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Antibiotikaresistente Krankmacher: Mett mit Keimen belastet

Beliebt, aber gefährlich. Der Verzehr von Schweinemett ist möglicherweise mit großen Gesundheitsrisiken verbunden. Eine Untersuchung ergibt, dass rund 16 Prozent der Proben mit antibiotikaresistenten Keimen belastet sind. Weil Mett roh verzehrt wird, bedeutet das ein hohes Risiko für Menschen, da Antibiotika im Fall einer Erkrankung nicht mehr wirken.

Antibiotikaresistente Keime auf roh verzehrtem Fleisch sind eine tickende Bombe, so Experten.
Antibiotikaresistente Keime auf roh verzehrtem Fleisch sind eine tickende Bombe, so Experten.(Foto: picture alliance / dpa)

Schweinemett ist einer Stichprobe im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion zufolge oft mit Keimen belastet, die gegen Antibiotika resistent sind. Getestet wurden 50 Proben in zehn Städten, belastet sei das Mett laut Stichprobe in acht Proben gewesen.  Da Mett-Fleisch roh verzehrt wird, bedeutet dies ein potenzielles Risiko für die Menschen.

Die Keime tauchten dort auf, weil mittlerweile viele Tiere in den großen Mastställen damit infiziert seien, erklärte die Grünen-Bundestagsfraktion. Ursache sei der massive und häufig unsachgemäße Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung. Deutschland liegt laut einer Studie der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) weltweit auf einem der vorderen Plätze beim Einsatz von Antibiotika pro Kilo erzeugtem Fleisch.

Die Grünen-Bundestagsfraktion ließ im Dezember in zehn großen Städten an jeweils fünf Orten Schweinemett einkaufen - in Discountern, Supermärkten und Bäckereien. Die Produkte, etwa Zwiebelmettwurst, Mettbrötchen oder frisches Mett, ließen sie im Labor untersuchen. Demnach waren 16 Prozent der Proben mit antibiotikaresistenten Keimen belastet.

"Riesiges Trainingsgebiet für Keime"

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, und der agrarpolitische Sprecher Friedrich Ostendorff kritisierten, Mastställe seien "quasi ein riesiges Trainingsgebiet für Keime, um resistent gegen Antiobiotika zu werden". Sie forderten, den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast "deutlich" zu reduzieren. Dies sei nur möglich, wenn die Größen der Herden verkleinert würden und die Tiere mehr Platz bekämen.

Europaweit sterben laut Heinrich-Böll-Stiftung und Naturschutzbund Deutschland (BUND) jährlich rund 25.000 Menschen auf Grund von Antibiotika-Resistenzen. In Deutschland sind es nach Angaben der Grünen-Bundestagsfraktion jährlich rund 30.000 Menschen, die sterben, weil sie nicht mehr vollständig auf die Behandlung mit Antibiotika ansprechen.

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger kritisierte, es würden weiterhin neue Megaställe gebaut, deren Förderung Fleisch beim Discounter scheinbar billig mache. "Tatsächlich zahlen die Verbraucher einmal beim Kauf des Fleisches, dann mit Steuergeld für neue Ställe und Schlachthöfe und drittens für die Umwelt- und Gesundheitsschäden." Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) habe es nicht geschafft, hier Veränderungen einzuleiten. Der BUND setze sich dafür ein, bei der laufenden EU-Agrarreform die Vergabe der Subventionen an strenge Umwelt- und Tierschutzauflagen zu binden.

Fast 90 Kilo pro Jahr und Kopf

Der von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) herausgegebene "Fleischatlas" offenbart: Junge Deutsche essen am meisten Fleisch: Bei den Männern sind die 19- bis 24-Jährigen die größten Fleisch- und Wurstvertilger, bei den Frauen sind es die 25- bis 34-Jährigen. Demnach essen 85 Prozent der Deutschen täglich oder nahezu täglich Fleisch und Aufschnitt. Insgesamt sind es durchschnittlich 89 Kilogramm pro Jahr und Kopf.

Aufgeschlüsselt nach Bundesländern essen die Männer in Thüringen am meisten Fleisch, nämlich mehr als 70 Gramm pro Tag. Mit 49 bis 50 Gramm am Tag kommen dem "Fleischatlas" zufolge dagegen die Männer in Rheinland-Pfalz aus. Auch die Frauen in dem Bundesland verzehren demnach bundesweit am wenigsten Fleisch, nämlich nur 20 bis 25 Gramm am Tag. Über 35 Gramm täglich essen demnach die Frauen in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Die Zahlen im "Fleischatlas" beruhen auf der Nationalen Verzehrsstudie von 2008.

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Quelle: n-tv.de

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