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Schlecht für alle Beteiligten: Mehr "innerliche Kündigungen"

Wenn sich Mitarbeiter von ihrer Firma gedanklich verabschieden, macht das nicht nur schlechte Laune und belastet das Betriebsklima. Es kostet die Unternehmen auch eine Menge Geld. Hauptursache für die innerliche Kündigung ist eine mangelhafte Personalführung, so eine aktuelle Studie.

Mangelnde Zufriedenheit der Mitarbeiter kann auch zu einem persönlichen Gesundheitsproblem für die Betroffenen werden.
Mangelnde Zufriedenheit der Mitarbeiter kann auch zu einem persönlichen Gesundheitsproblem für die Betroffenen werden.

Der erhöhte Zeit- und Leistungsdruck, der von vielen Beschäftigten und Arbeitsschützern mit "Arbeitsverdichtung, Stress und Arbeiten ohne Ende" beklagt wird, fordert Höchstleistungen von Mitarbeitern und deren Führungskräften. Aber können diese Höchstleistungen auch tatsächlich abgerufen werden?

Die Arbeitszufriedenheitsstudie des Beratungsunternehmens Gallup ergibt ein klares nein. 63 Prozent der Beschäftigten in Deutschland verspüren, auf das Jahr 2011 bezogen, keine echte Verpflichtung ihrer Arbeit gegenüber, sind "unengagiert", 23 Prozent sogar "aktiv unengagiert", so die Untersuchung.

Demnach hat etwa jeder vierte Arbeitnehmer (24 Prozent) in Deutschland innerlich gekündigt. Der Anteil der Mitarbeiter, die keine emotionale Bindung mehr zu ihrem Unternehmen empfänden, wachse seit Jahren, so die Studie. Im Jahr 2001 habe er noch bei 15 Prozent gelegen und 2007 bei 20 Prozent. "Die Folgen mangelnder Mitarbeiterbindung für die Leistungsfähigkeit der Unternehmen sind erheblich", sagte der Gallup-Projektmanager Marco Nink am Mittwoch in Berlin.

Die fehlende Motivation der Beschäftigten kostet die deutsche Volkswirtschaft nach einer Gallup-Hochrechnung jährlich 112 bis 138 Milliarden Euro. Denn die Mitarbeiter mit verlorener Bindung lieferten weniger Ideen, seien häufiger krank und steckten die Kollegen mit ihrer Unlust an. Nach der Gallup-Studie hatten im vergangenen Jahr lediglich 15 Prozent der Befragten eine hohe emotionale Bindung an ihr Unternehmen. 61 Prozent machten "Dienst nach Vorschrift", ihre Bindung an den Arbeitgeber sei gering.

Zu wenig konstruktive Kritik und Unterstützung

Hauptursache für die innerliche Kündigung sei eine mangelhafte Personalführung und ein damit einhergehendes schlechtes Betriebsklima, sagte Nink. Viele Arbeitnehmer stiegen hochmotiviert in ein Unternehmen ein, würden aber über einen längeren Zeitraum desillusioniert und resignierten am Ende. Die wichtigste Rolle spiele dabei fast immer der direkte Vorgesetzte. Von ihnen komme oft zu wenig konstruktive Kritik und Unterstützung bei der Arbeit. "Dem Mitarbeiter dann und wann auf die Schulter zu klopfen - das ist einfach zu wenig", sagte der Gallup-Forscher.

Die von Gallup seit elf Jahren durchgeführte Untersuchung wird auch von einer Vielzahl anderer Umfragen bestätigt. Der durch die anspruchsvollen Wettbewerbsbedingungen im Markt entstehende Druck wird oft ungefiltert an die Mitarbeiter weitergeleitet, anstatt durch eine professionelle Pflege und Entwicklung der Humanressourcen Lösungen für die vielfältig auftretenden Probleme zu schaffen.

Doch die mangelnde Zufriedenheit der Mitarbeiter wird nicht nur zu einem wirtschaftlichen Problem für die Arbeitsprozesse im Unternehmen, sondern oft auch zu einem persönlichen Gesundheitsproblem für die Mitarbeiter selbst, folgert die Gallup.

Quelle: n-tv.de

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