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Bitterer Beigeschmack: Öko-Test prüft Schokolade

Winterzeit ist Schokoladenzeit. Besonders edel und aromatisch ist die dunkle Variante mit hohem Kakaoanteil. Doch die Kakaoproduktion ist in Verruf geraten: Kinderarbeit und Hungerlöhne sind auf den Plantagen eher die Regel als die Ausnahme. Das Magazin "Öko-Test" hat die Herkunft von 25 Schokoladen überprüft. Wirklich fair sind die wenigsten.

Dunkle Schokolade gilt als gesünder. In den letzten Jahren erfreut sie sich zunehmender Beliebtheit.
Dunkle Schokolade gilt als gesünder. In den letzten Jahren erfreut sie sich zunehmender Beliebtheit.

Mit Schokolade assoziiert man gemeinhin Genuss und Wohlbefinden. Weniger angenehm ist der Gedanke an die Herkunft des braunen Goldes. Um das Jahr 2000 gab es die ersten schockierenden Berichte über die ausbeuterischen Verhältnisse auf westafrikanischen Kakaoplantagen. Seitdem hat sich zwar einiges getan, doch ausgerottet sind Sklaverei und Kinderarbeit noch lange nicht. Das Magazin "Öko-Test" hat sich in seiner Dezember-Ausgabe des Themas angenommen und 25 dunkle Schokoladen auf ihre Produktionsbedingungen hin überprüft.

Die Bilanz fällt ernüchternd aus: Die meisten Schokoladen im Test seien "unfair" oder "überwiegend unfair" produziert, so das Fazit der Tester nach Auswertung der Fragebögen an die Hersteller. Auch wenn es vielerorts Bemühungen gibt, hätten zu viele Anbieter wenig Konkretes im Kampf gegen Kinderarbeit bei der Kakaoproduktion vorzuweisen. So verwiesen manche Firmen lapidar auf ihre Unternehmensrichtlinien, die Kinderarbeit prinzipiell ausschließen. Damit machten sie es sich allerdings zu einfach, moniert Öko-Test. Nur durch ein engmaschiges Kontrollsystem ließe sich verhindern, dass Kinder als Sklaven auf den Plantagen arbeiteten, wie es in den Haupterzeugerländern üblich ist.   

Fair ist nur ein Mindestpreis

Kinderarbeit ist aber gar nicht der Kern des Problems, sondern nur ein Symptom der schlechten wirtschaftlichen Lage der Kakaobauern. "Fair" kann eine Schokolade nur dann sein, wenn die Bauern für ihren Kakao einen Preis erhalten, von dem sie und ihre Familien leben können. Erhielten die Bauern im Jahr 1980 inflationsbereinigt fast 5000 US-Dollar für eine Tonne Kakao, so gibt es heute nur noch halb so viel. Um die Bauern vom fast täglich schwankenden Börsenpreis für Kakao unabhängig zu machen, ist ein garantierter Mindestpreis sinnvoll. Den gab es allerdings nur bei zehn der 25 getesteten Schokoladen.

Mehr Engagement zeigen die Hersteller bei Projekten zur Ertragssteigerung. 17 von ihnen unterstützen die Bauern Know How und Infrastruktur. So startete etwa Nestlé 2009 das Projekt "Cocoplan" mit rund 18.000 Farmern, die in Kooperativen organisiert sind. Sie erhalten Schulungen und ertragreiche Pflanzen. Auf diese Maßnahmen vertrauen inzwischen auch eine Reihe weiterer Hersteller. Nestlé, Mars und Cadbury sind inzwischen auch in den zertifizierten fairen Handel eingestiegen. Siegel wie das von Fairtrade, UTZ Certified oder der Rainforest Alliance gibt es aber nicht für das ganze Sortiment, sondern nur für einzelne Produkte, die auf dem deutschen Markt noch nicht erhältlich sind.

Um im Vergleich von "Öko-Test"-Vergleich die Bewertung "Fair" zu erlangen, mussten die Hersteller kein Siegel nachweisen. Entscheidend waren die Bemühungen bei der Vermeidung von Kinderarbeit, beim Mindestpreis und den Projekten. Sechs von 25 Produkten konnten überzeugen, darunter die Edelbitterschokolade von Rewe Bio, die Zartbitterschokolade von Gepa und das Tegut-Produkt Kaoka. 

In zwölf Schokoladen fanden die Tester das als krebserregend geltende Schwermetall Cadmium. Entscheidend war hierbei die Herkunft der Pflanzen. Der giftige Stoff wird über die Wurzeln aufgenommen und die vulkanischen Böden latein-amerikanischer Länder sind von Natur aus reich an Cadmium.

Quelle: n-tv.de

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