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Hoher Zeitdruck, wenig Lohn: Nur ein Paketdienst ist fair

Der Empfänger ist zu Hause, trotzdem gibt der Paketbote die Sendung beim Nachbarn ab. Im dümmsten Fall hinterlässt er nicht einmal eine Benachrichtigungskarte. Der Grund: Lieferanten sind fast immer in Eile. Mit wem kann man mit gutem Gewissen Päckchen schicken?

Nicht immer landet die Zustellkarte im Briefkasten, wo sie hingehört.
Nicht immer landet die Zustellkarte im Briefkasten, wo sie hingehört.(Foto: imago stock&people)

Die fünf großen Paketdienste in Deutschland arbeiten schnell und meist auch günstig. Oft kommen die Sendungen schon am nächsten oder übernächsten Tag beim Empfänger an. Doch oft macht die Zustellung Probleme, wie die Stiftung Warentest in der jüngsten Ausgabe ihrer Zeitschrift "Test" bemängelt: Pakete seien ohne Absprache einfach vor der Tür oder in einer Garage abgelegt worden oder landeten beim Nachbarn, ohne dass der Empfänger informiert worden sei. Das sei vermutlich eine Folge der  harten Arbeitsbedingungen der Boten. Richtig rosig sind die nirgends. Bei drei der fünf Paketdienste beurteilte die Stiftung Warentest die Konditionen mit "mangelhaft".

"Test" nahm DHL, Hermes, GLS, UPS und DPD unter die Lupe. Die Prüfer verschickten 100 Pakete, 20 pro Anbieter. DPD und GLS waren mit durchschnittlich ein bis zwei Tagen Lieferzeit am schnellsten. Auch UPS und DHL blieben im Schnitt unter zwei Tagen Lieferzeit. Hermes kam auf einen Schnitt von 2,3 Tagen. Viele Kunden könnten sich den oft happigen Expresszuschlag wohl schenken, so der Rat der Tester.

Die Pakete waren immer gleich groß und gleich schwer – und immer mit heiklem Frachtgut beladen. Jeder Karton enthielt fünf Teller, zwei Gläser und einen Glasbilderrahmen. Trotz sorgfältiger Verpackung ging laut "Test" aber bei jeder fünften Sendung ein Teil des Inhalts zu Bruch. Die Unterschiede seien hier aber groß gewesen: Bei DHL etwa sei der Inhalt aller Pakete heil geblieben, bei DPD seien 7 der 20 Pakete mit Bruch angekommen.

Manchmal wird gar nicht geklingelt

Mehr noch als diese schlechte Lieferqualität beanstandeten die Tester aber die Zuverlässigkeit der Zustellung. Zweimal klingelten die Zusteller erst gar nicht, obwohl die Empfänger zu Hause waren, sondern warfen gleich eine Benachrichtigung in den Briefkasten. Ein GLS-Bote klebte die Benachrichtigungskarte einfach an die Hauseingangstür. Es kam auch vor, dass Pakete in der Nachbarschaft abgegeben wurden, ohne dass die Adressaten darüber informiert wurden.

Oft dürften solche Vorkommnisse eine Folge des enormen Zeitdrucks sein, unter dem die Boten in der Regel stehen. "Test" hat die Firmen gebeten, Transportwege offenzulegen und über Arbeitsbedingungen und Umweltschutz entlang der Lieferkette, also die Corporate Social Responsibility (CSR), Auskunft zu geben. Die Angaben versuchten die Tester dann anhand von Arbeitsverträgen, Lohnabrechnungen oder auch in Mitarbeitergesprächen zu überprüfen. Zugang zu solchen Informationen bekam die Stiftung aber nur bei  DHL und Hermes. DPD und GLS wollten keine Auskünfte geben, weil der Großteil der Transporte durch Subunternehmer erfolge. UPS reagierte erst gar nicht.

Bis zu 15 Stunden unterwegs

Die Tester machten sich trotzdem bei Zustellern und Subunternehmern auf die Suche und was sie fanden, war oft nicht mit dem Arbeitsgesetz zu vereinbaren. So berichteten die Boten von Arbeitstagen mit bis zu 15 Stunden ohne Pause, körperlicher Anstrengung bei Paketen von bis zu 70 Kilogramm und Löhnen unter dem Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde.

DHL und Hermes gewährten den Prüfern auch Zugang zu Mitarbeitern. DHL bekam die Note "gut", die Paketfahrer – so sie denn direkt bei DHL angestellt sind - erhalten laut "Test" meist mehr Geld und müssen weniger lange arbeiten als bei anderen Zustellfirmen. Auch Hermes war sehr um Transparenz bemüht und gewährte den Testern sogar Zugang zu den Vertragspartnern - eine Offenheit, die in CSR-Tests eher selten ist. Das Geschäft der "letzten Meile" liegt bei Hermes nämlich ausschließlich bei Subunternehmern. Allerdings waren die Arbeitsbedingungen in der Regel härter als bei DHL, weshalb Hermes im CSR-Test nur "befriedigend" abschloss. Immer noch besser als die drei anderen Konkurrenten, die allesamt "mangelhaft" bewertet wurden.

Quelle: n-tv.de

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