Ratgeber

Anleger in der Cash-Lock-Falle: Missverständnis Riester-Fondssparen

Von Axel Witte

Lust auf mehr Rendite? Fondssparpläne versprechen höhere Erträge als andere Riester-Produkte. Dumm nur, wenn die Börsen boomen und man dennoch nicht dabei ist. Derartige Überraschungen sind jedoch keine Seltenheit.

Ein langfristige Anlage ist sinnvoll. So überstehen Sparer auch Verlustphasen gut. Es sei den es handelt sich um einen Riester-Fonds.
Ein langfristige Anlage ist sinnvoll. So überstehen Sparer auch Verlustphasen gut. Es sei den es handelt sich um einen Riester-Fonds.(Foto: REUTERS)

Ausgerechnet der viel gelobte Marktführer der Branche sorgt für Verdruss. So wurde der UniProfiRente der Fondsgesellschaft Union Investment jahrelang bescheinigt, das chancenreichste und attraktivste Produkt für risikofreudige Anleger zu sein. Rund zwei Millionen Sparer griffen zu. Das Konzept? Verlockend einfach. Union Investment investiert die Einzahlungen möglichst langjährig vollständig in den weltweit anlegenden Aktienfonds UniGlobal. So soll möglichst viel Rendite erwirtschaftet werden. In unruhigen Börsenphasen oder wenn die Rente naht, sieht das Konzept vor, bereits angespartes Kapital und/oder laufende Einzahlungen in den schwankungsärmeren Rentenfonds UniEuroRenta umzuschichten.

Diese Umschichtung ist bisher bei rund 40 Prozent der Verträge umgesetzt worden. Doch bei vielen Kunden ist der Ärger groß, denn zu deren Überraschung verbleiben die derart gesicherten Einzahlungen auch im Rentenfonds. Eine Rückübertragung in den chancenreichen Aktienfonds ist nicht möglich – der sogenannte Cash-Lock ist endgültig und am Riesterfondsmarkt auch einzigartig. Dass diese Endgültigkeit in den Anfangsjahren beim Verkauf der UniProfiRente oft unerwähnt blieb und auch in entsprechenden Produktinformationen der Gesellschaft keine Erwähnung fand, ist für Betroffene besonders verwunderlich und könnte noch für Ärger sorgen. Selbst bei früheren, positiven Bewertungen durch "Finanztest" war vom Cash-Lock keine Rede.

Computersystem entscheidet

Aber genau der ist das Problem. Denn zumeist wurden und werden Verträge umgeschichtet, bei denen sich das Depot zwar oft satt im Minus befindet, das Rentenalter aber noch in weiter Ferne liegt. Der Grund: Die Fondsgesellschaften vergeben bei Vertragsabschluss eine vom Gesetzgeber geforderte Garantie - die Beitragszahlungen der Kunden müssen bis zum 60. Geburtstag des Sparers inklusive Zulage garantiert sein.

Auch wenn Union Investment an anderer Stelle für ihre Aktienfonds mit Berechnungen wirbt, demnach sich Anlagen in Aktien spätestens nach 15 Jahren lohnen, gelten diese Erkenntnisse nicht für jahrzehntelang laufende Riester-Fondssparpläne. Denn Sicherheit ist Trumpf und Verluste können nicht - wie derart beschworen - so einfach ausgesessen werden.

Und so läuft bei der UniProfiRente ein einfaches Programm ab. Umgeschichtet wird dann, wenn abhängig von den verbleibenden Jahren bis zum 60. Lebensjahr der Verlust des UniGlobal durch eine entsprechende Referenzanlage im vorausplanbaren Festzinsbereich noch ausgeglichen werden kann. Das bedeutet, je älter der Kunde und desto größer der Verlust, desto eher schlägt der Cash-Look zu. Es werden also nicht etwa Gewinne gesichert, sondern zum Teil erhebliche Verluste realisiert. Theoretisch können zwar neue Beiträge wieder in den Aktienfonds fließen, doch das so gesicherte (Rest-)Vermögen muss mühsam die Verluste im wenig dynamischen Rentenfonds ausgleichen und kann nicht an einer möglichen Erholung des Aktienmarktes teilhaben.

Produkte investieren nicht antizyklisch

Es bleibt zu befürchten, dass die verbleibende Restlaufzeit und die neu investierten Beiträge nur noch zur Verlusttilgung genutzt werden können. Für positive Renditen fehlt wohlmöglich die Zeit als auch die nötige Anlageform– zumindest bei älteren Sparern mit hoch defizitären Verträgen.

Ob es Sinn für enttäuschte Kunden macht, ihren Vertrag auf eine andere Gesellschaft übertragen zu lassen, bleibt fraglich. Denn fairerweise muss erwähnt werden, dass auch die Modelle der Konkurrenz kaum antizyklisch investieren. Mal gibt es eine, abhängig vom Lebensalter, von vornherein klar definierte Aktienquote (Deka BonusRente) oder eine flexibel vom Computer und Manager gesteuerte Gewichtung (DWS Top Dynamik). Sicherlich steht auch für diese Gesellschaften im Vordergrund, dass die gegebene Garantie ohne allzu große Aufregungen eingehalten werden kann So investiert die Deka Gelder von über 50-Jährigen nicht mehr in Aktienfonds. Und auch bei der DWS ist davon auszugehen, dass ältere Sparer mit wenig oder gar keinen Aktien auskommen müssen.

Grundsätzlich ist eine Übertragung des Riestervertrags auf einen anderen Anbieter möglich. Die neue Gesellschaft übernimmt natürlich nur die Garantie für die übertragenen Werte und nicht für den Ausgleich der Verluste. Alternativ dazu kann der alte Vertrag auch beitragsfrei gestellt werden und bei einem anderen Anbieter ein neuer eröffnet werden. Nur gekündigt werden sollte ein bestehender Vertrag vor Ablauf nicht – denn dann müssen Zulagen und Steuervergünstigungen zurückgezahlt werden.

Unverändert empfehlenswert?

Union Investment glaubt indes weiter an den Erfolg ihres Produktes – auch für den Sparer. Selbst wenn der "Cash-Lock-geschädigten Kunde" nur schwerlich die in Aussicht gestellte Rendite erreichen dürfte.

Die Gesellschaft hat aber insofern auf den Verdruss der unfreiwilligen Rentenfondsbesitzer reagiert, als dass sie eine weitere Riester-Fondsrente auf den Markt gebracht hat, die sich an den Modellen der Konkurrenz orientiert. So ist hier zumindest theoretisch eine Reinvestition in Aktien möglich. Unnötigerweise verlangt Union Investment auch von ihrer unzufriedenen Kundschaft beim hausinternen Produktwechsel eine Gebühr von 0,5 Prozent des übertragenden Kapitals.

Nichtsdestotrotz ist laut Finanztest die UniProfiRente neben der DWS Top Dynamik zumindest für jüngere Sparer zu empfehlen. Ältere sollten demnach eher zur defensiveren Deka BonusRente greifen. Denn eine höhere Aktienquote birgt auch immer ein deutlich höheres Risiko. Wenn auch bisweilen an anderer Stelle als vermutet.

Quelle: n-tv.de

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