Ratgeber

Outlet-CenterLohnt sich der Weg?

29.04.2008, 12:37 Uhr

Outlet-Center wirken auf Schnäppchenjäger wie Magnete. Hier verschleudern Markenhersteller alte Kollektionen und Ausschussware. Doch lohnt sich der Weg tatsächlich?

Burberry, Armani, Hugo Boss, Dolce & Gabbana - modisch Interessierten klingen solche Namen in den Ohren. In Scharen pilgern sie ins niederländische Roermond, denn dort lockt die Markenware zum Schnäppchenpreis. Rund drei Millionen Besucher zählt das örtliche Outletcenter jedes Jahr, die meisten Kauflustigen kommen aus dem benachbarten Deutschland. Sie alle wollen vor allem eins: Sparen! Dafür nehmen sie teils stundenlange Anfahrten in Kauf. Doch lohnt sich der Weg ins Outletcenter wirklich? Testkäuferin Nicole will es wissen.

Erste Station: Der S.Oliver-Shop. Hier herrscht Wühltischatmosphäre wie beim Schlussverkauf. Zu erstehen sind nur Kollektionen aus dem Vorjahr und Produkte zweiter Wahl. Nicole entdeckt ein Oberteil für knapp 35 Euro. Sie spart damit 15 Euro gegenüber dem angegebenen Ladenpreis.

Und weiter geht es. Die Auswahl ist groß, denn in Roermond reiht sich mittlerweile ein Fabrikverkauf an den nächsten. Die Ursprünge des Outlet-Phänomens liegen in Amerika, weiß Armin E. Möller, Autor des "Großen Schnäppchenführers". Er erinnert sich auch noch an die Anfänge in Deutschland: "Das fing ganz harmlos an, da war ein Fabrikverkauf, der etwas vornehmer war, dann hat sich der nächste daneben gesetzt, dann kam noch einer und dann war die Geschäftsidee geboren."

Ungeliebte Nachbarn

Viele Städte und Gemeinden haben sich lange gegen diesen Trend gewehrt. Deshalb entstanden Outlet-Center zunächst einmal direkt hinter der Grenze - wie eben in Roermond und in Maasmachelen. Aber mittlerweile gibt es auch etliche Outletcenter in Deutschland, vor allem im Süden. Der Einzelhandel fühlt sich durch die Shopping-Center auf der grünen Wiese bedroht, denn beim Fabrikverkauf machen nur die Hersteller das Geschäft. Sie verkaufen ihre Ware ja selber. Eric Seiler vom Factory-Outlet Roermond verweist dagegen auf die Arbeitsteilung zwischen Einzelhandel und Outlet: "Der eine verkauft die aktuellen Kollektionen, der andere die Ware des Vorjahres." Es gebe sogar Synergieeffekte: "Die Outlets tragen dazu bei, dass die Marke gestärkt wird und das kommt auch dem Einzelhandel zugute."

An Mondpreisen orientiert?

Weiter geht es zu Adidas. Nicole sucht Joggingschuhe und findet ein Paar für 80 Euro. Das sind 30 Prozent weniger als die unverbindliche Preisempfehlung. Von Fred Perry soll sie für ihren Freund eine Trainingsjacke mitbringen. Sie hat Glück: Laut Auszeichnung kostet die Jacke nur noch rund ein Drittel des ursprünglichen Preises. Klingt verlockend, doch Schnäppchen-Experte Armin Möller rät zur Vorsicht: "Es kann durchaus sein, dass das von einem Mondpreis herabgesetzt ist, den es nie gegeben hat."

Also: Nicht nur vom Markennamen und den Prozentzeichen blenden lassen, sondern immer das Preis-Leistungsverhältnis abwägen. Und mit dem ist Nicole sehr zufrieden, als sie bei Stefanel noch einen gut sitzenden Anzug für 60 Euro findet. Insgesamt hat Nicole im Outlet rund 300 Euro gespart, verglichen mit den unverbindlichen Preisempfehlungen.

Das ist eine ganze Menge. Dennoch raten Experten, bei der Suche nach preiswerter Markenware auch bei den Einzelhändlern in der Innenstadt vorbeizuschauen. Denn da gibt es ebenfalls gute und günstige Angebote. Wichtig ist es, ein Preisgefühl zu entwickeln. Und egal wo man kauft, eins ist ganz wichtig: "Geben Sie sich ein Limit", rät Möller. Denn zu viele Marken-Schnäppchen, die man eigentlich gar nicht braucht, belasten auch die Geldbörse.