Ratgeber

Wenn die Eltern teuer werden: Pflegeversicherung schließt Lücke

von Alexander Klement

Viele Menschen sind im Alter auf Pflege angewiesen. Egal ob ein häuslicher Pflegedienst beauftragt wird oder der Umzug in ein Pflegeheim ansteht: Oft reichen die Rente, die Ersparnisse und die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht aus. Dann müssen die eigenen Kinder zahlen.

Ab 85 steigt das Risiko, pflegebedürftig zu werden enorm.
Ab 85 steigt das Risiko, pflegebedürftig zu werden enorm.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Deutschen entwickeln sich immer mehr zu Individualisten. War es vor Jahrzehnten noch üblich, dass mehrere Generationen in einem Haus lebten, trifft man heute immer kleinere Wohngemeinschaften an – von der Familie mit Kindern bis hin zur Single-Wohnung. Dass die Großeltern mit unterm gleichen Dach wohnen, ist selten. Das Problem: Dank des medizinischen Fortschritts werden wir zwar immer älter, aber im Alter sind wir oft trotzdem auf Hilfe und unter Umständen auch auf Pflege angewiesen. Und beim Thema "Unterhaltspflichten" kommen auch die Kinder wieder ins Spiel. Meist hat man bei dem Begriff nur die Pflichten der Erwachsenen gegenüber ihren Kindern im Sinn. Doch das Unterhaltsrecht funktioniert auch anders herum.

Sozialamt fordert Geld zurück

Kommt ein pflegebedürftiger Elternteil ins Heim, kann die Kostenbeteiligung bis auf die Kinder durchschlagen. Ein Platz im Pflegeheim kostet nicht selten 3000 bis 4000 Euro pro Monat. Zunächst springt die gesetzliche Pflegeversicherung ein. Deren Leistungen sind in drei Stufen untergliedert, selbst in der höchsten Pflegestufe zahlt sie aber meist nicht mehr als 1510 Euro monatlich. Zusätzlich wird die Rente des Pflegebedürftigen mit eingebracht. Wenn darüber hinaus kein Vermögen vorhanden ist, schließt das Sozialamt zunächst die Kostenlücke. Doch die Behörde versucht, sich das Geld von den Kindern zurückzuholen.

Dazu ist sie berechtigt, Auskünfte von den Kindern einzuholen und diese auch zu überprüfen. Die Unterhaltspflicht gegenüber den Eltern soll nicht dazu führen, dass dadurch eine Existenzbedrohung der Kinder entsteht. Daher sieht der Gesetzgeber hier Freigrenzen vor, bis zu denen kein Unterhalt geleistet werden muss.

Höherer Selbstbehalt

Seit Jahresbeginn beträgt der Selbstbehalt für eine Person 1500 Euro. Für den Ehepartner kommen 1200 Euro hinzu. Außerdem werden Verpflichtungen angerechnet, die die Kinder schon hatten, bevor die Pflegebedürftigkeit feststand. Hierzu gehören Kreditverpflichtungen, berufsbedingte Aufwendungen wie Fahrtkosten zur Arbeitsstelle und Gewerkschaftsbeiträge, Zahlungen zur privaten Altersvorsorge bis zu fünf Prozent des Bruttolohns (bei nicht gesetzlich Rentenversicherten bis zu 25 Prozent). Unterhaltspflichten gegenüber den eigenen Kindern gehen vor. Wohnt man im eigenen Haus, muss man dies nicht verkaufen. Mieterträge werden allerdings dem Einkommen hinzugerechnet.

Interessant wird es nochmal, wenn der pflegebedürftige Elternteil in kluger Voraussicht zu Lebzeiten bereits Geld, Sachwerte oder Immobilien verschenkt hat. Hier kann das Sozialamt unter Umständen verlangen, dass die Schenkung rückgängig gemacht wird – nämlich dann, wenn die Schenkung noch nicht mehr als zehn Jahre zurückliegt.

Der pflegebedürftige Elternteil muss bis auf einen Notgroschen von 2600 Euro in bar das komplette Vermögen für die Pflegekosten einsetzen. Selbst das zuvor bewohnte Eigenheim wird versilbert, wenn der Ehepartner ebenfalls nicht mehr darin wohnt.

Frauen zahlen mehr

Die gesetzliche Pflegeversicherung reicht in vielen Fällen nicht aus, um die tatsächlichen Pflegekosten zu decken. Nach Berechnungen der Stiftung Warentest entsteht - in Abhängigkeit von Pflegestufe und davon, ob die Pflege zuhause oder im Heim durchgeführt wird - eine Unterfinanzierung von 500 bis 2200 Euro pro Monat. Um diese Lücke zu schließen und um den eigenen Kindern im Alter nicht auf der Tasche zu liegen, kann eine zusätzlich abgeschlossene private Pflegetagegeldversicherung sinnvoll sein.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, hat die Stiftung Warentest 30 Pflegetagegeldtarife für jeweils vier Modellkunden unter die Lupe genommen. Die Beispielversicherten waren 45 oder 55 Jahre alt, männlich oder weiblich. Bei der Beitragsberechnung spielen drei wesentliche Faktoren eine Rolle:
1. Frauen zahlen aufgrund der höheren Lebenserwartung höhere Beiträge für die gleiche Leistung,
2. wer in jüngeren Jahren eine Versicherung abschließt zahlt weniger,
3. wer bereits unter einer chronischen Krankheit leidet, hat fast keine Chance, eine Pflegetagegeldversicherung abzuschließen.

Der Weg zur Pflegestufe

Wie hoch die Leistung aus der Versicherung ausfällt, hängt auch von der Pflegestufe ab. Die Pflegestufe muss der Versicherte selbst bei seiner Krankenkasse beantragen. Um festzustellen, ob und wenn ja, welche Pflegestufe erreicht ist, wird ein Gutachten erstellt. Bei gesetzlich Versicherten übernimmt dies der Medizinische Dienst der Krankenkasse (MDK), bei Privatversicherten das Unternehmen Medicproof.

Bevor der Gutachter ins Haus kommt, sollten Angehörige mit der zu pflegenden Person eine Woche lang schriftlich dokumentieren, wobei Hilfe benötigt wird und wie viel Zeit die helfende Person dafür aufwenden muss. Das so entstandene Pflegetagebuch ist die Grundlage für das Gespräch mit dem Gutachter.

Es gibt aber auch Pflegetagegeldversicherungen, bei denen der Versicherte bei Abschluss selbst festlegen kann, wie hoch die Leistung in der jeweiligen Pflegestufe ausfallen soll. Einzige Einschränkung: Eine höhere Pflegestufe darf nicht niedriger versichert sein als die darunterliegende.

Die besten Tarife

Unterm Strich kann man der Untersuchung der Stiftung Warentest zufolge für alle vier Modellfälle "gute" Angebote finden. Dabei muss man mit einem monatlichen Beitrag von 40 bis 70 Euro rechnen. Das beste Gesamturteil für Frauen erhielt der Tarif PET der DKV, vor allem wegen seines günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses. Für Männer schnitt der Tarif PZTBest der Allianz etwas besser ab, weil seine Bedingungen zu den besten im Test gehörten.

Wie bei Versicherungen üblich, geht es auch bei der  Pflegetagegeldversicherung um reine Risikovorsorge. Das heißt: Wird man nicht pflegebedürftig, sind die eingezahlten Beiträge trotzdem weg. Und wer seine Beiträge irgendwann mal nicht bezahlt, fliegt raus und der Versicherungsschutz ist verloren.

 

Quelle: n-tv.de

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