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Kollegen verweigern Zusammenarbeit: Low-Performer darf bleiben

Teamarbeit funktioniert am besten, wenn sich alle Mühe geben. Leisten Mitarbeiter deutlich weniger als ihre Kollegen, ist Ärger programmiert. Doch darf eine Firma einen Arbeitnehmer kündigen, nur weil es die Belegschaft fordert?

Im verhandelten Fall hielt sich der Arbeitgeber an die gesetzliche Kündigungsfrist.
Im verhandelten Fall hielt sich der Arbeitgeber an die gesetzliche Kündigungsfrist.(Foto: pauline, pixelio.de)

Mit Kollegen, die als faul verschrien sind, arbeitet man nicht unbedingt gern zusammen. Schließlich droht dann die meiste Arbeit an einem selbst hängen zu bleiben. Dennoch kann ein Arbeitgeber einen solchen Mitarbeiter nicht einfach kündigen,  wenn es die Kollegen fordern. Das hat nun das Arbeitsgericht Magdeburg klargestellt (Az: 3 Ca 1917/11).

Im verhandelten Fall hatte ein Bauunternehmen einem Mitarbeiter eine verhaltensbedingte Kündigung ausgesprochen. Wegen des langsamen Arbeitstempos und der geringen Arbeitsleistung des Mannes weigerten sich die anderen Angestellten, mit ihm zusammenarbeiten. Zwei Kolonnenführer drohten sogar mit Kündigung, sollte der "Low-Performer" weiter beschäftigt werden.

Der Gekündigte wollte sich nicht mit seiner Entlassung abfinden und klagte – mit Erfolg: Ein Mitarbeiter müsse nicht unbedingt schnellstmögliche und fehlerfreie Leistungen abliefern, nicht einmal objektiv durchschnittlich arbeiten. Es reiche schon aus, abhängig von den individuellen Kräften und Fähigkeiten, eine "normale  Arbeitsleistung von mittlerer Art und Güte" zu erbringen, so die Richter.  Den Beweis, dass der Arbeitnehmer auch diese Mindestvoraussetzungen nicht erfüllt habe, blieb das Unternehmen aber schuldig.

Grundsätzlich können Arbeitgeber in vergleichbaren Fällen eine sogenannte "Druckkündigung" aussprechen. Die ist möglich, wenn Dritte die Entlassung eines Arbeitnehmers verlangen und der Firma ansonsten erhebliche Nachteile drohen. Vorstellbar wäre das etwa, wenn ein wichtiger Kunde mit Rückzug droht, wenn ein unliebsamer Mitarbeiter bleibt. Allerdings muss der Arbeitgeber in solchen Fällen alles Zumutbare versuchen, um den Betroffenen zu schützen. Die Baufirma hätte beispielsweise durch zusätzliche Mitarbeiter pro Kolonne oder Mehrarbeitszuschläge die Kollegen besänftigen können.

Quelle: n-tv.de

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