Zinsumfeld erwarten lässt - eine Tatsache, die an den meisten Stellen unerwähnt bleibt. So hätten sie laut der gesetzlichen Statuten die Möglichkeit, 35 Prozent ihrer Investitionen in sogenanntes Risikokapital anzulegen. Hierzu gehören neben Aktien auch Beteiligungen und High-Yield-Anlagen. Darüber hinaus ist auch eine Anlage am Immobilienmarkt möglich. Tatsächlich schöpfen die Versicherungen in der Breite diese Möglichkeit aber nicht aus. Nach Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft liegt die Quote an festverzinslichen Anlagen im Durchschnitt bei nahezu 90 Prozent. In Aktien und Immobilien ist die Branche mit nur 2,8 bzw. 3,8 Prozent investiert. Bekanntermaßen konnten Anleger besonders mit diesen beiden Anlageformen in den letzten Jahren punkten.

Sicher, die Versicherungen geben ihren Kunden bei Abschluss eines Vertrages eine Garantie über die zu erbringende Leistung ab - im Durchschnitt haben sie pro Vertrag Renditen von 3,2 Prozent zugesagt. Da ist es nur verständlich, dass die gegebenen Garantien ohne allzu große Aufregungen eingehalten werden sollen. Jahrzehntelang funktionierte diese Zurückhaltung für die Branche auch hervorragend, erzielten doch schon Anlagen im sicheren festverzinslichen Bereich in den letzten 40 Jahren eine jährliche Wertentwicklung von rund 5,5 Prozent. Die Versicherer konnte ohne viel Zutun ihren Verpflichtungen nachkommen und nebenbei an den Verträgen prächtig verdienen.

Das Umfeld für dieses Geschäftsmodell hat sich nun in den letzten Jahren deutlich geändert. Es ist an den Versicherern, ihr Finanz-Know-How in dem vorgegebenen gesetzlichen Rahmen zu nutzen und das ihnen zur Verfügung gestellte Kapital chancenträchtiger anzulegen.

Bei einem weiteren Problemfeld hingegen erhellen sich die Perspektiven. Derzeit denkt der Gesetzgeber auf Druck der Branche darüber nach, die Versicherer in Hinblick auf die Bewertungsreserven zu entlasten, an denen sie bisher die Versicherten bei Vertragsende beteiligen müssen. Bei den Bewertungsreserven handelt es sich um reine Buchwerte, die entstehen, wenn zum Beispiel aus heutiger Sicht hochverzinste und deshalb begehrte Anleihen starke Kursgewinne ausweisen. Die Versicherer halten diese Papiere jedoch üblicherweise bis zum Laufzeitende, wo sich diese Gewinne aber wieder verflüchtigen. Um ihren Verpflichtungen nachzukommen, sind bisher einige Gesellschaften gezwungen, die Anleihen zu verkaufen, worunter auch die Verzinsung der in Zukunft fälligen Verträge leidet.

So oder so - auch in diesem Jahr werden viele Kapitallebensversicherungen wieder weniger Rendite abwerfen. Aus den genannten Gründen sinken die Überschussbeteiligungen, welche die Versicherer neben der Garantieverzinsung an ihre Versicherten ausschütten. Die laufende Gesamtverzinsung beträgt im Schnitt denn auch nur noch 3,4 Prozent. Was in Hinblick auf das aktuelle Zinsniveau als gute Rendite erscheint, ist für eine langfristige Geldanlage viel zu wenig.

Verbraucherschützer halten die klassischen Form der kapitalbildenden Lebensversicherung als reine Sparanlage seit jeher für ungeeignet. Sparer sollten beachten, dass hier nicht der volle Anteil ihrer Beiträge in die Altersvorsorge fließt, sondern eben auch in den Hinterbliebenenschutz. Hinzu kommen Verwaltungs- und Vertriebskosten sowie Provisionen. Mit den derzeitigen Perspektiven und der Anlagepolitik der Versicherer dürfte sich daran auch in naher Zukunft nichts ändern. An alten, steuerbegünstigten Verträgen mit hohen Garantiezinsen von bis zu vier Prozent sollten Sparer nichtsdestotrotz festhalten.

Laufende Verzinsung für das Jahr 2014

GesellschaftLaufende Verzinsung 2014 in ProzentVerzinsung 2013 in ProzentVeränderung in Prozent-Punkten
Allianz3,603,60  0,00
AachenMünchener3,503,75- 0,25
Alte Leipziger3,353,35  0,00
Axa3,403,65- 0,25
Debeka3,603,70- 0,10
Ergo3,203,20  0,00
HUK-Coburg3,503,75- 0,25
Nürnberger3,754,00- 0,25
Württembergische3,253,25  0,00
R+V3,403,60 -0,20
Zurich Deutscher Herold3,003,00  0,00

Quelle: n-tv.de

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