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Anschlussflug verpasst: Reisende werden entschädigt

Der Abflug verzögert sich, in der Folge erwischt man den Anschlussflug nicht mehr und am Ende werden aus zweieinhalb Stunden Verspätung elf Stunden. Hat man unter diesen Umständen auch Anspruch auf Entschädigung von der Fluggesellschaft? Der Europäische Gerichtshof schafft Klarheit.

Wenn Reisende mehrere Stunden warten müssen, haben sie Anspruch auf Betreuung und Schadenersatz.
Wenn Reisende mehrere Stunden warten müssen, haben sie Anspruch auf Betreuung und Schadenersatz.(Foto: dapd)

Flugpassagiere mit Umsteigeverbindungen haben grundsätzlich Anspruch auf Entschädigung, wenn sie am Zielort mit drei Stunden oder mehr Verspätung ankommen. Mit diesem Urteil präzisierte der Europäische Gerichtshof (EuGH) das bestehende EU-Verbraucherrecht und seine eigene Rechtsprechung.

Das höchste EU-Gericht äußerte sich zu einem Rechtsstreit zwischen einem deutschen Ehepaar und der Fluggesellschaft Air France vor dem Bundesgerichtshof. Die Ehefrau war von Bremen über Paris und São Paulo nach Asunción im südamerikanischen Paraguay geflogen. Weil sich der Abflug in Bremen um fast zweieinhalb Stunden verzögerte, verpasste sie den Anschluss in Paris und auch in Brasilien und kam schließlich mit elf Stunden Verspätung am Zielort an.

Air France war daraufhin verurteilt worden, der Frau 600 Euro Schadenersatz zu zahlen. Diese Summe ist in der Fluggastrechteverordnung bei Flugstreichungen oder bestimmten Verspätungen auf Langstreckenflügen vorgesehen. Doch Air France weigerte sich, das Urteil zu akzeptieren. Schließlich sei der erste Flug keine drei Stunden spät gestartet und erst dann ergäbe ein Recht auf Entschädigung.

Das EU-Gericht stellte nun klar, dass bei der Berechnung der Ausgleichszahlung nur die Verspätung am Zielort maßgeblich ist. Die Entschädigung hänge nicht von einer Verspätung beim Abflug ab.

Nach EU-Verbraucherrecht halbieren sich Entschädigungen bei Flugverspätungen, wenn ein zeitnaher Ersatzflug möglich ist. Außerdem entfällt der Anspruch auf Ausgleichszahlungen, wenn "außergewöhnliche Umstände" - wie extreme Wetterverhältnisse und in der Regel auch Streik - zu einem Flugausfall führen. Im verhandelten Fall spielten diese Faktoren allerdings keine Rolle.

Quelle: n-tv.de

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